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Hinterland Die Suche nach dem Campingplatz
Landkreis Hinterland Die Suche nach dem Campingplatz
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16:00 14.09.2020
Je nach Blickwinkel ist die Umgebung auf dem Parkplatz hinter dem Bauhof entweder hässlich oder schön. Quelle: Hartmut Bünger
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Biedenkopf

Der Trend, in einem Wohnmobil in Urlaub zu fahren, ist ungebrochen. Für das vergangene Jahr meldet der Caravaning Industrie Verband 81.000 Neuzulassungen von Freizeitfahrzeugen – zwei Drittel davon sind Wohnmobile.

In Biedenkopf wird daher schon seit drei Jahren darüber diskutiert, welche Plätze im Stadtgebiet man diesen Touristen anbieten kann. Drei Orte sind Anfang des vergangenen Jahres in den Fokus gerückt (siehe Infokasten am Ende des Textes). Bislang ist allerdings unklar, wo und wie sich die Pläne realisieren lassen. Im Ortsbeirat der Kernstadt berichtete Bauamtsleiter Thorsten Schmack, wie weit die Pläne für das Areal hinter dem Bauhof gediehen sind. Ende März dieses Jahres habe man die Bauvoranfrage beim Kreisbauamt eingereicht, berichtete Schmack. Das Ergebnis sei noch offen. „Wir rechnen mit dem Rücklauf in den nächsten Monaten“, erklärte der Bauamtsleiter. Erst dann werde man klar sehen, ob sich das Vorhaben realisieren lasse.

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Mancher hält die Kosten für rausgeworfenes Geld

Die Dinge seien nicht zuletzt deshalb kompliziert, weil das Areal im Überschwemmungsgebiet der Lahn liege. Aus diesem Grund müssten auch die Untere Naturschutzbehörde und die Untere Wasserbehörde beteiligt werden.

Äußerst kritisch bewertete Ortsvorsteher Heinz Olbert das Projekt. In seinen Augen müsse man ernsthaft darüber nachdenken, ob man das Geld wirklich an dieser Stelle ausgeben wolle. Von vielen Menschen, die selbst mit dem Wohnmobil unterwegs seien, habe er nämlich gehört: „Da würde ich mich nicht hinstellen.“ Der Ortsvorsteher der Kernstadt sah das ebenso: Das Ambiente hinter dem Bauhof sei alles andere als schön. Heinz Olbert: „Ich hätte auch gerne Stellplätze, aber wenn schon, dann müssen sie auch Sinn machen.“ Nicht minder kritisch äußerte sich Jörg Michel zu dem angedachten Areal. Es sei traurig, dass Biedenkopf es bislang nicht geschafft habe, einen Platz für Wohnmobile zu schaffen. Aber schon die Kosten für die derzeitige Planung halte er für rausgeworfenes Geld. Für Michel wäre der Parkplatz oberhalb des Stadtparks ein sehr viel attraktiverer Platz. Vorstellen könnte er sich auch eine Fläche in Sachsenhausen in der Nähe der alten Holzbrücke. Auf jeden Fall sollte man sich aber nicht nur von der Machbarkeit leiten lassen, sondern vor allem von der Ästhetik.

Sichtschutze undGrünflächen sind nötig

Die Diskussion über die Standortfrage kam in den Augen des Bauamtsleiters zu spät. Schließlich habe man schon vor mehreren Jahren in einer Studie untersuchen lassen, welche Standorte in der Stadt sich überhaupt eignen. Aus knapp einem Dutzend vorgeschlagener Plätze hätten sich am Ende drei Stellen herauskristallisiert. Thorsten Schmack: „Letztendlich arbeiten wir gerade die Beschlüsse der Stadtverordneten ab.“

Nachvollziehen könne er die Kritik an der Attraktivität des Standortes hinter den Stadtwerken und dem Bauhof zu einem gewissen Teil schon, sagte der Bauamtsleiter. Aber die jetzige Gestaltung sei ja nicht das letzt Wort in der Sache. „Sicherlich muss man hier gestalterisch tätig werden und das auch nicht wenig“, sagte Torsten Schmack und nannte als Beispiele Sichtschutze und Grünflächen. Auf der anderen Seite gab er zu bedenken, dass er aus der Welt der Caravan-Freunde nicht nur Kritik gehört habe. Er kenne auch Stimmen erfahrener Camper, die den Standort empfohlen hätten.

Ortsbeiratsmitglied Gabriele Bastian stimmte Schmack zu. Auch in ihren Augen ist man über das Stadium der Standortsuche bereits hinweg. Sie geht ebenfalls davon aus, dass die Stadt den Standort am Bauhof ansprechend gestalten wird – sofern er denn von der Bauaufsicht überhaupt genehmigt wird. Dem von Jörg Michel ins Spiel gebrachten Parkplatz am Parkhotel konnte sie wenig abgewinnen. Ihr Argument: Den Parkplatz am Bürgerhaus sollte man nicht noch weiter verkleinern.

Standorte in engerer Auswahl

Drei Standorte sind in Biedenkopf als Wohnmobilstellplätze in der engeren Wahl: der Parkplatz der Firma Breidhof an der Lahn, eine Freifläche am Ende der Lindenstraße Richtung Tannhäuser und der bisherige Wohnmobilstellplatz bei den Stadtwerken. Das Biedenkopfer Parlament hatte im Frühjahr 2017 beschlossen, dass die Stadt Flächen für attraktive Stellplätze für Wohnmobile und Wohnwagen suchen soll. Als wichtige Kriterien nannte das Parlament damals die Nähe zum Ortszentrum und zu Einkaufsmöglichkeiten. Zudem sollte der Aufwand für die Schaffung der Stellplätze in einem vertretbaren Rahmen bleiben. Das Planungsbüro Koch (Aßlar) prüfte daraufhin im Auftrag der Stadt elf Standorte.

  1. Die besten Ergebnisse erzielte in der Voruntersuchung der Parkplatz der Firma Breidhof. Der Standort punktet mit seiner Lage und Größe, mit der landschaftlichen Attraktivität und den nahe gelegenen Einkaufsmöglichkeiten und Gaststätten. Allerdings befindet sich diese Fläche nicht im Besitz der Stadt.
  2. Auf Platz 2 landet die Freifläche am Ende der Lindenstraße Richtung Tannhäuser. Für diesen Standort spricht die Nähe zu Einkaufsmöglichkeiten und die bereits vorhandene Zufahrt. Nachteilig könnte den Planern zufolge die direkte Nähe des Standorts zur B 62 sein. Auch diese Fläche befindet sich nicht im Besitz der Stadt.
  3. Die drittbeste Bewertung erhält der bereits vorhandene Wohnmobilstellplatz bei den Stadtwerken. Positiv fällt auf, dass der Platz bereits als Wohnmobilstellplatz erschlossen ist, und dass es in der Nähe Einkaufsmöglichkeiten und Gaststätten gibt. Allerdings fehlt der Wasser- und Abwasseranschluss bisher. Die Planer empfehlen, den Platz attraktiver zu machen, unter anderem durch eine optische Trennung vom angrenzenden Bauhof, den Müllsammelcontainern und dem öffentlichen Parkraum.

Ausgehend von diesen Empfehlungen beschloss das Biedenkopfer Parlament einstimmig, nun die drei erstplatzierten Stellplätze genauer unter die Lupe zu nehmen.

Von Hartmut Bünger