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Hinterland Ein Theater ohne Bühne
Landkreis Hinterland Ein Theater ohne Bühne
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11:58 27.11.2020
Das Biedenkopfer Kernstadt-Bürgerhaus macht in wenigen Tagen dicht. Dann hat der Kulturring ein Problem.
Das Biedenkopfer Kernstadt-Bürgerhaus macht in wenigen Tagen dicht. Dann hat der Kulturring ein Problem. Quelle: Susan Abbe
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Biedenkopf

Das Biedenkopfer Bürgerhaus ist ab Mitte Dezember zu. Dem Biedenkopfer Kultur- und Veranstaltungsring bricht damit die Bühne für seine Theaterabende weg.

Der Vereinsvorstand um den Vorsitzenden Thomas Bauer sucht nun eine neue Spielstätte. Wenn sich keine Lösung findet, könnte der Verein vor dem Aus stehen.

Dass der Betrieb im Biedenkopfer Parkhotel und Bürgerhaus zum Jahresende eingestellt wird, ist beschlossene Sache. Wie es danach mit dem sanierungsbedürftigen Gebäudekomplex weitergeht, muss die Stadt erst noch prüfen.

Immerhin: Die Biedenkopfer Parlamentsfraktionen sind fest entschlossen, wieder ein Bürgerhaus für die Kernstadt zu errichten. Wann und wo ist bisher aber unklar.

Mit Sorge in die Zukunft

Bauer blickt mit Sorge in die Zukunft. „Da gehen ja doch ein paar Jahre hin, bis ein neues Bürgerhaus steht.“ Solange könne der Verein nicht pausieren. Mitglieder und Abonnenten würden abspringen, ist sich Bauer sicher. „Wir haben die Befürchtung, dass der Verein das nicht überstehen würde.“

Die anfängliche Hoffnung des Vereinsvorstands, dass wenigstens auf absehbare Zeit ein Notbetrieb im alten Bürgerhaus laufen könnte, hat sich zerschlagen. Bürgermeister Joachim Thiemig (SPD) und der städtische Bauamtsleiter Thorsten Schmack haben klar gemacht, dass solch ein Notbetrieb immense Kosten verursachen würde.

Die Stadt wäre demnach auch im Notbetrieb verpflichtet, umfangreiche Brandschutz-Sanierungen auszuführen. Allein das würde laut Bauamtsleiter Schmack einen sechsstelligen Betrag kosten. Geld, das die Stadt in eine Immobilie stecken würde, deren Ende schon besiegelt sei. Das sei einfach nicht vertretbar, sagt Bürgermeister Thiemig.

Mehrere Häuser im Blick

Dem Kultur- und Veranstaltungsring muss also eine neue Spielstätte finden. Doch das sei nicht so einfach, sagt Vereinschef Bauer. Infrage kämen die Aue-Eventhalle in Biedenkopf und die Fritz-Henkel-Halle in Wallau. Ob sich diese Hallen für professionelle Theateraufführungen eignen, könne er im Moment aber noch nicht sagen.

Beide Hallen will sich der Vereinsvorstand demnächst genau anschauen. Neben der Größe der Bühne geht es unter anderem um Fragen der Licht- und Tontechnik und um Umkleidemöglichkeiten für die Schauspieler.

Da der Kultur- und Veranstaltungsring eng mit dem Hessischen Landestheater Marburg zusammenarbeitet, werden auch die Landestheater-Intendantinnen Carola Unser und Eva Lange beim Ortstermin dabei sein. Zudem will Steffen Keiner, Kulturreferent der Stadt Biedenkopf, nach Möglichkeit teilnehmen, berichtet Thomas Bauer. „Wir wollen an einem Strang ziehen“, sagt er. Denn auch die Stadt brauche ja in den kommenden Jahren Ersatzveranstaltungsorte für ihre eigenen Kulturangebote.

Verein hat Neustart geschafft

Bauer hofft sehr, dass sich mit der Aue-Eventhalle oder der Fritz-Henkel-Halle eine Übergangslösung für den Kultur- und Veranstaltungsring findet. Wenn nicht, dann könne der Verein in den kommenden Jahren nur noch Theaterfahrten in andere Städte anbieten. „Aber Busfahrten wollen die Leute auch nicht ständig“, sagt Bauer. Ob sich so Mitglieder und Abonnenten halten lassen, sei fraglich.

Besonders bitter wäre das, weil der Kultur- und Veranstaltungsring gerade erst erfolgreich einen Neustart geschafft hat. Vor drei Jahren stand der Verein kurz vor der Auflösung. Dann aber war es dem Vorstand zusammen mit den Landestheater-Intendantinnen gelungen, das Ruder herumzureißen. Theater wurde in Biedenkopf wieder zum Erfolg. 115 Abonnenten zählt der Verein inzwischen. Auch finanziell hat sich der Verein wieder aufgerappelt.

Der Verein sei auf einem richtig guten Weg gewesen, sagt Bauer. „Wenn es jetzt mit dem Theater in Biedenkopf nicht weitergeht, wäre das wirklich sehr hart.“

Intendantinnen machen sich für Biedenkopf stark

Die Intendantinnen des Hessischen Landestheaters Marburg, Carola Unser und Eva Lange, machen sich dafür stark, dass es auch in Zukunft professionelle Theateraufführungen in Biedenkopf gibt. Sie haben einen Brief an Bürgermeister, Magistrat und Parlament geschrieben.

Dem Biedenkopfer Kultur- und Veranstaltungsring sei es seit 2018 „gelungen, das Theaterleben in Biedenkopf weiter und neu zu beleben“. Aufführungen wie „Der Hauptmann von Köpenick“ oder „Cabaret“ seien „viele Wochen danach in Biedenkopf diskutiert“ worden. „Solche Diskussionen und gemeinsamen Kulturerlebnisse sind wichtiger Bestandteil einer lebendigen Stadt.“

Und: „Biedenkopf ist das leuchtende Beispiel für Theater jenseits der Metropolen direkt vor Ort und für die Menschen“, heißt es im Brief. Theater sei ein wichtiger Standortfaktor. Die Intendantinnen verweisen darauf, dass auch die Hinterlandschule die Theaterangebote genutzt habe.

„Wir bitten Sie um Ideen für einen Veranstaltungsort auch für Theater“, schreiben die Intendantinnen. „Theater muss sein. Theater ist für die Menschen und dafür braucht es Orte.“

Von Susan Abbe

26.11.2020
23.11.2020