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Hinterland Biedenkopf sucht Sackpfeifen-Pächter
Landkreis Hinterland Biedenkopf sucht Sackpfeifen-Pächter
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11:58 18.10.2018
Was wird, wenn die veralteten Anlagen auf der Sackpfeife endgültig den Geist aufgeben? Einen niedrigen sechsstelligen Betrag würde der Rückbau der Anlagen wohl kosten. Foto: Susan Abbe
Was wird, wenn die veralteten Anlagen auf der Sackpfeife endgültig den Geist aufgeben? Einen niedrigen sechsstelligen Betrag würde der Rückbau der Anlagen wohl kosten. Quelle: Susan Abbe
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Biedenkopf

Der Auftrag, den das Parlament dem Biedenkopfer Magistrat erteilt hat, hat es in sich. Nachdem sich die Parlamentsfraktionen nicht einigen konnten, wie viel Geld sie in das Freizeitzentrum stecken wollen, soll nun der Magistrat ein Stufenkonzept erarbeiten, um den Sommerbetrieb auf der Sackpfeife für die Zukunft zu ­sichern.

Welche Rolle dabei das Ganzjahreskonzept spielen soll, das im Mai ein Planungsbüro vorgelegt hatte und das unter anderem eine Millionen-Investition in eine Ganzjahresrodelbahn vorschlägt, ließ das Parlament offen. Klar formuliert ist hingegen der Auftrag, dass der Magistrat nach privaten Investoren für das Freizeitzentrum suchen und zudem Zuschussmöglichkeiten prüfen soll.

Planer sehen wenig Potenzial

Das Problem dabei: Investoren zu finden, könnte schwierig werden. Zumindest wenn man von den Ergebnissen ausgeht, zu denen die Projekt-Planer im Ganzjahreskonzept gekommen waren. Sie hatten sich auch das Einzugsgebiet des Freizeitzentrums und die Wettbewerbssituation angeschaut. Und: Sie sind zu dem Schluss gekommen, dass die Bevölkerungsdichte in der Region „insgesamt gering“ sei und auch das Potenzial, das sich aus Touristen in Biedenkopf und Umgebung für das Freizeitzentrum ergibt, nur „mäßig“ sei.

Mit einer modernen Ganzjahresrodelbahn auf der Sackpfeife wäre den Planern zufolge beispielsweise kein Gewinn einzufahren. Ohne städtischen Zuschuss wird es demnach im Freizeitzentrum kaum gehen. Den Zuschussbedarf will das Parlament in Zukunft allerdings möglichst niedrig halten. Wie vor diesem Hintergrund das nun geforderte Konzept für den Sommerbetrieb aussehen könnte, dazu äußert sich Bürgermeister Joachim Thiemig (SPD) im Moment noch nicht.

Magistrat berät über Investorensuche

„Meine Absicht ist es, dem ­Magistrat einen Entwurf für ein Stufenkonzept vorzulegen. Darüber muss man danach diskutieren“, sagt Thiemig. Mit Stufen sei gemeint, dass das Konzept verschiedene Bauabschnitte enthalten wird, die nach und nach umgesetzt werden könnten. Welche touristischen Angebote darin enthalten sein könnten, lässt der Bürgermeister offen.

Nur so viel: „Vielleicht können wir auch erst einmal mit kleineren Dingen beginnen.“ Zumal es zunächst sowieso gelte, die Frage nach privaten Investoren zu klären. Noch im Oktober werde der Magistrat darüber diskutieren, wie solche Investoren gewonnen werden könnten.

Auch über die geplante neue Berggaststätte werde der Magistrat demnächst sprechen, kündigt Thiemig an. Denn auch für die Gaststätte hat das Parlament einen klaren Auftrag erteilt. So soll der Magistrat einerseits das Baugenehmigungsverfahren für den 1,38 Millionen Euro teuren Neubau in Gang setzen und Fördermöglichkeiten prüfen.

Dehoga-Experte macht wenig Hoffnung

Zeitgleich muss der Magistrat auch schon einen Betreiber für die Gaststätte suchen. Denn laut Parlamentsbeschluss dürfen die Bauarbeiten erst beginnen, wenn ein Gastronom zugesagt hat, dass er die Gaststätte pachten wird. Im Umkehrschluss heißt das: Findet sich kein Pächter, findet der Gaststättenbau nicht statt.

Auch dieser Auftrag könnte schwierig umzusetzen sein. Ein Gastronomie-Fachmann der Dehoga Beratung GmbH jedenfalls hatte im Mai den Biedenkopfer Stadtverordneten wenig­ Hoffnung gemacht, dass ein Pächter für eine Gaststätte, die noch gar nicht steht, gewonnen werden kann. Der Neubau werde frühestens 2020 fertig. Mit soviel Vorlauf einen Betreiber zu finden, sei unwahrscheinlich, sagte der Experte.

Thiemig: Suche wird einige Zeit dauern

Das Parlament hat trotzdem beschlossen, dass vor dem Bau der Pächter da sein muss. Und dem Beschluss gemäß werde der Magistrat nun auch nach einem Pächter suchen, erklärt Bürgermeister Thiemig. Aber: „Das wird sicher einige Zeit in Anspruch nehmen.“

Parallel kümmert die Stadt sich auch um das Baugenehmigungsverfahren, führt die nötigen Gespräche mit dem Architekten und wird den Bauantrag einreichen. Das Verfahren werde mehrere Monate dauern. „Wir werden sicher weit im nächsten Jahr sein, bis die Baugenehmigung vorliegt“, erwartet der Rathauschef.

Bis dahin dürfte auch klarer sein, ob die Suche nach ­einem Pächter Aussicht auf Erfolg hat. Sprich: ob der Gaststätten-Neubau überhaupt verwirklicht werden kann. Die Kosten für das Baugenehmigungsverfahren liegen laut Bürgermeister im Bereich eines „unteren vierstelligen Betrags“.

von Susan Abbe

Rückbau-Kosten

Sommerrodelbahn, Schlepplift und Sessellift – die technischen Anlagen im Freizeitzentrum Sackpfeife sind um die 40 Jahre alt und marode. Der Schlepplift ist bereits stillgelegt. Aber auch Rodelbahn und Sessellift haben Macken. Fach-
leuten zufolge ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Anlagen ebenfalls am Ende sind.

Müsste die Stadt Biedenkopf die alten Anlagen dann zurückbauen, könnte das teuer werden. Schätzungen gibt es laut Bürgermeister Joachim Thiemig (SPD) zwar noch nicht. Aber: „Wir glauben, dass Rückbau und Entsorgung einen niedrigen sechsstelligen Betrag kosten würden“, sagt der Bürgermeister. Er weist dabei aber auch darauf hin, dass der Rückbau womöglich ja in Verbindung mit einem möglichen Neubau erfolgen würde.

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