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Hinterland Viereinhalb Jahre Haft wegen Vergewaltigungen
Landkreis Hinterland Viereinhalb Jahre Haft wegen Vergewaltigungen
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12:58 03.11.2019
Dass der Angeklagte nicht bemerkt haben will, dass seine damalige Freundin keinen Sex wollte, glaubte ihm das Gericht nicht. Quelle: Maurizio Gambarini/dpa/Themenfoto
Marburg

Der Angeklagte aus Ehringshausen wurde wegen des ersten Falls aus dem Jahr 2011 zu zwei Jahren Haft und wegen einer zweiten Tat im Januar 2016 zu weiteren zweieinhalb Jahren Haft verurteilt.

Mitnichten handle es sich um ein Komplott zweier Frauen gegen den Angeklagten, wies der Vorsitzende Richter Gernot Christ in der Urteilsbegründung die These der Verteidigung zurück.

Dafür gebe es keine ­Hinweise, auch wenn die beiden ­Frauen gemeinsam auf der Polizeiwache erschienen seien. Zudem hätten sich die beiden Frauen unabhängig voneinander zuvor anderen Menschen anvertraut.

Psychologisches Gutachten abgelehnt

Die Frau aus Greifenstein berichtete ihrer Mutter von der Tat, die 31-Jährige aus Bad Endbach sprach mit Freundinnen über das Geschehen. All diese Frauen waren im Prozess als Zeuginnen befragt worden. „Die Beweisaufnahme hat erwiesen, dass die Aussagen beider Frauen glaubhaft sind“, ­betonte Christ.

Die Verteidigung hatte beantragt, aufgrund der psychischen Erkrankung der Bad Endbacherin ein Gutachten einzuholen. Dies hatte das Gericht abgelehnt. Die Aussagen der behandelnden Psychologinnen und das Auftreten der 31-Jährigen vor Gericht hätten keinen Anlass gegeben, an ihrer „Aussagetüchtigkeit“ zu 
 zweifeln, sagte Christ. Es gebe keine Hinweise auf Denkstörungen oder Wahrnehmungsprobleme. Die Frau leidet an ­einer emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung.

Gericht glaubt den Zeuginnen

Eine Kaufsucht, die vorübergehend zu einer stationären Behandlung geführt habe, sei auf die seelische Belastung nach dem Tod des Großvaters und die Trennung von ­einem früheren Lebensgefährten zurückzuführen. Auch ein Rache­motiv wegen einer nicht gewollten Beendigung der Beziehung sei nicht erkennbar.

Die 31-Jährige, die im Prozess als Nebenklägerin auftrat, habe dem Gericht eindeutig geschildert, wie sie sich gegen die Vergewaltigung durch ihren damaligen Freund gewehrt habe. Es sei ­eine „Schutzbehauptung des Angeklagten“,­ nicht bemerkt zu haben, dass seine Partnerin keinen Geschlechtsverkehr wollte. „Sie hat Ihnen mit den Fäusten auf den Rücken geschlagen und geweint. Deutlicher kann ein entgegenstehender Wille nicht ­zutage treten.“

Kein Motiv für Komplott

Auch die Frau aus Greifenstein habe kein Motiv gehabt, dem Angeklagten zu schaden. Sie hätte andere Möglichkeiten gehabt, wenn sie zum Beispiel ­ihrem früheren Lebensgefährten den Umgang mit dem gemeinsamen Kind hätte unter­sagen wollen, sagte Christ. Aus Scham über die erlittene Tat habe sie so lange geschwiegen.

Die sexuelle Gewalt, die ihr angetan worden war, ­stufte das Gericht als etwas weniger schwer ein als die Vergewaltigung an der Bad Endbacherin. Daher das unterschiedliche Strafmaß. Bestandteil der Komplott-Theorie des Angeklagten waren auch Marihuana-Pflanzen, die sich auf dem Balkon der Wohnung befanden. Damit habe man ihn belasten wollen.

Körperverletzungen nicht verfolgt

Der Angeklagte ist wegen Gefährdung des Straßenverkehrs unter Drogeneinfluss und des Handelns mit Marihuana bereits mehrfach vorbestraft. Immer wieder hatte er gegen seine Bewährungsauflagen – sein Suchtproblem anzugehen – verstoßen. Der Angeklagte machte in dem Prozess selbst keine Aussage. Vier Fälle wegen Körperverletzung in Tateinheit mit den Vergewaltigungen wurden vom Landgericht nicht weiter verfolgt.

Das Verfahren war notwendig geworden, weil Angeklagter wie Staatsanwaltschaft gegen die Entscheidung des Marburger Amtsgerichts in Berufung gegangen waren. Damals war der Mann zu fünf Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden.

von Regina Tauer