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Hinterland Das Aus des Liftbetriebs ist besiegelt
Landkreis Hinterland Das Aus des Liftbetriebs ist besiegelt
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16:00 12.07.2022
Schlepplift und Sessellift auf der Sackpfeife werden nie wieder in Betrieb gehen. Das haben Biedenkopfs Stadtverordnete noch einmal mehrheitlich beschlossen. (Archivfoto)
Schlepplift und Sessellift auf der Sackpfeife werden nie wieder in Betrieb gehen. Das haben Biedenkopfs Stadtverordnete noch einmal mehrheitlich beschlossen. (Archivfoto) Quelle: Mark Adel
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Biedenkopf

Schlepp- und Sessellift auf der Sackpfeife werden nicht wieder in Betrieb gehen. Das haben die Biedenkopfer Stadtverordneten nun beschlossen – „unwiderruflich“, wie es in dem Beschluss heißt.

Neu ist das indes nicht. Schon im April hatte sich die „Arbeitsgruppe Sackpfeife“, der Vertreter aller Parlamentsfraktionen angehören, dagegen ausgesprochen, in die Bestandsbauten des Freizeitzentrums noch einmal Geld zu investieren. Im gleichen Monat beschlossen die Stadtverordneten ein neues Stufenkonzept, das folgerichtig auch den Abbruch der alten Anlagen vorsieht – allerdings ohne einen konkreten Termin.

Auf die Tagesordnung kam das Thema nun erneut durch ein Schreiben des Regierungspräsidiums (RP) Gießen vom 23. Mai. Die Aufsichtsbehörde kündigte an, die Betriebsgenehmigungen für die beiden seit Jahren stillstehenden Lifte zu widerrufen.

Im Falle des Schlepplifts hat die Stadt bis zum 22. Juli Zeit, eine Stellungnahme abzugeben. Im Falle des Sessellifts muss die Stadt bis zum Jahresende mitteilen, ob sie die Anlage retten möchte. Ein Unterfangen, das mit erheblichen Kosten verbunden wäre, gelte es doch, diverse Mängel – Stichwort Brandschutz – zu beseitigen.

Sebastian Spies (SPD) erinnerte im Stadtparlament an die Ortsbegehung auf der Sackpfeife. Damals habe man sich davon überzeugt, dass die Anlagen nicht nur marode sind, sondern auch das Landschaftsbild beeinträchtigen. Die SPD sehe zudem den Sicherheitsaspekt. Und dass man die alten Anlagen nicht mehr erhalten könne, sei seit Monaten klar. Die SPD werde daher für den Abriss stimmen.

„Mir persönlich blutet bei so einem Antrag das Herz“, sagte Markus Doruch (CDU). Schließlich habe er jahrelang dort gearbeitet und viele glückliche Besucher gesehen. Andererseits sei die Anlage definitiv in die Jahre gekommen. Sicherlich könne die Stadt gegenüber dem RP mit einer Stellungnahme noch bis Jahresende abwarten, ändern werde sich an der Situation in seinen Augen aber nichts.

Die ZfB sprach sich hingegen dafür aus, mit der Stellungnahme zu warten. Dominik Weimann erläuterte: Zum einen sei zu befürchten, dass das RP nach dem Widerruf der Betriebserlaubnis den Abriss verordne. „Es entstehen Rückbaukosten, die den Haushalt erneut belasten“, sagte Weimann. Die Devise müsse jedoch lauten, Abbruchkosten zu vermeiden und lieber Investitionen zu tätigen. Weimann: „Ein zeitnahes Abbrechen sollte vermieden werden und setzt das falsche Signal in der Öffentlichkeit.“ Das zweite Argument: Noch bestehe Klärungsbedarf, was gegebenenfalls abgerissen werden müsse; gehe es nur um „die technischen Anlagen der Seilbahn oder auch um die Berg- und Talstation?“, fragte Markus Plitt.

Den Beschluss weiter aufzuschieben, dass der Sessellift keine Zukunft mehr hat, sei „Augenwischerei“, kritisierte Markus Doruch. „Man muss die Entscheidung treffen, auch wenn es schwerfällt.“

Die SPD konnte die ZfB mit ihrem Antrag ebenfalls nicht überzeugen. Der Fraktionsvorsitzende Christoph Schwarz vermutete, das Ganze sei ein Manöver im Bürgermeisterwahlkampf. Spies sprach von einem „Spiel mit den Emotionen“ der Bürger. „Einfach mal ehrlich sein, auch wenn‘s wehtut“, sagte Spies in Richtung ZfB.

Seitens des Bürgerblocks stimmte Michael Miss Spies und Doruch zu. Den Beschluss zum endgültigen Ende des Sessellifts aufzuschieben, sei der falsche Weg, sagte der Fraktionssprecher. Ein Neuanfang gehe in diesem Fall mit dem Abriss einher.

Bürgermeister Joachim Thiemig (SPD) sagte: „Diese Anlagen da oben sind nicht mehr sanierungsfähig.“ Er wisse daher nicht, welche neuen Erkenntnisse im Laufe des Jahres vor den nächsten Sitzungen der Stadtverordneten noch zu erwarten seien. Bei der Frage, was abgerissen wird und was nicht, werde die Stadt sicher mit dem RP hart in den Ring steigen, kündigte Thiemig an. Er gehe davon aus, dass es um die Liftanlagen gehe. Die Gebäude ebenfalls abzureißen, sagte der Bürgermeister, würde ihm im ersten Schritt zu weit gehen.

Dies hätte die ZfB nach eigenen Worten gerne genau gewusst. „Uns geht es darum: Was muss weg, wenn abgerissen wird?“, sagte Plitt, „Uns geht es nicht darum, noch einen einzelnen Cent in die vorhandenen Anlagen zu investieren.“ Mit dem Bürgermeisterwahlkampf habe das im Übrigen nichts zu tun, konterte er Schwarz‘ Kritik.

Der Bürgermeister blieb dabei: Er glaube nicht, dass sich in der Frage, was abgerissen werden soll, in den nächsten Monaten etwas ändern wird. Thiemig: „Diese Details wissen wir auch im November noch nicht.“

Am Ende sprachen sich 24 Abgeordnete unwiderruflich gegen den Erhalt und den Betrieb von Schlepp- und Sessellift aus. Die fünf anwesenden Mitglieder der ZfB enthielten sich.

Von Hartmut Bünger

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