Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Hinterland Andreas Bernhardt läuft für Kinder
Landkreis Hinterland Andreas Bernhardt läuft für Kinder
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:58 01.05.2021
Andreas Bernhardt hat sich den Lahn-Dill-Bergland-Pfad als Herausforderung für den „Muskathlon@Home“ ausgesucht. Er will die 90 Kilometer lange Strecke in 18 Stunden abwandern.
Andreas Bernhardt hat sich den Lahn-Dill-Bergland-Pfad als Herausforderung für den „Muskathlon@Home“ ausgesucht. Er will die 90 Kilometer lange Strecke in 18 Stunden abwandern. Quelle: Sascha Valentin
Anzeige
Friedensdorf

Andreas Bernhardt ist kein Leistungssportler. Niemand, der das Extreme sucht. Aber er hat ein großes Herz. Und das treibt ihn zu einer besonderen Herausforderung an: Der 31-Jährige will am 12. Juni im Rahmen eines „Muskathlons“ innerhalb von 18 Stunden den knapp 90 Kilometer langen Lahn-Dill-Bergland-Pfad von Dillenburg nach Marburg ablaufen und damit Geld für Kinder auf den Philippinen sammeln.

Der Name „Muskathlon“ kommt nicht etwa von den Muskeln, die nach der doppelten Marathonwanderung ordentlich schmerzen dürften, sondern geht auf die drei Musketiere aus Alexandre Dumas’ gleichnamigem Roman zurück. Bernhardt ist nämlich Mitglied der christlichen Bewegung „4M“, die Menschen auf der ganzen Welt dazu animiert, zum „vierten Musketier“ zu werden und sich sportlich für mehr Gerechtigkeit einzusetzen. Dies geschieht unter anderem durch die „Muskathlons“, bei denen die Teilnehmer Spenden sammeln für jeden Kilometer, den sie zurücklegen.

Lebensumstände vor Ort

2018 hat Bernhardt an seinem ersten „Muskathlon“ in Tansania teilgenommen, und „das hat mein Leben total verändert“, erzählt der Friedensdorfer. Denn zum Konzept der Veranstaltungen gehört es auch, dass die Teilnehmer vor Ort mit den Lebensumständen jener Menschen konfrontiert werden, denen durch die „Muskathlons“ geholfen werden soll.

„Zu sehen, wie es diesen Menschen vor Ort ergeht, wie sie leben und wie ihnen durch ,Compassion’ geholfen wird, hat mich für immer geprägt“, sagt Bernhardt. Compassion ist das englische Wort für Barmherzigkeit und Mitgefühl und der Name des Kinderhilfswerks, dem die gesammelten Spenden aus den „Muskathlon“-Läufen zukommen und das es sich zur Aufgabe gemacht hat, benachteiligten Kindern in Armutsgebieten zu helfen, ein besseres Leben aufzubauen.

Patenschaft für ein Kind

Andreas Bernhardt hat die Arbeit von Compassion derart beeindruckt, dass er 2018 selbst die Patenschaft für ein Kind aus Tansania übernommen und dieses auch im Rahmen des „Muskathlons“ besucht hat. „Für uns klingt es unglaublich, mit 30 Euro im Monat dafür zu sorgen, dass ein Kind in die Schule gehen kann, es medizinisch versorgt wird und auch noch zu Essen bekommt“, erzählt Bernhardt. Aber in Tansania sei das für viele Menschen Realität. „Dort müssen einige Familien mit 20 Euro im Monat zurechtkommen“, erzählt er.

Einmal habe er den Vortrag eines ehemaligen Compassion-Kindes miterlebt, dem es dank der Spenden ermöglicht wurde, nicht nur die Schule zu besuchen, sondern anschließend auch zu studieren. Der junge Mann habe von vielen Gesprächen berichtet, in denen Menschen aus Europa immer wieder zum Ausdruck brachten, wie beschämt sie darüber seien, selbst im Überfluss zu leben, während andere Menschen gegen die Armut kämpften.

Kein Grund, um sich zu schämen

„Dann hat er etwas ganz Wichtiges gesagt“, erinnert sich Bernhardt. „Er meinte, dass sie keinen Grund hätten, sich zu schämen, denn sie würden die Ungleichheit ja erkennen und versuchen, etwas dagegen zu tun. Schämen müssten sich wenn dann nur jene, die die Augen davor verschließen und diese Ungleichheit ausblendeten.“

Das war für Bernhardt einer jener Momente, die ihn geprägt haben, gibt er zu: „Ich bin gesund und kann etwas dafür tun, diejenigen zu unterstützen, die auf unsere Hilfe angewiesen sind.“

Flyer verteilt, um aufmerksam zu machen

In diesem Jahr hätte der „Muskathlon“ eigentlich auf den Philippinen stattfinden sollen. Weil das aufgrund der Corona-Pandemie jedoch nicht möglich ist, hat „4M“ entschieden, am 12. Juni einen „Muskathlon@Home“ zu initiieren. „Daran kann jeder teilnehmen, der für die Kinder auf den Philippinen Geld sammeln will“, erklärt Bernhardt.

Er selbst hat in Friedensdorf an alle Haushalte Flyer verteilt mit dem Aufruf, ihn durch eine Spende zu unterstützen – entweder in Form einer einmaligen Spende oder für jeden Kilometer, den er zurücklegt. Als Strecke habe er sich den Lahn-Dill-Bergland-Pfad ausgesucht, „weil ich den schon mehrfach gelaufen bin – allerdings immer nur in mehreren Etappen“.

Fehlende Zeit für das Training

Bei seinem ersten „Muskathlon“ in Tansania habe er 63 Kilometer geschafft. „Mit dieser Distanz würde ich ziemlich genau bis zu der Kreuzung im Wald oberhalb von Friedensdorf kommen“, betont er. Von dort wären es noch einmal knapp 25 Kilometer bis nach Marburg. Ob er das schafft, weiß Bernhardt noch nicht.

„In Tansania war ich definitiv besser in Form“, sagt er. Mit zwei kleinen Kindern fehle ihm derzeit ein wenig die Zeit fürs Training, gibt er zu. „Ich versuche einfach, so viel wie möglich zu machen: meistens längere Märsche am Wochenende.“ Die körperlichen Voraussetzungen seien aber ohnehin nur die eine Seite, weiß Bernhardt.

Ein Kilometer versorgt ein weiteres Kind

Wenn er am 12. Juni um 0 Uhr in Dillenburg an den Start geht, dann laufe vieles auch über den Kopf ab. Und das gebe ihm die Kraft, durchzuhalten, hofft er. „Wenn ich mir vorstelle, dass ich für jeden Kilometer, den ich weiter laufe, ein Kind einen weiteren Monat versorgen kann, dann ist das für mich Ansporn genug, um durchzuhalten“, freut sich Bernhardt.

Wer Andreas Bernhardt bei seinem Kampf gegen die Kinderarmut auf den Philippinen unterstützen will, kann sich dazu auf seine Spenderliste setzen lassen. Dazu reicht eine E-Mail an ­a.bernhardt@4mde.org.

Von Sascha Valentin