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Hinterland Einbahn-Schwimmen und gelbe Füße
Landkreis Hinterland Einbahn-Schwimmen und gelbe Füße
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16:00 22.07.2020
Ida hat Spaß auf der großen Rutsche im Lahnauenbad in Biedenkopf. Quelle: Ina Tannert
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Biedenkopf

Die Sonne lacht auf die glitzernden Wasserflächen in den Becken des Lahnauenbads in Biedenkopf, zumindest am Montagnachmittag. Da konnten die Besucher so einige Sonnenstunden genießen, bei dem derzeit wechselhaften Wetter nicht gerade Alltag. So einige Schwimmer nutzen den warmen Tag, vor allem Kinder und Jugendliche sind da, hüpfen im tiefen Becken johlend von den Sprungtürmen, weitere Schwimmer ziehen ihre Bahnen in abgetrennten Bereichen. Es herrscht Einbahnregelung im Becken, so kommt man sich nicht in die Quere.

Das gilt an mehreren Stellen auch an Land: Abstand nach den Vorgaben der Corona-Regeln – das wird derzeit großgeschrieben vor und auf dem Gelände des Freibades, dessen Wege seit der Wiedereröffnung Mitte Juli durch das eigene Hygienekonzept angepasst wurden. Der Ein- und Ausgang wurde zum reinen Eingang umgestaltet, der Nebenausgang durch eine Drehtür ist nun ausschließlich für das Verlassen des Bades gedacht. Bevor die Besucher aber hinein dürfen, müssen sie sich mit ihren Kontaktdaten registrieren – direkt vor Ort oder auch online. Per Lichtschranken wird die Zahl der Besucher erfasst, so weiß die Pforte stets aktuell, wie viele da sind. „Wenn die maximale Anzahl erreicht ist, müssen andere warten – bisher ist das aber noch nicht passiert“, berichtet Wolfgang Müller, Fachbereichsleiter Freizeit, Erholung, Kultur der Stadt.

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Die Grenze liegt derzeit noch bei 300 Besuchern, eigentlich dürften bei der vorhandenen Grundfläche mehr hinein, aber die Stadt sei vorsichtig, Sicherheit gehe vor. Man wolle erst einmal testen, wie die neue Regelung angenommen wird und dann die Maximalzahl erhöhen. Auf den Laufwegen zwischen den Becken weisen viele neue Schilder auf die Abstandsregeln hin, Begegnungsverkehr soll weitestgehend vermieden werden, speziell an Engstellen wurde darauf geachtet, etwa an der schmalen Brücke zwischen den beiden großen Becken.

Markierungen helfen bei Orientierung

Im vorderen Bereich ist gerade Halli-Galli angesagt, dort planscht ein halbes Dutzend Kinder, die sich jauchzend durch das Wasser jagen. Sie nutzen das gute Wetter in den Ferien für eine ausgiebige Wasserschlacht. Dafür haben sie auch ausreichend Platz, viel los ist dieser Tage noch nicht. „Es macht total Spaß, auch wenn wenige da sind“, berichtet Ida. Die Neunjährige hat auch eine Vermutung, warum das so ist: „Ich glaube, viele haben sich in letzter Zeit einen Pool in den Garten gebaut“. Den braucht sie aber nicht, „hier ist es doch viel schöner, und es gibt die große Wasserrutsche“, erzählt sie begeistert.

Einige Bänke wurden gezielt entfernt

Die kurvige Rutschbahn wird auch rege genutzt, immer wieder sausen die Kinder hinab, platschen johlend ins Wasser. Auch sie müssen auf Abstand achten, der Bademeister hat ein Auge darauf und ermahnt die jüngsten Gäste. Als optische Hilfen vor der Leiter dienen da knallgelbe Fußabdrücke auf dem Betonboden im Abstand von 1,5 Meter. Für den Fall, dass Besucher anstehen müssen. Die auffälligen Markierungen gibt es mittlerweile an verschiedenen Stellen im Bad, eine praktische Ergänzung zu den Schildern, gerade für Kinder.

Rund um die Becken fehlen einige der Bänke, diese wurden gezielt entfernt, damit die Besucher mehr Ausweichfläche haben, sich nicht zu nah nebeneinander setzen. Wer sich niederlassen will, hat dazu auf den vielen Rasenflächen zwischen gepflegten Beeten und gestutzten Hecken die Gelegenheit und viel Platz. Doch jene Badegäste, die da sind, genießen den neuen Freiraum, kommen teils sogar deswegen her: „Wir kommen sowieso nur, wenn wenig los ist, jeder hat eine Bahn für sich, das ist viel entspannter“, sagt Marco Donges. Er ist mit der Familie da, während Tochter Ida mit ihrer Freundin die Rutsche erprobt, schwimmen er und seine Frau gerne ihre Bahnen. „Ich bin froh, dass wir so viel Platz haben, die Wege sind zwar wegen Corona anders, aber das stört nicht“, ergänzt Catherine Donges.

Keine warmen Duschen, Umkleidekabinen sind offen

Die Umkleidekabinen sind geöffnet, nicht jedoch die Spinde, die mit Bänken versperrt sind. Die stehen eng aneinander, Benutzer würden sich ebenso nah kommen, daher verzichtet das Bad derzeit auf die Möglichkeit, seine Habe einschließen zu können. Geschlossen ist auch das Atrium und damit die warmen Duschen. Denn die sind regulär nur per Wertmarke nutzbar, die normalerweise beim Personal abgeholt wird. Um aber auch den Kontakt zwischen Mitarbeitern und Gästen möglichst klein zu halten, wird darauf noch verzichtet, erklärt Müller. Lediglich die Kalt-Duschen um die Becken sind frei zugänglich. Die Umsetzung des neuen Hygienekonzepts war aufwendig, werde aber eingehalten, „die Gäste nehmen das veränderte Regelwerk gut an“.

Zwischendurch kümmert sich immer wieder ein Mitarbeiter der beauftragten Reinigungsfirma auf dem Gelände um die Desinfektion von häufig berührten Flächen, etwa die Drehtür am Ausgang. Im Rahmen des Corona-Hygienekonzepts werden am Tag fünf zusätzliche Stunden für die Reinigung eingeplant, „ein deutlich gesteigerter Aufwand“, rechnet Müller vor. Dabei musste die Saison schon um einiges abspecken – normalerweise hat das Bad 110 Tage im Jahr geöffnet, wegen der zeitweisen Corona-Schließung werden es dieses Mal voraussichtlich nur 70 Tage werden. Müller hofft, dass sich im Verlauf des Sommers die Besucherzahl erhöht, „viele sind noch vorsichtig, aber es braucht auch noch mehr warme Tage am Stück, bis die Massen wiederkommen“.

Lahnauenbad

Maximal mögliche Personenzahl auf dem Gelände aktuell: Derzeit auf maximal 300 Besucher begrenzt, eine Erweiterung der Obergrenze ist während der Saison auf 510 Badegäste vorgesehen; Personenzahl bei „Normalbetrieb“ ohne Corona-Einschränkungen: Bis zu 2000 Gäste am Tag; Maximal mögliche Zahl der Schwimmer aktuell: Schwimmerbecken: 92 Personen, Nichtschwimmerbecken: 74 Personen, Babybecken: 18 Personen; Öffnungszeiten: Badebetrieb 7:30 bis 20 Uhr (Kassenschluss 19:15 Uhr), Badeschluss 19:45 Uhr; Preise: Einzelkarte:Kinder unter 4 Jahren haben freien Eintritt, Kinder, Jugendliche, Auszubildende und Studierende: 2,50 Euro, Erwachsene 4 Euro, Früh- und Abendtarif (7.30 – 9 Uhr oder 18 – 20 Uhr) 3 Euro; Gesamtgröße der Liegefläche: Rund 16000 Quadratmeter (einschließlich Beachvolleyballfeld); Kiosk: Ist vorhanden und geöffnet, die Begrenzung der Öffnungszeiten liegt im Ermessen des Pächters der Gaststätte und des Kiosks; Gibt es derzeit Kursangebote? Nein; Weitere Freizeitmöglichkeiten/Sportangebote: Rutsche, Sprungtürme, Basketballfeld, Tischtennisplatten; Eingesetzte Mitarbeiter im Freibad: 3 Fachkräfte plus Rettungsschwimmer; Jahres- oder Saisonkarten: Aufgrund der Beschränkung der Besucherzahlen durch die Corona-Pandemie werden in 2020 keine Saisonkarten angeboten.

Von Ina Tannert

16.07.2020
16.07.2020