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Hinterland Andrang setzt Praxen unter Druck
Landkreis Hinterland Andrang setzt Praxen unter Druck
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17:00 08.12.2021
Die Nachfrage nach einer Immunisierung gegen das Coronavirus steigt.
Die Nachfrage nach einer Immunisierung gegen das Coronavirus steigt. Quelle: Jan Woitas
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Hinterland

Geänderte Sprechstundenabläufe, verfrüht geschlossene Impfzentren sowie zusätzliche Impfsprechstunden – um den Andrang an impfwilligen Bürgerinnen und Bürgern im gesamten Bundesgebiet in den Griff zu bekommen, arbeiten Ärztenetzwerke auf Hochtouren. Dabei setzt nicht nur die Begrenzung von Impfstoffen die Praxen unter Druck.

Schon seit April 2021 sind die Arztpraxen der Ärzte der Region (ADR) Hinterland und Wittgenstein in das Impfgeschehen eingebunden und stolz darauf, dass sie dieses Angebot auch während des laufenden Betriebes anbieten können. „Der unermüdliche Einsatz von uns niedergelassenen Ärzten hat allein in den 18 Praxen des ADR seit April dieses Jahres rund 33 000 Impfungen gegen Corona ermöglicht“, berichtet Mitglied und geschäftsführender ADR-Netzrat Ulrich Gauß, Allgemeinmediziner aus Bad Laasphe.

Nachdem das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) zu Beginn der sogenannten „vierten Welle“ die Empfehlung ausgab, eine dritte Impfung für Personen ab dem 18. Lebensjahr nach sechs Monaten durchzuführen, seien die Anfragen hier nach einer Booster-Impfung in die Höhe geschnellt. Erschwert worden sei dieses Vorhaben jedoch durch das in den Augen des ADR verfrühte Schließen der Impfzentren, weshalb die Praxen nun die Hauptlast tragen würden.

Neben der erneuten Begrenzung des Impfstoffes, was zur Folge hatte, dass Termine für bereits einbestellte Patienten verschoben werden mussten, offenbart auch der Blick in das ein oder andere Impfbuch nicht selten fehlende weitere Impfungen, die ebenfalls aufgefrischt werden müssen.

Umstieg auf anderen ­Impfstoff bringt Probleme

„Unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gehen mit vollem Engagement an die Grenzen der Belastbarkeit“, bekräftigt Axel Scheerer, ebenfalls geschäftsführendes Netzrat-Mitglied des ADR in Biedenkopf. Zudem sei der Umstieg von einem Impfstoff auf einen anderen nicht unproblematisch, wie Allgemeinmedizinerin in Bad Berleburg, Helga Roessiger erklärt: „Aus einem Fläschchen Biontech können wir sechs Impfungen aufziehen, bei einem Fläschchen Moderna sind es 20 Impfungen bei Boosterung, die innerhalb und spätestens eines Tages zu verbrauchen sind.“ Das hat zur Folge, dass plötzlich statt sechs 20 Patienten einbestellt werden müssen – eine enorme zeitliche sowie organisatorische Herausforderung.

Nichtsdestotrotz freut sich das ADR über die wieder angelaufene Unterstützung in den lokalen Impfzentren, wenn auch mit vorsichtigem Optimismus in die Zukunft geblickt wird. „Die Zahl der Infizierten wird leider noch so hoch bleiben, sodass die jetzigen Maßnahmen vermutlich erst ab dem neuen Jahr eine Verbesserung bei den dann schwer Erkrankten bringen dürfte“, erklärt Ulrich Gauß. Das hätte vor allem mit den weiterhin bestehenden Lieferengpässen der Corona-Impfstoffe zu tun, weshalb eine notwendige Steigerung der Impfquote derzeit nur schwer realisierbar erscheint.

Doch auch wenn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Praxen den Ansturm derzeit noch bewältigen können, richtet das Ärztenetzwerk einen Appell an die Impfwilligen: „Bitte haben Sie Geduld, wenn es mal wieder etwas länger dauert und melden Sie sich frühzeitig für eine planbare Auffrisch-Impfung an und bringen Sie Ihren Impfausweis mit.“

Von Felix Hamann