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Hinterland Aus Angst nicht zum Arzt?
Landkreis Hinterland Aus Angst nicht zum Arzt?
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18:55 01.06.2020
Eine Mitarbeiterin des DRK-Krankenhauses Biedenkopf trägt Schutzausrüstung vor Tröpfcheninfektion. Quelle: DRK-Kreisverband Biedenkopf
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Biedenkopf

Im DRK-Krankenhaus in Biedenkopf ist es momentan ein wenig anders als sonst. Auf den Fluren geht es ruhiger zu, einige Betten stehen leer und es finden weniger Operationen statt.

„Aufgrund der Corona-Pandemie haben wir 30 Prozent weniger Belegungen und auch Operationen“, berichtet A. Cornelia Bönnighausen, Vorstandsvorsitzende des DRK-Kreisverbandes Biedenkopf.

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Damit ist das DRK-Krankenhaus kein Einzelfall. Eine Analyse der Universität Birmingham besagt, dass weltweit geschätzt rund 28 Millionen geplante Operationen verschoben oder abgesagt werden. Laut einer Umfrage der Ärztegemeinschaft Marburger Bund ist das Arbeitsaufkommen für 57 Prozent der Mediziner während der Pandemie gesunken, bei einem Viertel gleich geblieben und nur bei knapp 18 Prozent gestiegen.

Die geringere Belegung im DRK-Krankenhaus Biedenkopf führt dabei zu finanziellen Einbußen, aber noch viel schlimmer sind die Folgen für viele Patienten. „Verschleppte Beschwerden wie zum Beispiel ein nicht behandelter Herzinfarkt oder Schlaganfall können zu schwerwiegenden Komplikationen führen“, sagt Dr. Stephan Baumann, ärztlicher Leiter der Intensivstation und Zentralen Notaufnahme im DRK-Krankenhaus.

UKGM-App dient zur Vorauswahl

Aus Angst vor Infektionen scheuen manche schwer kranke Patienten den Gang zum Arzt oder ins Krankenhaus. Doch das DRK-Krankenhaus hat Sicherheitsvorkehrungen eingerichtet: Jeder Patient macht vorab einen sogenannten Covid-Check über die vom Universitätsklinikum Gießen Marburg entwickelte App „Covid-Online“ (die OP berichtete).

Sind die Ergebnisse unbedenklich, bringt er diese zur Behandlung mit. Besteht laut App ein Covid-Verdacht, wird der Patient angehalten, umgehend die Covid-Hotline (116117) oder seinen Hausarzt telefonisch zu kontaktieren.

Vor dem Betreten des DRK-Krankenhauses werden bei jedem Patienten die Körpertemperatur mittels kontaktlosem Fieberthermometer gemessen sowie die Sauerstoffsättigung im Blut getestet und dokumentiert. Ist die Temperatur erhöht und die Sauerstoffsättigung im Blut niedrig, bedeutet dies einen Covid-19-Verdacht, für den es einen konkreten Handlungsablauf im Krankenhaus gibt.

Es gibt ein Hygiene- und Präventionsvorschriften

Alle Patienten desinfizieren sich vor dem Betreten des DRK-Krankenhauses die Hände und tragen einen Mundschutz außerhalb ihres Zimmers. Auch die Mitarbeiter halten sich an vorgegebene Mindestabstände, tragen einen Mundschutz und bei bestimmten medizinischen Handlungen zudem ein Gesichtsvisier. Zur Eindämmung des Coronavirus gibt es Präventionsvorschriften und ein Hygienekonzept.

„Wenn Sie akute Beschwerden haben, die vom Bauch, der Lunge oder vom Herzen ausgehen, oder bei akuten Verletzungen zögern Sie auch in Zeiten von Corona nicht, den Rettungsdienst zu rufen oder selbstständig bei uns vorstellig zu werden. Wir treffen hier wirklich umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen, um Corona nachdrücklich Einhalt zu gebieten. Bei uns sind Sie in guten Händen und dies rund um die Uhr – 365 Tage im Jahr“, sagt Dr. Baumann.

Video soll Patienten informieren

Der DRK-Kreisverband Biedenkopf zeigt auf seinem gleichnamigen Youtube-Kanal ein Video mit Informationen zum Infektionsschutz.

Die stationäre Therapie im 105-Betten-Krankenhaus erfolgt größtenteils durch Belegärzte. Zum Angebot des Kreisverbands gehören auch das Seniorenzentrum Lahnaue in Biedenkopf und das Seniorenzentrum in Wallau sowie der ambulante Pflegedienst.

Von Ina Conrad-Sure

Die Autorin ist beim DRK-Kreisverband Biedenkopf Ansprechpartnerin für Öffentlichkeitsarbeit.

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