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Hinterland Barrierefreie Bushaltestellen in Gladenbach
Landkreis Hinterland Barrierefreie Bushaltestellen in Gladenbach
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18:05 10.01.2021
An der Bushaltestelle „Rauschenbergweg“ in Mornshausen fehlt ein Wetterschutz für wartende Fahrgäste. Ein barrierefreier Ausbau der beiden Haltepunkte links und rechts der Hauptstraße würde rund 245 000 Euro kosten.
An der Bushaltestelle „Rauschenbergweg“ in Mornshausen fehlt ein Wetterschutz für wartende Fahrgäste. Ein barrierefreier Ausbau der beiden Haltepunkte links und rechts der Hauptstraße würde rund 245 000 Euro kosten. Quelle: Michael Tietz
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Gladenbach

Es ist ein Mammutprojekt, das in Gladenbach nur langsam in Fahrt kommt: In einem Jahr sollen die mehr als 30 Bushaltestellen im Stadtgebiet barrierefrei sein. Das schreibt zumindest der Gesetzgeber vor. Bisher liegen allerdings nur eine Bestandsaufnahme und ein Planungsauftrag für den Umbau weniger Haltepunkte vor.

Das novellierte Personenförderungsgesetz gibt das Ziel vor: Bis zum 1. Januar 2022 muss der öffentliche Nahverkehr barrierefrei sein. Das betrifft die Fahrzeuge wie auch die Bushaltestellen. Für Letztere sind die jeweiligen Kommunen zuständig.

Zu einer barrierefreien Haltestelle gehört ein entsprechend hoher Bordstein, der einen stufen- und spaltfreien Einstieg in den Bus ermöglicht. Der Wartebereich muss ebenfalls stufenlos erreichbar sein. Zusätzlich werden „taktile Elemente“ eingebaut. Das sind Bodenplatten mit Rillen- oder Noppenprofilen, mit deren Hilfe sehgeschädigte Menschen sich an der Bordsteinkante orientieren können.

32 Haltestellen und 55 Haltepunkte

Im Gladenbacher Stadtgebiet sind 32 Haltestellen ausgewiesen. Die meisten von ­ihnen fahren die Busse aus zwei Richtungen an – sie haben somit zwei Haltepunkte. Davon gibt es insgesamt 55, von denen wiederum 33 mit kleinen Wartehallen oder einem Wetterschutz ausgestattet sind. Hinzu kommen vier Haltestellen an den Schulen in Gladenbach, Weidenhausen und Mornshausen. Diese befinden sich in der Trägerschaft des Kreises.

Diese Bestandsaufnahme legte Bürgermeister Peter Kremer (parteilos) nun den Gladenbacher Parlamentariern vor. Er reagierte damit auf einen Prüfungsantrag der Fraktionen. Den hatten SPD und Freie Wähler Anfang November initiiert und dafür auch CDU und Grüne mit ins Boot geholt. Die Verwaltung sollte unter anderem vier Haltepunkte in Mornshausen genauer unter die Lupe nehmen. Denn die sind weder barrierefrei ausgebaut, noch verfügen sie über einen Wetterschutz für wartende Fahrgäste.

Bisher entspricht nur eine Handvoll Haltestellen im Stadtgebiet den Anforderungen für einen barrierefreien Ein- und Ausstieg in den Bus. Dazu gehört die Anlage auf dem Würtenberg an der Bundesstraße 255 zwischen Gladenbach und Erdhausen.

Bis zu 70 Prozent sollen über Zuschüsse gedeckt werden

Im städtischen Haushaltsplan 2020 waren 25 000 Euro vorgesehen, um die Planungen für den Umbau weiterer Haltepunkte zu starten. Dies ist auch geschehen.

Die Kommune wählte zunächst fünf Bushaltestellen auf stark frequentierten Routen aus und stellte Förderanträge beim Land Hessen. Bis zu 70 Prozent der Kosten – so das Ziel – sollen über Zuschüsse gedeckt werden. Weitere fünf Anlagen stehen auf der Warteliste. Die Prioritätenliste für den barrierefreien Umbau basiert auf den Fahrgastzahlen. Eine Übersicht mit den Ein- und Ausstiegen pro Tag stellte der Verkehrsverbund zur Verfügung.

Die höchsten Fahrgastzahlen (2 822) entfallen auf den Busbahnhof am Marktplatz. Dessen Modernisierung läuft allerdings über ein gesondertes Projekt. Hinter den beiden Haltestellen an der Europaschule (Rathaus und Berthold-Leinweber-Straße) folgen in der Rangliste die „Mühlstraße“ in Weidenhausen (623), „Lindenstraße“ in Mornshausen (497), „Auf der Bleiche“ in Runzhausen (346), „Herborner Straße“ in Erdhausen (213) und „Petersburg“ in Weidenhausen (197).

Die von den Parlamentariern in ihrem Antrag in den Fokus gerückten Haltestellen „Rauschenbergweg“ und „Zur Hoor“ in Mornshausen – dort stoppen mehrmals täglich die Linien 383 und 39 (Schulbus) – nehmen nur einen Mittelfeldplatz ein. Aufgrund der geringeren Fahrgastzahlen sollen sie nach Auskunft des Bürgermeisters im zweiten Ausbauschritt barrierefrei gestaltet werden.

Eine Kostenschätzung dafür liegt bereits vor. Das Ingenieurbüro Zick-Hessler aus Wettenberg beziffert den Umbau der vier Haltepunkte auf rund 245 000 Euro. Einen Großteil der Ausgaben könnte die Stadt aber über Fördermittel finanzieren.

Mit ihrem Prüfantrag wollten die vier Fraktionen auch in Erfahrung bringen, unter welchen Voraussetzungen an den Haltestellen „Rauschenbergweg“ und „Zur Hoor“ kleine Wartehallen aufgestellt werden können. Dazu gilt nach Auskunft von Kremer der Grundsatz: Der Bürgersteig sollte mindestens 1,5 Meter breit sein. Allerdings seien Fahrgastunterstände ohne Seitenteil ebenfalls förder­fähig.

Die Antragsteller hatten auf eine weitere Schwachstelle am „Rauschenbergweg“ hingewiesen: Zwei rot-weiße Baken erschweren dem aus Richtung Gladenbach kommenden Bus die direkte Anfahrt der Haltebucht. Dazu Bürgermeister Kremer: „Im Zuge des barrierefreien Umbaus wird die Anfahrbarkeit jeder Haltestelle auf Grundlage einer durchgeführten Vermessung überprüft und mit den Beteiligten abgestimmt.“

Auch das Umfeld soll betrachtet werden

Weiterhin plädierten die Parlamentarier dafür, dass im Zuge des barrierefreien Ausbaus auch das unmittelbare Umfeld der Haltestellen näher betrachtet wird. Sprich: Tauchen auf den Wegen weitere Stolperfallen auf?

„Um eine Verbesserung der Laufwegebeziehung zu erreichen, müsste ein Konzept, beziehungsweise eine Planung durchgeführt werden, die diese Beziehungen auch im Hinblick auf Schulweg, Kindergarten und Einkaufsmöglichkeiten beleuchtet“, erklärte der Bürgermeister.

Dies könne von der Verwaltung aber nicht professionell und aussagekräftig geleistet werden. Damit müsste ein Planungsbüro beauftragt werden, so Kremer. Über das Förderprogramm „Nahmobilität – Mobiles Hessen 2030“ könnten möglicherweise aber Zuschüsse fließen.

von Michael Tietz