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Hinterland Viele Zeugen, wenig Erinnerung
Landkreis Hinterland Viele Zeugen, wenig Erinnerung
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13:00 28.09.2019
Eine Schlägerei am Rande einer Kirmes in Breidenstein wurde vor dem Amtsgericht in Biedenkopf verhandelt.  Quelle: Karl-Josef Hildenbrand
Biedenkopf

Dass Alkoholkonsum Zeugenaussagen nicht verlässlicher macht, hat sich im Amtsgericht in Biedenkopf gezeigt. So wurde das Verfahren gegen einen 21-jährigen Mann aus Biedenkopf am Ende eingestellt. Entstanden war der Streit am 4. August vergangenen Jahres während der Kirmes in Breidenstein. Die Staatsanwaltschaft warf dem Angeklagten vor, ­einem anderen Beteiligten im Verlauf der Auseinandersetzung mit einer Holzlatte gegen den Kopf geschlagen zu haben.

Folge war eine Platzwunde an der Schläfe. Der heute 21-Jährige räumte­ die Rangelei auf Nachfrage­ im Gerichtssaal ein. Nachdem er sich mit seinen Freunden auf den Heimweg gemacht ­habe, sei es erst zu einem verbalen Konflikt mit einer anderen Besuchergruppe gekommen, die ebenfalls nach Hause wollte.

"Es war ein wildes Hin und Her"

Woran sich der Streit entzündete, konnte er nicht mehr genau sagen. „Im Prinzip aus ­einer Nichtigkeit“, berichtete­ er Richterin Alexandra Hille. ­Irgendwann seien die Beleidigungen derber geworden, der Wortwechsel zu einer Rangelei ausgeartet. Man habe sich geschubst, die Fäuste seien geflogen. „Es war ein wildes Hin und Her“, schilderte der junge Mann den Verlauf.

Keine Rede könne allerdings davon sein, dass er den Vater der anderen Familie mit einer Latte malträtiert habe. In den Schwitzkasten habe er ihn genommen, mehr aber auch nicht. „Ich wüsste auch nicht, wo man da eine Holzlatte hätte herbekommen sollen“, sagte der Angeklagte.

Er habe zwar gesehen, dass der Mann am Ende eine blutende Wunde am Kopf gehabt habe. Aber: „Das kann ich mir, ehrlich gesagt, überhaupt nicht ­erklären“, sagte der 21-Jährige, der damals nach eigenen Angaben etwa 10 bis 15 Bier getrunken hatte. Dann sei die Rangelei auch bald wieder zu ihrem Ende gekommen: „So plötzlich, wie‘s angefangen hat, hat‘s auch wieder aufgehört.“

Der 31-jährige Polizist, der seinerzeit vor Ort war, sagte zu dem Geschehen selbst nichts. Nach dem Streit seien sein Kollege und er zwar auf den blutenden Geschädigten getroffen, der habe ihnen aber zu dem Vorfall nichts sagen wollen. Der Beamte wusste überdies von zwei Leuten zu berichten, die sie kurz darauf mit Dachlatten in der Hand und „doofen Ausreden, die überhaupt nicht passten“ erwischt hätten.

Damit sei die Sache für ihn erledigt gewesen

Diese beiden Männer aber seien, so der 31-Jährige, zum Zeitpunkt des Konflikts seines Wissens nach noch auf dem Festplatz gewesen. Der 41-jährige Geschädigte, der nach eigenen Worten seinerzeit „bestimmt zehn Gläser Bier“ getrunken hatte, konnte­ zur Identifizierung des Täters­ ebenfalls wenig beitragen. „Großartig weiß ich gar nix mehr“, sagte der Mann Richterin Hille.

Er habe damals eine Latte vor den Kopf bekommen und sich den Burschen mit den Worten „Das war ein Fehler“ auch sofort geschnappt. Damit sei die Sache für ihn dann erledigt gewesen. Der 41-Jährige sagte: „Er hat von mir was zurückbekommen – und damit war es für mich auch gut.“

Wie der Täter aussah und wie groß er war – dazu konnte das Opfer nichts sagen. Auch nicht, ob es ein gezielter Schlag ­gegen ihn oder eher ein Rundumschlag mit einer Latte war. „Ich kann mich auch nicht mehr genau erinnern“, sagte­ auch seine Tochter, die nach ­eigener Einschätzung drei bis vier Bier und eine nicht mehr bezifferbare Anzahl Cocktails getrunken hatte.

Sie wusste zwar mehrere Personen zu benennen, die zum Zeitpunkt des Schlags in der Nähe ihres Vaters gestanden hätten, mehr aber nicht. Auch die Aussagen der weiteren Zeugen, die im Lauf des Vormittags gehört wurden, ergaben dem Gericht kein klares Bild des ganzen Vorfalls. So ­wurde das Verfahren schließlich mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft und des Angeklagten eingestellt.   

von Hartmut Bünger