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Hinterland „Das hat Biedenkopf gutgetan“
Landkreis Hinterland „Das hat Biedenkopf gutgetan“
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17:00 07.10.2021
Etwa 1 800 Menschen haben die fünf Vorstellungen des Schlossfestspiel-Musicals „Der Stadtbrand“ erlebt. Auch die neue Spielstätte im Palastzelt auf der Bleiche hat sich aus Sicht der Stadt Biedenkopf bewährt.
Etwa 1 800 Menschen haben die fünf Vorstellungen des Schlossfestspiel-Musicals „Der Stadtbrand“ erlebt. Auch die neue Spielstätte im Palastzelt auf der Bleiche hat sich aus Sicht der Stadt Biedenkopf bewährt. Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Biedenkopf

Mehr als 2 500 Besucher haben die Schlossfestspiele 2021 erlebt. Fünf Aufführungen des neuen Musicals „Der Stadtbrand“ und fünf Rahmenprogramm-Veranstaltungen standen Ende August/Anfang September im Palastzelt auf der Bleiche auf dem Programm. Mit der Resonanz ist Bürgermeister Joachim Thiemig (SPD) ganz und gar zufrieden: „Die Schlossfestspiele haben Biedenkopf gutgetan.“

1 833 Tickets hat die Stadt für die fünf Aufführungen des neuen Musicals „Der Stadtbrand“ verkauft. Im Schnitt waren das 367 Gäste pro Vorstellung. Die letzten zwei Aufführungen am 11. und 12. September waren mit je 450 Gästen ausverkauft. Normalerweise hätte das Zelt doppelt so viele Leute gefasst. Aber unter Corona-Bedingungen war nicht mehr drin.

Bürgermeister Thiemig und Wolfgang Müller, Leiter des Fachbereichs Freizeit, Erholung und Kultur sagen: Zu verdanken sei der große Erfolg des „Stadtbrand“-Musicals insbesondere Paul Graham Brown und Steffen Keiner, die erstmals als Duo für die Festspiele verantwortlich waren: Brown als künstlerischer Leiter und Biedenkopfs Kulturreferent Keiner als Produzent.

Brown ist schon seit Jahren als Komponist bei den Festspiel-Musicals an Bord. Dieses Jahr hat er erstmals auch das Stück geschrieben und Regie geführt. Das Thema, die Musik, die Inszenierung – alles habe gepasst, sagt Steffen Keiner. „Paul Graham Brown hat absolut bewiesen, dass er das richtige Händchen hat.“

Den historischen Biedenkopfer Stadtbrand als Thema für das Musical zu wählen, sei eine sehr gute Entscheidung gewesen, sagt Keiner. Das Stück mit seinem starken regionalen Bezug habe in der Tradition der ersten Schlossfestspiel-Musicals „Eingefädelt“ (2013) und „Der Postraub“ (2015) gestanden. „Das ist beim Publikum sehr gut angekommen“, so der Kulturreferent.

Verabschiedet haben sich die Schlossfestspiele in diesem Jahr hingegen von der Open-Air-Spielstätte im Schlosshof. Die Entscheidung, alle Aufführungen in ein großes Zelt auf der Bleiche zu verlegen, war im Vorfeld nicht überall auf Begeisterung gestoßen. Doch sie habe sich bewährt, sind Keiner und Bürgermeister Thiemig überzeugt. Wenngleich es auch einzelne Startschwierigkeiten im Zelt gegeben habe. Keiner: „Das war ja neu. Wir hatten noch keine Erfahrungswerte mit Musicals in einem Zwei-Mast-Zelt.“

So sei etwa die Akustik schwieriger gewesen als erwartet. „Oben im Zelt haben wir dann Tücher gespannt, um den Hall aufzufangen.“ Auch der tragende Mast mitten auf der Bühne hat das Team beschäftigt. Das Zelt so zu bestuhlen, dass der Mast die Sicht für das Publikum möglichst wenig einschränkt, sei eine Herausforderung gewesen. „So was weiß man dann beim zweiten Mal“, sagt der Kulturreferent Biedenkopfs.

Zelt bot Herausforderungen

Abgesehen von diesen Punkten beschreibt er die Erfahrungen mit den Festspielen im Zelt als rundherum positiv. Das Publikum habe die neue Spielstätte gut angenommen. Pluspunkte seien die Parkplätze direkt am Theaterzelt und der barrierefreie Zugang gewesen. Und dass Ensemble und Publikum kein schlechtes Wetter fürchten mussten, sei ein Riesenvorteil. Wenngleich, so räumt Keiner ein, die Heizung geschwächelt habe. Zeitweise sei es zu kalt im Zelt gewesen. Das müsse beim nächsten Mal besser laufen.

Potenzial im Palastzelt auf der Bleiche sieht Keiner auch für das Rahmenprogramm. Das sei im großen Zelt deutlich ausbaubar. Denkbar sei durchaus, künftig bekannte Künstler, die gerade auf Tour sind, ins Festspielzelt zu holen.

Für die Festspiele 2021 fällt die Rahmenprogramm-Bilanz indes noch gemischt aus. „Da ist uns Corona mächtig reingegrätscht“, sagt Bürgermeister Thiemig. Denn lange war unklar, ob und wie Konzerte überhaupt möglich sein könnten. Am Ende waren die Auflagen, was Abstände und Gästezahlen betraf, streng, und die Zeit, um Tickets zu verkaufen, war knapp.

Immerhin: Für das „Still Counting“-Konzert war die Nachfrage riesig. „Wir hätten 600 Karten verkaufen können“, sagt Keiner. Bei 284 Gästen musste die Stadt – trotz 3G-Regel – aber Schluss machen. „Organisatorisch war das enttäuschend“, bedauert Keiner. Die Stimmung im Zelt sei aber toll gewesen. „Die Fans waren mega-zufrieden.“

Bei anderen Veranstaltungen lief der Ticketverkauf weniger gut. Die Abba-Tribute-Show der Band „Sweden4ever“ hätte mehr als 140 Besucher verdient gehabt, sagt Keiner. Und der Comedy-Abend mit Maddin Schneider sei mit 86 Gästen hinter den Erwartungen geblieben. Klein und fein sei schließlich der Blues-Abend mit den „Dusty Brooms“ und 35 Zuhörern gewesen.

Neuauflage 2022 noch offen

Als Ziel für die Zukunft gibt Steffen Keiner aus, das Rahmenprogramm für ein größeres Publikum attraktiv zu machen. Denn wichtig sei es, durch den Ticketverkauf das Defizit der Festspiele niedrig zu halten. Ein Muss bleibe dabei aber ein Angebot für die Kinder, betont Keiner. In diesem Jahr hatte der Verein Bid-Kultur kurzfristig einen Familientag auf die Beine gestellt. „Der ist sehr gut angenommen worden“, freut sich der Kulturreferent. Was er bedauert, ist, dass die Festspiele kein Angebot für Jugendliche machen konnten. „An eine Disco-Party war unter Corona-Bedingungen nicht zu denken“, sagt Keiner und hofft auf die Zeit nach der Pandemie.

Ob indes schon 2022 wieder Schlossfestspiele stattfinden können – traditionell würde dann die Wiederaufnahme des Musicals „Der Stadtbrand“ auf dem Spielplan stehen – ist noch offen. „Die Wiederaufnahme wird Gegenstand der Haushaltsberatungen sein. Darüber müssen die Stadtverordneten entscheiden“, sagt Bürgermeister Thiemig und verweist auf die Pandemie-bedingt schwierige Haushaltslage der Stadt.

Denn: Billig sind die Schlossfestspiele eben nicht. Die Endabrechnung für 2021 ist zwar noch in Arbeit. Aber einen Zuschussbedarf wird es – wie in allen früheren Jahren – mit Sicherheit geben. Die Frage ist also, ob sich die Stadt die Festspiele 2022 leisten kann.

Dass sie 2021 stattfinden konnten, darüber ist Bürgermeister Thiemig aber auf jeden Fall sehr froh. „Das war richtig und wichtig für Biedenkopf“, sagt Thiemig, „es ist aufgefallen, wie hungrig und durstig die Menschen nach solchen Kulturveranstaltungen sind.“ Auch in der Stadt habe man an den Festspiel-Abenden den Effekt bemerken können. Viele Menschen seien unterwegs gewesen, auch die Gastronomen hätten davon profitiert. „Da war viel mehr Leben in der Stadt“, freut sich der Bürgermeister.

Von Susan Abbe