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Hinterland Ziel der Hafterleichterung erreicht
Landkreis Hinterland Ziel der Hafterleichterung erreicht
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20:28 25.02.2021
Ein Polizist beobachtet die mit Löschschaum bedeckten Autos vor dem Kreis-Job-Center in Biedenkopf. Der verurteilte Brandstifter erlangte durch eine Revisionsverhandlung vor dem Landgericht eine Hafterleichterung (Archivfoto).
Ein Polizist beobachtet die mit Löschschaum bedeckten Autos vor dem Kreis-Job-Center in Biedenkopf. Der verurteilte Brandstifter erlangte durch eine Revisionsverhandlung vor dem Landgericht eine Hafterleichterung (Archivfoto). Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

Mit einem Erfolg für den letztlich wegen Brandstiftung verurteilten Angeklagten endete die vom Bundesgerichtshof erwirkte Revision seines Verfahrens vor dem Landgericht in Marburg.

Die 6. Große Strafkammer unter dem Vorsitz des Landgerichtspräsidenten Dr. Frank Oehm verhängte am Ende des erneut aufgerollten Verfahrens gegen den mittlerweile 24-jährigen Täter eine Haftstrafe von drei Jahren und vier Monaten wegen fünf Fällen von Brandstiftung sowie Nötigung ferner zweifacher Beleidigungen und zwei Körperverletzungen. Im Strafmaß berücksichtigt ist ein weiterer Strafbefehl.

Höhere Haftstrafe war nicht möglich

Die verhängte Haftstrafe, die Staatsanwältin Lena Löwer in dieser Höhe forderte, ist deckungsgleich mit der des ersten Urteils vom 29. Mai 2019. Eine höhere Haftstrafe war nicht möglich, da nur die Verteidigerin des Angeklagten gegen das erstinstanzliche Urteil in die Revision ging. Wie am ersten Verhandlungstag verkündet, war das Ziel von Rechtsanwältin Vanessa Roth, über ein zweites Gutachten das zusätzlich angeordnete Unterbringen des zur Tatzeit 22-Jährigen in einer psychiatrischen Einrichtung aufzuheben.

Da dies gelang und das Strafmaß der Forderung der Staatsanwältin entspricht, erscheint ein Widerspruch gegen das noch nicht rechtskräftige Urteil unwahrscheinlich. Der 24-Jährige verbüßt nun den Rest seiner Haft, die wegen mehrerer Straftaten gegen ihn ausgesprochen wurde.

Die meisten davon ereigneten sich im privaten Bereich, eine jedoch rückte ihn ins Licht der Öffentlichkeit. Diese ereignete sich am 24. September 2018, als er vor dem Kreis-Job-Center (KJC) in Biedenkopf fünf Autos in Brand setzte. Auslöser war eine ausweglose Lage, in der sich der junge Mann wähnte. Deshalb beschloss er eine Tat zu begehen, um im Gefängnis eine Ausbildung und somit nach der Haft ein neues Leben beginnen zu können.

Drohung zum Verbrechen

Schon als er im KJC trotz Hausverbot bei einer Angestellten einen Scheck über 45 Euro Sozialleistungen abholte, drohte er, ein Verbrechen zu begehen. Aber erst löste der damals 22-Jährige den Scheck ein, kaufte von dem Geld einen Döner, Süßigkeiten sowie ein Feuerzeug samt Benzin und ein Küchenmesser. Zurück am ehemaligen Landratsamt schüttete er das Benzin als Brandbeschleuniger in die Kühlschlitze von fünf Autos der Marken Fiat, Ford und Opel und entzündete diese. Die Fahrzeuge gingen in Flammen auf, der Schaden summiert sich auf 70 000 Euro.

Der Hausmeister und ein Kreisangestellter verfolgten den Angeklagten, der sie mit Drohungen durch das Messer auf Abstand hielt. Schließlich nahmen ihn Polizisten kurze Zeit später am Bahnhof in Biedenkopf fest.

Angeklagter machte „ruhigen Eindruck“

Die an den Festnahmen beteiligten Polizisten beschrieben mit ihren Aussagen vor Gericht den Angeklagten so, als mache er einen ruhigen Eindruck. Während der Vernehmungen hätte sich das Verhalten jedoch schlagartig verändert, wurde der Tatverdächtige aggressiv. Auch bei den weiteren Taten, die dem 24-Jährigen vorgeworfen wurden, spielte dessen Aggressivität eine Rolle. Aktenkundig sind eine Reihe von Straftaten ab Mitte 2017.

Der Angeklagte würgte im Streit mehrmals seine Mutter, drohte sie zu töten, bedrohte auch seinen Großvater mit dem Tode, wenn dieser ihm nicht mindestens 5 000 Euro aushändige, beleidigte Polizisten, drohte auch diesen, sie zu töten. Auslöser für den heftigen Streit mit seiner Mutter war offenbar, dass er nach Bremen ziehen wollte, um ein neues Leben zu beginnen, und sie sich ständig in seine Angelegenheiten mische.

Von Gianfranco Fain