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Hinterland „Zutritt verboten“: Hallenbad und Foyer sind dicht
Landkreis Hinterland „Zutritt verboten“: Hallenbad und Foyer sind dicht
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17:58 10.06.2020
Außen bietet sich im Hallenbad Biedenkopf ein trauriges Bild: Der Beton bröckelt, der Stahl rostet. Quelle: Hartmut Bünger
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Biedenkopf

Schlechte Nachrichten für all jene Biedenkopfer Bürger, die gerne im Hallenbad des Parkhotels ihre Bahnen ziehen: Wegen statischer Mängel hat die Stadt das Bad geschlossen.

Die Probleme sind allerdings nicht auf das Hallenbad beschränkt: Die statischen Probleme betreffen ebenfalls das direkt darüber liegende Foyer des Bürgerhauses. Auch dort gilt deshalb vorerst: Zutritt verboten.

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Auf Nachfrage dieser Zeitung erläuterte Biedenkopfs Bauamtsleiter Thorsten Schmack, wie es zu der Sperrung gekommen ist. Demnach hat sich die Bauaufsicht das Gebäude im Dezember vergangenen Jahres angeschaut.

Das Hauptthema war eigentlich der Brandschutz. Bei der Begehung fiel den Vertretern der Bauaufsicht allerdings auf, dass von den Pfeilern im Hallenbad teilweise der Beton abplatzt und darunter der rostige Stahl zum Vorschein kommt.

Feuchte Umgebung mit Schuld

„Die Bauaufsicht hat die statischen Mängel protokolliert“, erläuterte Schmack, „und der Stadt die Aufgabe mit auf den Weg gegeben, dass ein Statiker das beleuchten soll.“ Inzwischen liegt der Stadt die gutachterliche Stellungnahme eines Statikers vor. Er ist laut Bauamtsleiter zu der Einschätzung gelangt, dass die Standsicherheit nicht mehr ausreicht, gerade im Blick auf die Verkehrslasten.

Oder etwas griffiger formuliert: „Es kann eng werden, wenn viele Besucher im Foyer sind“, so Schmack. Genau deshalb habe die Stadt nun in Absprache mit der Unteren Bauaufsicht die Nutzung des Hallenbades und des Foyers untersagt. Grund der Probleme ist laut Thorsten Schmack die sogenannte Karbonatisierung. Sprich: Der Bewehrungsstahl in dem Stahl-Beton-Bauwerk fängt an zu rosten. Begünstigt werde das durch die feuchte Umgebung.

Reicht einfache Sanierung aus?

Die Sperrung soll nicht das letzte Wort in der Sache sein. Die Stadt hat bereits eine Folgeuntersuchung in Auftrag gegeben. Kernbohrungen sollen Aufschluss darüber geben, wie es im Detail um die Güte des Betons bestellt ist, wie gravierend die Probleme also tatsächlich sind. Noch liegen die Ergebnisse laut Bauamtsleiter nicht vor. Erst wenn das der Fall sei, so Schmack, könne man überlegen, wie es mit dem Bad weitergeht.

Deshalb ist es in den Augen von Bürgermeister Joachim Thiemig (SPD) auch noch zu früh, sich Gedanken über eine Sanierung zu machen, etwa die Frage, ob eine einfache Sanierung ausreicht, um das Bad zu erhalten, oder eine kostenintensive Komplettsanierung nötig sein kann. Das seien zwar mögliche Szenarien, zum jetzigen Zeitpunkt sei all das aber „Spekulation“.

Verwaltung holt Angebot ein

Um zumindest das Foyer des Bürgerhauses und damit auch dessen großen Saal schnell wieder nutzbar zu machen, will die Stadt eine Rohbaufirma kurzfristig damit beauftragen, die Decke im Hallenbad abzustützen. Derzeit ist die Verwaltung laut Schmack dabei, entsprechende Angebote einzuholen. Wenn diese Arbeiten erledigt seien, werde man das Foyer für den Verkehr wieder freigeben können. „Wir versuchen, das so schnell wie möglich umzusetzen“, unterstrich Joachim Thiemig. Konkret: innerhalb der nächsten Tage und Wochen.

Allerdings könne man nicht jede beliebige Rohbaufirma mit derartigen Arbeiten beauftragen. Zudem brauche es zunächst einmal ein Abstützungskonzept, das wiederum von einem Prüfstatiker begutachtet werden müsse. Überhaupt nicht erfreut über die Entwicklung ist man im Parkhotel. Das Geschäft habe ohnehin schon unter den Arbeiten für den Brandschutz zu leiden, erklärte Maximilian Müller-Huck, Director of Operations der Halbersbacher Hospitality Group.

Investor ist besorgt

Nun komme noch die Schließung des Hallenbads hinzu. „Wir wollen das Haus gerne betreiben und einen Mehrwert für Biedenkopf bieten“, fügte er hinzu, „aber wie sollen wir Gäste anlocken, wenn das Hallenbad fehlt und das Bürgerhaus nicht belegt werden kann?“

Mehrfach ließ Müller-Huck im Gespräch die Abkürzung USP fallen. Es steht für „Unique Selling Proposition“, also das Alleinstellungsmerkmal oder das Verkaufsargument. Wenn das Hallenbad – mutmaßlich mindestens mehrere Monate – nicht zur Verfügung stehe, entfalle damit ein wesentliches Werbemittel.

Blick auf Finanzlage der Stadt

Sorge bereitet Müller-Huck, der seit Anfang des Jahres Director of Operations bei Halbersbacher ist, nach eigenen Worten zudem die Finanzlage der Stadt: Wenn er sich die jüngste Haushaltssperre ansehe, frage er sich, wie es mit dem Hallenbad und weiteren notwendigen Sanierungsmaßnahmen (siehe Infokasten) weitergehen wird.

Auch was das angeht, hält Biedenkopfs Bürgermeister Gedankenspiele für zu früh. Sicherlich gehöre das Bad zu dem Gesamtkomplex hinzu, sagte er auf Nachfrage. Und gewiss werde man sich mit dem Betreiber zusammensetzen müssen, um über die Problemlage und das gemeinsame weitere Vorgehen zu sprechen. Das werde man aber erst dann tun können, wenn die Ergebnisse der Folgeuntersuchung vorliegen, so Bürgermeister Thiemig.

Brandschutz in Parkhotel und Bürgerhaus

Die Stadt und die Parkhotel GmbH investieren in den Brandschutz von Parkhotel und Bürgerhaus. In einem ersten Schritt bauen sie für 580.000 Euro eine neue Brandmeldeanlage und Sicherheitsbeleuchtung ein.

Die Arbeiten laufen seit Oktober. Die mit den Arbeiten beauftragte Firma G&N (Gefahrenmelde- und Nachrichtentechnik GmbH, Wartenberg) bringt unter anderem im gesamten Gebäudekomplex Rauchmelder an. Das betrifft alle Hotelzimmer und weiteren Räume. Die neue Anlage wird mit der Leitstelle des Landkreises verbunden sein. Auch die Sicherheitsbeleuchtung im gesamten Gebäudekomplex wird erneuert. Notausgänge werden mit Leuchtschildern markiert und die Beleuchtung an Rettungswegen wird so gestaltet, dass auch bei Stromausfall eine Notbeleuchtung funktioniert.

Den Umfang der Arbeiten zeigen einige Zahlen: 500 Rauchmelder, 260 Sicherheits- und Rettungszeichen und rund elf Kilometer Kabel werden im Gebäudekomplex verbaut.

Im Herbst vergangenen Jahres hieß es, dass die Arbeiten im März abgeschlossen sein sollen. In dieser Woche nannte Bauamtsleiter den Zeitraum Juli/August als voraussichtlichen Termin. Von den Gesamtkosten in Höhe von 580.000 Euro übernimmt die Stadt etwa Dreiviertel – also rund 435.000 Euro. Die verbleibenden Kosten trägt die Parkhotel GmbH. Grund für diese Kostenaufteilung ist die komplizierte Eigentümerstruktur.

In den kommenden Jahren werden weitere hohe Sanierungskosten anfallen. Das Brandschutz-Paket II muss folgen und umfasst unter anderem den Einbau neuer Brandschutztüren für rund 150.000 Euro.

Schon 2017 hatte das Bauamt weiteren kurzfristigen Sanierungsbedarf ermittelt: die Sanierung des Hallenbades (Kostenschätzung: eine Million Euro), die Terrassenabdichtung (63.000 Euro); die Erneuerung der Faltwand im Saal (60.000 Euro), verschiedener Fenster (48.000 Euro), verschiedener Dachflächen (150.000 Euro), des Küchenbodens (40.000 Euro) und des maroden Rohrsystems (100.000 Euro).

Von Harmut Bünger

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