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Hinterland Liebestolle Hirsche kreuzen Straßen
Landkreis Hinterland Liebestolle Hirsche kreuzen Straßen
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18:58 19.09.2020
Rothirsche auf Partnersuche röhren wieder – und achten nicht auf den Straßenverkehr. Archivfoto: Boris Roessler/dpa Quelle: Boris Roessler/dpa/Archiv
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Biedenkopf

Die Hirschbrunft hat begonnen. Für Autofahrer im Hinterland bedeutet das, dass sie dieser Tage besonders aufmerksam über Landstraßen fahren sollten.

„Wenn jetzt ab Mitte September die Rotwildbrunft beginnt, ist die Gefahr, dass diese großen Tiere auch am Tage über Straßen laufen, besonders groß“, berichtet Volker Klingelhöfer von der Jägervereinigung Hinterland.

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Nicht allen Autofahrern ist bewusst, wie groß die Tiere sind und dass ein Zusammenstoß durchaus schwere Folgen haben kann, weiß der Jäger. Als Beispiel nennt er einen Wildunfall, der sich vor einiger Zeit auf der Bundesstraße 253 von Ludwigshütte in Richtung Sackpfeife ereignete.

„Eine Frau fuhr Richtung Frankenberg, als plötzlich eine junge Hirschkuh – wir Jäger sagen Schmaltier – auf die Straße lief, direkt vor das Auto der Frau“, berichtet Klingelhöfer. Trotz Vollbremsung konnte die Frau den Unfall nicht mehr verhindern. „Das Tier wurde dabei getötet, und das Auto sehr geschädigt. Der Fahrerin passierte zum Glück nichts“, so Klingelhöfer, „sie soll später gesagt haben, dass sie nicht gewusst hätte, wie groß so eine Hirschkuh sei.“

Nachts ertönt in kalten Nächten der Kampfschrei

Der Jäger weist darauf hin, dass jetzt ab Mitte September die Rotwildbrunft beginnt. Autofahrer müssten damit rechnen, dass die Tiere auch mitten am Tage auf den Straßen anzutreffen sind.

„Rotwild lebt gesellig“, berichtet Klingelhöfer. Die weiblichen Tiere leben mit sehr jungen Hirschen in Rudeln zusammen. Die alten Hirsche sind einzeln oder in Begleitung eines schwächeren Beihirschs unterwegs. „Nur in der Brunft, die etwa Mitte September beginnt und Mitte Oktober endet, werden die Hirsche von Unruhe und vom Trieb erfasst, sich bei den weiblichen Stücken einzufinden“, erklärt der Jäger. Die Hirsche ziehen dann oft auf viele Kilometer weit entfernte Brunftplätze. Und: „Vor allem die Hirsche vergessen in dieser Zeit, mit scharfen Sinnen auf Gefahren zu achten.“

Nachts sind die liebestollen Hirsche in der Brunftzeit auch zu hören. „In der Hochbrunft ertönt in kalten Nächten der Kampf- und Liebesschrei der Hirsche bis zum Morgen. Der Platzhirsch ist jetzt bereit, seine weiblichen Tiere gegen Nebenbuhler mit seinem Geweih zu verteidigen.“

Rotwild trägt im Wald zum Artenreichtum bei

Volker Klingelhöfer weist dabei auf die Bedeutung des Rotwilds für den heimischen Wald hin. Rotwild ist demnach wichtig für den Erhalt einer artenreichen Vegetation im Wald. „Durch ihre Schalen an den Läufen entstehen kleine Bodenverwundungen, die geschlossene Grasdecken durchbrechen und so bessere Keimbedingungen für Pflanzen schaffen“, erklärt der Jäger. So würden zum Beispiel Eicheln und Bucheckern tiefer in den Boden gedrückt und erhielten dadurch bessere Keimbedingungen.

Die Losung – also die Kotballen der Tiere – spiele eine Rolle als Nahrung für Kleinlebewesen und bei der Bodenbildung. „Stoffe, die mit der Nahrung aufgenommen werden, werden mit der Losung umverteilt“, so Klingelhöfer.

Zugleich nennt der Jäger aber auch Probleme, die entstehen, wenn zu viel Rotwild den Wald bevölkert. „Zurzeit leidet der Wald unter der jahrelangen Trockenheit, viele Bäume vertrocknen und sterben. Zu viel Rotwild kann dann durch Rindeschälen und Verbiss den Wald noch zusätzlich schädigen“, erklärt Klingelhöfer. „Wir versuchen, dem Lebensraum Wald zu viel Rotwild durch Jagd zu entnehmen“, erklärt Klingelhöfer die Aufgabe der Jäger.

Rothirsche

Rothirsche können bis zu 250 Kilogramm wiegen, Hirschkühe sind um ein Drittel kleiner als männliche Artgenossen und deutlich leichter. Ausgewachsene Hirsche tragen im Gegensatz zu Hirschkühen und Kälbern ein Geweih.

Die Bezeichnung „Rothirsch“ leitet sich von der im Sommer rotbraunen Fellfarbe ab. Im Winter wechselt sie zu graubraun. Kälber und ihre Mütter verständigen sich über leise Lockrufe, Hirsche und weibliche Alttiere geben außerdem bei Gefahr oder Beunruhigung einen bellartigen Laut von sich.

Während der Paarungszeit röhren die männlichen Hirsche intensiv. Rothirsche sind Pflanzenfresser; sie ernähren sich von Gräsern, aber auch von Kräutern, Knospen, Eicheln und Ackerfrüchten. (Quelle: nrw.nabu.de)

Von Susan Abbe