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Hinterland Bauantrag für Kita-Anbau auf dem Weg
Landkreis Hinterland Bauantrag für Kita-Anbau auf dem Weg
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12:00 23.08.2019
Die Zeit drängt: Die Container am Bad Endbacher Kindergarten „Wunderland“ müssen im August 2020 abgebaut werden. Bis dahin muss ein neuer Anbau stehen. Quelle: Regina Tauer
Bad Endbach

Bislang passierte hinsichtlich des Anbaus noch nichts, weil das Kommunalparlament befürchtete, die Kosten könnten aus dem Ruder laufen. Dass es teurer werden könnte, hatte auch der Bauträger, das Kinderzentrum „Weißer Stein“ in Marburg, angedeutet. Deswegen behielt das Kommunalparlament auch die Kostendeckelung von 850.000 Euro aufrecht. Über die Sommerferien kam Bewegung in das Bauvorhaben, obwohl Anfang Juni­ ein Antrag der CDU-Fraktion für einen kostengünstigeren Modulbau keine Mehrheit fand.

Das gleiche Schicksal war den Bemühungen des Gemeindevorstands beschieden, den Kostendeckel aufzuheben. Bürgermeister Julian Schweitzer (SPD) berichtete nun den Gemeinde­vertretern von „intensivem Mailverkehr und fast täglichen Abstimmungstelefonaten“ mit Vertretern des „Weißen Steins“. Herausgekommen ist ein Zeitplan, der vorsieht, bis September einen Bauantrag beim Landkreis einzureichen.

Förderung durch den Bund erwartet

„Wie sich die tatsächlichen Baukosten darstellen, werden wir nach der Ausschreibung im Dezember 2019 erfahren“, ließ Schweitzer das Parlament wissen. Er speist seine Zuversicht, dass seine Rechnung aufgeht und der gemeindliche Anteil von 850.000 Euro nicht überschritten wird, aus den guten Aussichten für den Kindergartenanbau 150.000 Euro aus einem Bundesprogramm zu erhalten. „Das wäre für uns ein finanzieller Puffer.“

Schriftlich hat Schweitzer den Zuwendungsbescheid nicht, aber: „Wir erwarten, dass uns dieser Betrag zusteht.“ Denn das Anbauprojekt entspreche den Richtlinien. Im Gemeindeparlament sagte Schweitzer: „Nach den derzeitigen Kalkulationen kann ich die positive Botschaft verkünden, dass wir den Bürgschaftsbetrag um zirka 150.000 auf etwa 700.000 Euro reduzieren können.“

Modulbauweise wäre wohl nicht günstiger

Der Anbau soll, um fristgerecht fertig zu werden, in Ständerbauweise errichtet werden. Da der Beschluss der Gemeindevertreter über eine Bürgschaft von 850.000 Euro vorliegt, benötigt Schweitzer keine Bestätigung durch das Parlament, um das Bauprojekt auf den Weg zu bringen. Obwohl er „nicht dazu verpflichtet“ sei, weil der CDU-Antrag ja keine Mehrheit erhalten habe, habe er diese Option geprüft. Die Verwaltung hat von fünf Modulbaufirmen Angebote angefordert. Keine sei in der Lage gewesen, ein Angebot abzugeben.

Hausintern wie auch extern habe er das Angebot der Firma Kleusberg, mit der die CDU-Fraktion in Kontakt war, überprüfen lassen. Nach telefonischem Kontakt mit Kleusberg sei ihm mitgeteilt worden, dass es sich „nur um eine grobe Kostenschätzung für eine sehr einfache und abgespeckte Ausführung handelt und dass empfohlen wird, einige Ausstattungsextras mitzuerwerben“, teilte Schweitzer mit. Darüber hinaus habe die Firma eingeräumt, dass eine Heizungsanlage ausgewiesen sei, „welche aber nicht in der Kostenschätzung berücksichtigt wurde“, sagte Schweitzer weiter. Auch Kosten für ­Außenanlagen, Ausstattung, Bauüberwachung und Weiteres mehr seien nicht in der Schätzung enthalten. „Nach interner Kalkulation gestalten sich die Kosten für die Erstellung des Kindergartenanbaus in Modulbauweise nicht niedriger als in Ständerbauweise“, sagte der Bürgermeister.

CDU-Vertreter zweifelt Schweitzers Aussagen an

Marie-Sophie Künkel (CDU) wunderte sich, warum Schweitzer bei einem Treffen mit den Fraktionschefs vor der Gemeindevertretersitzung nicht darüber informierte. „Als ich fragte, ob es Kontakt mit der Firma Kleusberg ­gab, haben Sie das verneint“, sagte Künkel. „Beide Aussagen stimmen“, erwiderte Schweitzer. Das Gespräch mit Kleusberg habe einen Tag nach dem Treffen mit den Fraktionschefs stattgefunden.

Künkel sprach dagegen von ­einer „Frechheit“. Am letzten Arbeitstag vor der Gemeindevertretersitzung habe Schweitzer Kontakt mit der Firma Kleusberg aufgenommen. Sie erwarte­ im Übrigen von einem Bürgermeister, dass er solch wichtige­ Entscheidungen transparent gestalte und die Fraktionschefs zeitnah in Kenntnis setze.

Erich-Otto Pfeiffer (CDU) ging einen Schritt weiter. Der Architekt der Firma Kleusberg habe­ ihn angerufen. „Ich zweifele an, ob es der Wahrheit entspricht, was uns der Bürgermeister sagt.“

von Regina Tauer