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Hinterland Bewerbungsfrist endet am Montag
Landkreis Hinterland Bewerbungsfrist endet am Montag
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14:58 24.08.2020
Am 1. November wählen die Gladenbacher ihren Bürgermeister. Quelle: Themenfoto: Uwe Anspach/dpa
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Gladenbach

Alles deutet auf einen Vierkampf um die Rathaus-Spitze hin: In Gladenbach endet heute Abend die Bewerbungsfrist für die Bürgermeisterwahl. Unter welchen Corona-Vorgaben der klassische Gang zur Wahlurne am 1. November stattfindet, ist noch unklar.

Eigentlich wollten die Gladenbacher am 26. April ihren Bürgermeister wählen. Einen Monat zuvor setzte das Land aber wegen der Corona-Pandemie alle 49 bis Ende Oktober in Hessen geplanten Bürgermeisterwahlen aus. Der Landtag hatte dazu ein entsprechendes Gesetz verabschiedet.

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Damit verlängert sich die ursprünglich am 30. September endende erste Amtszeit von Bürgermeister Peter Kremer (parteilos) automatisch. Ob für ein paar Wochen oder für weitere sechs Jahre, können rund 9 650 wahlberechtigte Gladenbacher nun am 1. November (Allerheiligen) entscheiden. Diesen Termin legte das Parlament im Mai fest. Eine mögliche Stichwahl würde am 22. November (Totensonntag) stattfinden.

Im Frühjahr hätte es einen Dreikampf um den Chefposten im Gladenbacher Rathaus gegeben. Peter Kremer kündigte bereits im Oktober 2019 an, dass er eine zweite Amtszeit anstrebt. Rückendeckung bekommt der 59-Jährige von der CDU – sie sprach sich für eine Wiederwahl des Bürgermeisters aus. Die Grünen nominierten den 42-jährigen Gregor Hofmeyer, der die Farben der Partei auch im Stadtparlament vertritt. Außerdem warf Anton Enes (parteilos) seinen Hut in den Ring. Der 32-Jährige wird von den Freien Wählern unterstützt. Die SPD verzichtet auf einen eigenen Kandidaten. Mit dem neuen Wahltermin haben nun weitere Bürger die Möglichkeit, sich noch bis heute um 18 Uhr für das Amt zu bewerben und ihre Wahlunterlagen im Rathaus abzugeben. Anfang Juli entschloss sich Robert Wolfgram zu diesem Schritt. Der 42-Jährige tritt ebenfalls als unabhängiger Kandidat an. Für Einzelbewerber gilt: Sie müssen mindestens 74 Unterschriften von Wahlberechtigten nachweisen.

Wahlausschuss tagt

Ob Robert Wolfgram diese Voraussetzung erfüllt hat, prüft am 4. September der Gladenbacher Wahlausschuss. Das siebenköpfige Gremium unter dem Vorsitz von Gemeindewahlleiter Rüdiger Götze tagt ab 11 Uhr im Haus des Gastes und entscheidet dann, ob alle für den Urnengang erforderlichen Unterlagen vorliegen. Die bereits vor einem halben Jahr eingereichten Vorschläge behalten ihre Gültigkeit. Diese waren bereits Ende Februar für rechtmäßig befunden worden.

Losen muss der Wahlausschuss während seiner Sitzung ebenfalls. Auf diese Weise wird die Reihenfolge der Wahlvorschläge auf dem Stimmzettel ermittelt. Eine Vorgabe gibt es dafür: Kandidaten einer Partei rangieren vor Einzelbewerbern. Somit nimmt – nach bisherigem Stand – Gregor Hofmeyer den ersten Platz ein.

Mit einigen Fragezeichen versehen ist dagegen der Ablauf der Wahl am 1. November. „Unklar ist noch, wie wir die Wahllokale ausstatten müssen“, erklärt Rüdiger Götze. Denn aufgrund der Corona-Pandemie sind mit Sicherheit einige „Schutzmaßnahmen“ erforderlich. Um den Mindestabstand und die Hygienevorgaben sicherzustellen, gibt es verschiedene Vorgehensweisen. Dazu könnten zum Beispiel Wahlkabine und Wahlurne entsprechend platziert, Laufwege markiert und die Oberflächen regelmäßig gereinigt werden. Möglicherweise werden auch Spuckschutzwände aufgestellt. Ob der Wähler für sein Kreuz den eigenen Kugelschreiber mitbringen darf, steht noch nicht fest. Außerdem könnte das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung im Wahllokal zur Pflicht werden. Die Details will Götze nun mit dem Landeswahlleiter abklären. Außerdem hört er sich in anderen Kommunen um, wie dort die Bürgermeisterwahl ablaufen soll. In 27 hessischen Städten und Gemeinden wird am 1. November abgestimmt.

190 Helfer sind dann voraussichtlich in den 15 Gladenbacher Stadtteilen im Einsatz, geben die Stimmzettel aus und zählen diese später auch aus. Der Dienst beginnt um 7.30 Uhr, das Wahllokal schließt um 18 Uhr. Dann dauert es maximal noch eine Stunde, bis das vorläufige Endergebnis ermittelt ist. Gearbeitet wird üblicherweise im Zwei-Schicht-Betrieb. Jeder Wahlhelfer erhält ein „Erfrischungsgeld“ von 30 Euro.

Die Ortsbeiräte sowie auch Parteien haben bereits vor Wochen Listen mit den Namen von Personen erstellt, die in den Wahlvorständen mitarbeiten werden. Weitere interessierte Bürger können sich für diese Aufgabe aber noch per E-Mail in der Stadtverwaltung beim Ordnungsamt melden: h.weiss@gladenbach.de. „Angehörige von Risikogruppen sollen nach Möglichkeit nicht als Wahlhelfer eingesetzt werden“, rät Rüdiger Götze mit Blick auf die Corona-Pandemie. Anfang Oktober erhalten die Gladenbacher ihre Wahlbenachrichtigungen. Mit dieser können dann auch bereits die Briefwahlunterlagen angefordert oder im Rathaus abgeholt werden. Götze rechnet damit, dass diese Möglichkeit der Kreuzchen-Abgabe deutlich mehr in Anspruch genommen wird als in der Corona-freien Zeit.

Krisenszenario: Briefwahl

Im Mai 2014 – bei der letzten Bürgermeisterwahl in Gladenbach – gaben 735 Bürger per Brief eine gültige Stimme ab. In die Wahllokale kamen damals etwas mehr als 5 000 Menschen, die Wahlbeteiligung lag bei 53,7 Prozent. Derzeit kalkuliert das Gladenbacher Wahlamt mit 1 600 Teilnehmern bei der postalischen Stimmenabgabe.

Entsprechend mehr Briefumschläge müssen neben den 10 000 Stimmzetteln gedruckt werden. Der Corona-Krisenplan könnte allerdings noch ein anderes Szenario vorsehen: Wenn die Infektionszahlen im Herbst drastisch ansteigen, könnte die Bürgermeisterwahl auch komplett über die Briefwahl abgewickelt werden.

Von Michael Tietz