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Hinterland Meilenstein für Grenzsteinfetischisten
Landkreis Hinterland Meilenstein für Grenzsteinfetischisten
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10:00 13.08.2019
Walter Achenbach (links) und Hans-Georg „Honnes“ Wagner haben ihr Grenzstein-Buch vorgestellt. Quelle: Erich Frankenberg
Biedenkopf

Hans-Georg „Honnes“ Wagner und Walter Achenbach haben 275 Grenzsteine erfasst und darüber ein Buch geschrieben (die OP berichtete). Bei der Vorstellung des Werks würdigte Uwe Funk, Vorsitzender des Grenzgangsvereins, die jahrelange Arbeit der beiden Autoren. „In diesem wohl einmaligen Buch werden uns die historischen Kleindenkmäler, nämlich unsere Grenzsteine ,in inserm Waald‘, nähergebracht und mit vielen informativen Daten, wie Höhenangaben, Brauchtum und Historie, unterlegt. So kann man jetzt auch sehen, wie viel man am Grenzgang ,nuff un nunner gieht‘“, sagte Funk.

„Auch die Ausführungen zur Geschichte unseres Grenzgangs und die Geschichte der Grenzsteine sind für die nächsten Generationen von großer Wichtigkeit, um so den Hintergrund unseres einmaligen Festes weiterzugeben. Auch die zum Grenzgang aus allen Ländern anreisenden ehemaligen „Birreköpper“ haben mit diesem Werk die Möglichkeit, etwas Heimat mitzunehmen“, erklärte der ­Komiteevorsitzende.

Weiter führte er aus: „Mit Ausdauer und Beharrlichkeit haben die beiden Protagonisten ein Werk geschaffen, das für die jetzige aber auch die kommende Generation von großer Bedeutung ist und sein wird. Es muss in einem Klang mit den Büchern von Günter Bäumner und Erich Weidemann genannt werden und wird in die Geschichte des Grenzgangs eingehen“.

Arbeit dauerte fast eine Grenzgangsperiode

Die beiden Autoren bezeichnen sich selbst nach Angaben von Hans-Georg Wagner als eingefleischte „Grenzsteinfetischisten“. Sie gingen bei der Präsentation auf die Vorgeschichte ­ihres „Lebenswerkes“ ein. So ahnte Wagner nicht was daraus entstehen würde, als er vor 13 Jahren begann die ersten Grenzsteinsdatenblätter zu erstellen. 

Unterstützung erhielten die ­Autoren bei ihrem Projekt „Nachversteinung verlorener und zerstörter Grenzsteine der Aussteinung 1777/80“ durch Karl Heinz Schneider, Manfred Bäcker und den ehemaligen Revierförster Dieter Anders. Dass die Arbeit fast eine Grenzgangsperiode lang, also rund sieben Jahre dauerte, war auch den Nachwirkungen des Orkans Kyrill im Januar 2007 geschuldet. Die Auswirkungen der damals angerichteten großflächigen Schäden auch im Biedenkopfer Wald sind in dem rund 700-seitigen Werk ausführlich dokumentiert. 

Erst nach Beendigung dieses Projektes entstand der Gedanke, diese Arbeiten in einer Zusammenfassung zu bündeln und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. In dem Buch werden zudem geschichtliche Ereignisse auch aus vermessungstechnischer Sicht erwähnt und erläutert. Unter anderem ist dort zu lesen, warum nicht alle 275 Grenzsteine im Jahre 1777 gesetzt werden konnten.

Luftbilder dienen der Dokumentation

Auch die unterschiedlichen Längenmaße, wie Ruten, Schuh, Klafter und Zoll werden ausführlich erläutert. Das vorliegende Werk soll laut Wagner auch eine hilfreiche Anregung für die gewählten Grenzbeauftragten sein. So wurde in jüngster Zeit der Grenzstein „No 169“ aufwendig von Steinmetz Thomas Blöcher restauriert.

Für Achenbach haben die Grenzsteine einen sehr hohen Stellenwert, seien sie doch ein wesentlicher Bestandteil des historischen Festes. „Was wäre der Grenzgang – ohne den Stein – ohne die Grenze – keine Ewigkeit“, lautet seine Überzeugung. So seien die Steine zwar als Grenzmale durch Gesetze geschützt, aber den Schutz nach dem Denkmalgesetz erlangen sie erst, wenn sie im Register für historische Grenzmale nachgewiesen seien.

Genau dieses Ziel habe man im Auge, sagte Achenbach. Kernstück der Dokumentation sind die Grenzsteinblätter. Jeweils zwei Blätter wurden dabei ­einem Grenzstein gewidmet. Da sind, unter anderem, die Nummer des Steines, die zuständige Betreuungsgesellschaft und das Setzungsjahr vermerkt. Ein weiterer wesentlicher Bestandteil ist ein Luftbildausschnitt, auf dem die Lage des Grenzsteines, der Grenze und der Nachbarsteine grafisch nachgewiesen wird.

Achenbach zitierte das Grußwort von Bürgermeister Joachim Thiemig: „Tradition und Brauchtum sind nicht nur unsere Wurzeln, sondern stehen auch für Gemeinschaft und Zusammenhalt“. Gerd Mathes vom „Verein zur Pflege historischer Grenzmale Hessen“ sagte, er sei sehr erfreut über diese Dokumentation, die auch ein Meilenstein in der Vereinsgeschichte darstelle.

von Erich Frankenberg