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Hinterland Handfester Streit endet vor Gericht
Landkreis Hinterland Handfester Streit endet vor Gericht
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10:00 21.08.2019
Symbolbild: Ein 37-jähriger Gladenbacher wurde von dem Amtsgericht zu einer Geldstrafe von 300 Euro verurteilt. Die Strafe muss er an das Deutsche Rote Kreuz zahlen. Quelle: Thorsten Richter
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Biedenkopf

Wegen Körperverletzung, Nötigung und Sachbeschädigung musste sich ein Gladenbacher vor dem Amtsgericht verantworten. Nach dreieinhalbstündiger Verhandlung stellte Richterin Alexandra Hille das Verfahren gegen den 37-Jährigen vorläufig ein. Er muss 300 Euro an das Deutsche Rote Kreuz zahlen, dann ist für ihn die Sache vom Tisch.

Tatort Kirschenmarkt: Am 2. Juli 2017 kamen sich gegen 4.30 Uhr zwei Gladenbacher in die Quere, zunächst verbal, dann handgreiflich. Beide Männer verletzten sich dabei. Die Staatsanwaltschaft warf dem Angeklagten vor, seinem Kontrahenten – dem 34-jährigen Nebenkläger – eine Kopfnuss und gezielte Tritte verpasst sowie ihm gedroht zu haben. Der Beschuldigte bestritt die Taten.

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Von einer „konfliktgeladenen Vorgeschichte“ sprach Staatsanwalt Dennis Bodenbenner. Die beiden Gladenbacher kennen sich von klein auf. Der Bruder des Nebenklägers war Ende 2017 wegen Vergewaltigung zu einer mehrjährigen Haft­strafe verurteilt worden. In das Verfahren war damals auch die Lebensgefährtin des jetzigen Angeklagten verwickelt, zog später aber ihre Anzeige zurück.

Am frühen Morgen des 2. Juli 2017 wollte der ­Angeklagte nach eigenen Angaben joggen und traf dabei zufällig in der Fressgasse auf den 34-Jährigen. „Ich habe ihm auf die Schulter geklopft, um mit ihm zu reden. Ich wollte von ihm wissen, warum er meine Freundin bedroht und sie aufgefordert hat, die ­Anzeige gegen seinen Bruder zurückzunehmen“, berichtete der Angeklagte. Daraufhin habe ihn sein Gegenüber geschubst, später sei er auch mit Fäusten auf ihn losgegangen.

"Wir haben recht widersprüchliche Dinge gehört"

Der Nebenkläger sprach dagegen von Drohungen des Angeklagten. „Ich werde dich und deine Mutter umbringen“, soll dieser gesagt haben. Dann habe der Angeklagte ihm eine Kopfnuss verpasst. Später verlagerte sich das Geschehen an den Busbahnhof und in die Marktstraße. Bis zu 20 Freunde und Bekannte aus beiden Lagern seien dort zusammengekommen.

„Ich ­hatte panische Angst um meine ­Eltern und dass noch mehr passiert, deshalb bin ich ihm gefolgt“, sagte der Nebenkläger. In der Bornrainstraße wollten die beiden Kontrahenten ein klärendes Gespräch führen – ohne ­ihre Kumpels. Dieses gipfelte in ­einer Schlägerei.

Vier Zeugen sagten pro Nebenkläger aus, zwei für den Angeklagten. Genaue Angaben zur Auseinandersetzung und zu den Verletzungen machte keiner von ihnen. Auch der Wortlaut des Streits war keinem ­bekannt, da sich die beiden Männer fast ausschließlich auf Russisch unterhalten hatten.

„Wir haben recht widersprüchliche Dinge gehört“, fasste Staatsanwalt Bodenbenner zusammen. Sein „Vorschlag zur Güte“: Die Sache auf sich beruhen lassen, wenn der Angeklagte den Schaden für die kaputte Brille des Nebenklägers begleicht. Dieser wollte allerdings kein Geld haben. Richterin Hille änderte daraufhin die Auflage zur Einstellung des Verfahrens nach Rücksprache mit dem Angeklagten ab.

von Michael Tietz