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Hinterland Biedenkopfs Pläne für die Sackpfeife
Landkreis Hinterland Biedenkopfs Pläne für die Sackpfeife
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13:56 07.01.2021
Der volle Parkplatz zeugt vom Betrieb auf der ­Sackpfeife am ersten Januar-Wochenende dieses Jahres. Quelle: Mark Adel
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Biedenkopf

Die Sackpfeife ist nach dem Ansturm und dem Verkehrschaos vom Wochenende großes Thema. 2020 war es eher still um das Freizeitzentrum geworden. Grund war die Corona-Pandemie. Sie machte den Sommerbetrieb zunichte.

Und: Sie brachte den Biedenkopfer Haushalt in Schieflage – keine guten Voraussetzungen für die Pläne der Stadt, das Freizeitzentrum in Zukunft neu zu gestalten.

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Zugleich hat sich im Corona-Jahr aber auch gezeigt: Die Menschen in der Region haben ihre Sackpfeife nicht vergessen. Im Sommer waren ungezählte Wanderer auf dem Biedenkopfer Hausberg unterwegs.

Und im Corona-Winter haben die Menschen den Berg beinahe überrannt – und das, obwohl kein offizieller Winterbetrieb stattfindet. Der Ansturm war so groß, dass die Stadt die Sicherheit nicht mehr gewährleisten konnte und die Zufahrt bis auf Weiteres sperrte (siehe unten).

Keine gemeinsame Haltung der Fraktionen

Doch wie geht es nun weiter? Was ist mit dem Sommerbetrieb 2021? Und was mit den Plänen zur Neugestaltung des Freizeitzentrums? Denn die jetzigen Anlagen sind veraltet. Der Schlepplift ist bereits irreparabel kaputt. Und auch das altersbedingte Ende von Sommerrodelbahn und Sessellift ist Fachleuten zufolge absehbar.

Immerhin hatte das Biedenkopfer Parlament im September 2018 einen Grundsatzbeschluss zum Erhalt und zur Neugestaltung des Freizeitzentrums gefasst. Allerdings geht es dabei nur um den Sommerbetrieb. Investitionen in Schneemaschinen, Flutlicht, Lift und Pistenraupe, die nötig wären, um den Winterbetrieb dauerhaft zu sichern, hält das Parlament für zu teuer.

Auch beim Thema Sommerbetrieb treibt die Biedenkopfer die Frage um, wie viel das Ganze kosten darf. Eine gemeinsame Haltung haben die Fraktionen noch nicht gefunden. Zwar hat das Parlament im Februar 2019 ein Stufenkonzept für das Freizeitzentrum verabschiedet, das konkrete Anlagen, Kosten und Zeiträume nennt. Doch das Konzept wird eher als Idee, was möglich sein könnte, betrachtet.

Vier-Stufen-Plan

Stufe 1 sieht dabei vor, das Bebauungsplan-Verfahren (Kosten: 78.000 Euro) und den Bauantrag für eine Ganzjahresrodelbahn (10.000 Euro) in 2020 bis 2022 durchzuziehen.

Stufe 2 beinhaltet die Projekte Holzkugelbahn, Rutschenbahn, Spielgolfanlage (rund 250.000 Euro) und Waldweg (159.000 Euro) und nennt 2021 als Ausführungsjahr.

In Stufe 3 ist vorgesehen, die alten Anlagen abzureißen (216.000 Euro) und eine neue Ganzjahresrodelbahn zu bauen (1,9 Millionen Euro). Angedacht wäre das für 2022.

Stufe 4 beinhaltet Kletterturm (640.000 Euro) und Flyline (599.000 Euro) – beides könnte 2024/2025 entstehen.

Ein Automatismus folgt aus dieser Planung aber nicht. Loslegen kann die Stadt mit einzelnen Projekten erst, wenn das Parlament das Geld bereitstellt. Sprich: Nimmt das Parlament die nötigen 250.000 Euro für Holzkugelbahn, Rutschenbahn und Spielgolfanlage und die 1,9 Millionen Euro für die Ganzjahresrodelbahn nicht in die nächsten Haushalte auf, wird nicht gebaut.

Stadt sucht weiter einen Investor

Doch die Stadt braucht nicht nur Geld, um loszulegen. Auch die Bauleitplanung ist eine Hürde, die genommen werden muss. 2020 standen dafür 75.000 Euro im städtischen Etat bereit. Doch dann kam Corona. Die Stadt verhängte im März eine Haushaltssperre und sperrte das Geld für die Sackpfeifen-Bauleitplanung.

Dabei ist diese nicht nebenbei zu machen. Es geht um einen Bebauungsplan für den kompletten Bereich: Parkplatz, Spielplatz, Berg- und Talstation. Immer mit der Frage, ob sich die im Stufenkonzept angedachten Freizeitanlagen dort umsetzen lassen.

Eine weitere Baustelle ist die Suche nach einem Investor. Denn das Parlament hat festgelegt, dass „Vorrang für den weiteren Betrieb der Sackpfeife“ private Investoren haben sollten, und dass der städtische Zuschuss möglichst gering ausfallen soll. Deshalb sucht die Stadt schon seit Jahren nach Investoren.

Wobei diese Aufgabe – selbst ohne Corona-Pandemie – eine Herausforderung darstellen dürfte. Zumindest wenn man von den Ergebnissen ausgeht, zu denen ein Planungsbüro im Frühjahr 2018 gekommen war. Die Experten rechneten damals vor, dass der Betrieb des Freizeitzentrums selbst mit nagelneuen Freizeitanlagen nicht ohne städtischen Zuschuss machbar sein dürfte.

Beschlüsse erst ab März?

Und dann ist da noch ein weiteres dickes – ebenfalls millionenschweres – Brett zu bohren: der Neubau der Berggaststätte. Die Baugenehmigung liegt vor. Aber das Parlament hat zur Auflage gemacht, dass die Stadt erst bauen darf, wenn ein Pächter gefunden ist. Vor Corona war das nicht gelungen. Die Pandemie dürfte die Suche kaum erleichtert haben.

Wie genau es bei all diesen Themen aktuell aussieht und künftig weitergeht, dazu kündigt Bürgermeister Thiemig Informationen in einigen Wochen an. Dass er bisher noch nichts Konkretes sagen kann, liege daran, dass die Stadt – wiederum durch Corona-bedingte Unwägbarkeiten – ihre Haushaltsplanung für 2021 noch nicht abschließen konnte.

Der Bürgermeister wird den Etat-Entwurf voraussichtlich im Februar vorstellen; das Parlament könnte dann im März entscheiden. Und erst dann steht tatsächlich fest, wie viel Geld 2021 für die Sackpfeife bereitstehen wird.

Weitere Millionen-Projekte vor der Brust

Eines ist allerdings schon klar: Viel Geld für freiwillige Leistungen wird die Stadt kaum übrig haben. Zu tief ist das Loch bei den Steuereinnahmen, das die Corona-Krise reißt. Gleichzeitig hat Biedenkopf in den kommenden Jahren neben der Sackpfeife noch andere Millionen-Projekte – darunter den Bau von Park-&-Ride-Anlage und Kernstadt-Bürgerhaus – vor dem Bug.

Somit stellt sich die Frage, in welchem Umfang Investitionen in die Sackpfeife in absehbarer Zeit überhaupt möglich sind. Aber auch die Frage, ob 2021 wieder Sommerbetrieb im Freizeitzentrum stattfindet, steht im Raum. Denn auch damit sind Kosten verbunden. Bürgermeister Thiemig hält sich dazu noch bedeckt: Auch zum Sommerbetrieb 2021 könne er erst nach Abschluss der Haushaltsberatungen etwas sagen, kündigte Thiemig im Dezember im Pressegespräch an.

Stadt sperrt Zufahrt zur Sackpfeife

Die Stadt hat die Zufahrt von der B 253 zur Sackpfeife bis auf Weiteres gesperrt. Besucher können den Parkplatz des Freizeitzentrums nicht mehr anfahren. Als Grund nennt die Stadt, dass die Rodelhänge und Wanderwege rund um die Sackpfeife komplett vereist und für „unbeschwerte Freizeitnutzung“ nicht geeignet seien. Für einige Wanderwege bestehe Gefahr durch Astbruch.

Am Wochenende hatten Wintersportler die Sackpfeife förmlich überrannt. Der Parkplatz war überfüllt. Zeitweise parkten an die 100 Autos widerrechtlich entlang der Straße, der Verkehr staute sich, Rettungswege waren versperrt. Die Stadt versuchte zunächst, den Verkehr zur Sackpfeife zu regeln.

Als dann am Sonntag ein Rodelunfall auf der vereisten Piste geschah, die Rettungskräfte danach nur mit Mühe zum Unfallort durchkamen und ein Rettungshubschrauber zum Einsatz kommen musste, zog die Stadt die Reißleine.

Von Susan Abbe

06.01.2021
03.01.2021