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Hinterland Anlieger-Proteste vorerst erfolgreich
Landkreis Hinterland Anlieger-Proteste vorerst erfolgreich
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14:58 26.06.2020
Die Firma Knettenbrech+Gurdulic in Solms. Quelle: Jenny Berns
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Breidenbach

Der mögliche Bau einer Abfallverwertungsanlage im Gewerbegebiet „Auf dem Eberbach“ erregt die Gemüter in Oberdieten. Das Gemeindeparlament hat infolge der heftigen Proteste die Entscheidung vertagt, um die Bürger näher zu informieren. Harald Grube, der den Protest in Oberdieten mit organisiert hat, sieht darin einen „Etappensieg“. Grube und seine Mitstreiter hatten nach eigenen Angaben über das Wochenende 350 Unterschriften gegen den Grundstücksverkauf gesammelt.

Mehrere Dutzend Oberdietener waren am Dienstagabend zum Bürgerhaus in Breidenbach gekommen, protestierten mit Schildern, Bürgermeister Christoph Felkl (SPD) wurde mit vereinzelten Buhrufen bedacht – und am Ende gab es Jubel für die Entscheidung der Gemeindevertreter. Die Entwicklung der vergangenen Woche im Überblick:

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Was ist geplant?

Das Entsorgungsunternehmen Knettenbrech+Gurdulic hat Interesse an einer rund 15 300 Quadratmeter großen Fläche. Dort soll Abfall gelagert und umgeschlagen werden. Vorgesehen ist, das Grundstück günstiger als üblich abzugeben. Im Gegenzug können Gemeinde und Bürger ihre Grünschnittabfälle dort kostenlos entsorgen. Der Betrieb der bisherigen Grünschnitt-Deponie wird künftig teurer, nach Gemeindeberechnungen belaufen sich die Kosten auf 24 000 Euro im Jahr – unter anderem damit wird der Vorschlag auf eine Preissenkung begründet.

Wo befindet sich die Fläche?

Das Areal setzt sich aus verschiedenen Grundstücken zusammen und befindet sich im Gewerbegebiet „Auf dem Eberbach“ am Ortsrand von Oberdieten.

Was soll gebaut werden?

Nach Angaben der Firma K+G soll der Müll auf Freiflächen sowie in bis zu elf Meter hohen Hallen gelagert werden. Vorgesehen sind auch ein bis zu neun Meter hohes Verwaltungs- und Sozialgebäude, eine Waage und eine Tankstelle für die Mülllastwagen.

Entfernung zum Ortsrand?

Nach Berechnungen der Gemeindeverwaltung liegen zwischen der Verwertungsanlage und der Kreuzung Obere Feldstraße / Blumenstraße rund 460 Meter. Die Entfernung zur Kindertagesstätte beträgt 700 Meter. Die Entfernung zur Grenze des möglichen weiteren Neubaugebiets „Auf dem Espen“ beträgt 500 Meter. Das Verwaltungsgebäude würde sich näher am Dorf befinden: Der Abstand läge bei 385 Meter zur Blumenstraße.

Welche Arbeiten erfolgen?

Die Firma K+G plant „Annahme, Umschlag, Zwischenlagerung und Behandlung“ von bis zu 50 000 Tonnen von gefährlichen und nicht gefährlichen Abfällen.

Ob das in Hallen oder Freiflächen geschieht, richtet sich nach den Emissionen, also dem Ausstoß von Schadstoffen, Lärm oder Gerüchen. Als gefährliche Abfälle gelten zum Beispiel Asbest, Mineralwolle, behandeltes Holz wie Bahnschwellen, Elektronikschrott, Kühlgeräte, Bitumengemische, belastete Böden, Leuchtstoffröhren. Solche Stoffe sollen lediglich angenommen, umgeschlagen und zwischengelagert werden. Gefährliche Abfälle wie Asbest oder Mineralwolle werden verpackt von der Baustelle angeliefert. Die Verpackungseinheiten sollen bis zum Weitertransport verschlossen bleiben. Andere Abfälle – zum Beispiel unbehandeltes Holz oder Grünschnitt – sollen in der Anlage geschreddert werden. Papier und Kartons werden zu Ballen gepresst.

Nach Angaben von K+G ist auch die Annahme von unbelastetem Bauschutt denkbar. Der Betrieb einer Bauschuttverwertung mittels Schredder ist allerdings eigentlich nur in Industriegebieten und nicht in Gewerbegebieten möglich. Über eine Ausnahmegenehmigung müsste das Regierungspräsidium Gießen entscheiden.

Wie hat die Gemeindevertretung entschieden?

Die Fachausschüsse haben in der vergangenen Woche über den Grundstücksverkauf diskutiert und mehrheitlich den Verkauf der Fläche empfohlen. Danach wurden Bürger in Oberdieten aktiv. Am Dienstagabend protestierten sie vor dem Bürgerhaus. Die Sitzung des Parlaments konnte anfangs nicht beginnen, weil deutlich mehr als die zwölf zugelassenen Zuhörer den Saal betreten hatten. Nach Aufforderung von Parlamentschef Martin Beckmann (SPD) verließ der größte Teil das Gebäude wieder, die Sitzung konnte beginnen. Nach einer halbstündigen, nicht-öffentlichen Sitzung des Ältestenrats, dem der Bürgermeister, der Parlamentschef sowie die Spitzen der Fraktionen angehören, verkündete Peter Künkel (Bürgerliste) einen gemeinsamen Antrag: Die Entscheidung soll vertagt werden, um die Bürger über das Vorhaben zu informieren. Ein Termin steht noch nicht fest.

Von Mark Adel

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