Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Hinterland Tunnelradweg ist einen Tritt weiter
Landkreis Hinterland Tunnelradweg ist einen Tritt weiter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:00 29.08.2020
Durch den Hartenroder Bahntunnel könnte bald ein Radweg führen. Nun wurde der Vertrag zwischen den Gemeinden Bad Endbach, Siegbach und Hessen Mobil unterzeichnet. Quelle: Regina Tauer
Anzeige
Hartenrod

Drei Unterschriften unter einen Vertrag haben den Radweg-Lückenschluss zwischen Bad Endbach und Siegbach einen großen Schritt nähergebracht. Bad Endbachs Bürgermeister Julian Schweitzer (SPD), sein staatsbeauftragter Siegbacher Amtskollege Eckehard Förster (SPD) und Lars Hartwig von Hessen Mobil in Marburg unterzeichneten die Vereinbarung für den gut sechs Kilometer langen Abschnitt.

Und dabei handelt es sich um keinen gewöhnlichen Radweg. Rund 700 Meter soll die Verbindung durch den alten Hartenroder Bahntunnel führen, in dessen Mitte nicht nur die Grenze zwischen den beiden Gemeinden, sondern auch zwischen dem Landkreis Marburg-Biedenkopf und dem Lahn-Dill-Kreis verläuft.

Anzeige

12 000 Radfahrer sind, so ergab die letzte Zählung, im Jahr auf dem Salzböde-Radweg unterwegs, der durch den Ausbau direkt mit dem Radwegenetz Richtung Herborn verbunden werden soll.

Kommunen müssen Grundstücke kaufen

Der Ausbau könnte die Zahl der Radfahrer deutlich erhöhen, ist Schweitzer überzeugt. Er nannte den Ausbau ein „Leuchtturmprojekt“ auch für den Alltagsverkehr in der Region. Der Radweg schaffe eine Verbindung zwischen dem Aartalsee und Marburg. Der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow sprach von einem „Meilenstein“ für die Mobilitätswende in Marburg-Biedenkopf. Eckehard Förster nannte die Pläne „eine tolle Sache“. Die Nachbarkommunen müssen den Grund, über den die Trasse führt, erwerben, den eigentlichen Radweg bezahlt das Land.

Die Federführung der Planung hat Bad Endbach. „Wir sind noch am Anfang“, betonte Schweitzer. Noch geht es auch darum, Varianten zu prüfen. Die artenschutzrechtliche Untersuchung sei angelaufen, hier sei die Gemeinde in Vorleistung getreten und habe ein entsprechendes Büro beauftragt. Das Thema „Artenschutz“ sei nicht einfach, das Gelände sei teilweise zugewachsen, „die Natur hat sich hier viel zurückgeholt“, so Schweitzer.

Als Trumpfkarte bei der Abwägung in Sachen Artenschutz könnte sich erweisen, dass für die Fledermäuse, die den Tunnel für ihren Winterschlaf entdeckt haben, genau dort ein stabiles Winterquartier geschaffen werden könnte. Denn in den Wintermonaten würde der Bahntunnel mit Toren verschlossen, die Radfahrer müssten dann über eine Behelfsstrecke ausweichen. Weiter in die Zukunft gedacht, könnte das Radwegenetz dann entlang einer reaktivierten Salzbödebahn führen, wagte Schweitzer einen Ausblick. Eine Attraktion für den Radtourismus über die Region hinaus könnte auch darin bestehen, die Viadukte ins Wegenetz einzubeziehen. Die Deutsche Bahn habe Bad Endbach und Siegbach die Brücken sogar schenken wollen, berichtete Schweitzer. Doch diese Verantwortung für die großen Bauwerke wollen die beiden kleinen Gemeinden lieber nicht tragen.

Mobilitätswende im Landkreis bedeute, Lust zu machen aufs Umsteigen, sagte Zachow. Das funktioniere nur, wenn Bahn und Rad miteinander gedacht würden. Dieses Potenzial gebe es noch zwischen Hartenrod und Niederwalgern. Ein paralleler Radweg zur Bahn könne auch als Rettungsweg genutzt werden und daher für die Bahn interessant sein.

Multimobilität ist für Zachow ein Zauberwort, die Verknüpfung der verschiedenen Verkehrswege nach den jeweiligen Bedürfnissen. Er hoffe, dass sich bei der Variantenprüfung das Tunnelkonzept durchsetze. Bahnradwege mit einem Tunnel kämen sehr gut an. Sie seien auch aus denkmalpflegerischen Gesichtspunkten interessant. „Sie machen bewusst, hier war früher etwas, was für die Industrie-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte in der Region wichtig war.“ Dies würde auch durch das Viadukt sinnbildlich gemacht.

Die Idee für diesen Radweg reiche bis in die 1990er-Jahre zurück, erinnerte sich Eugen Reichwein von „Hessen Mobil“. Als Straßenbauer brauche man manchmal einen langen Atem. Das gelte ebenso für Radwege. Vor ein paar Jahren habe sich dann gezeigt, dass jetzt der günstige Zeitpunkt gekommen sei. Thomas Meyer, Radverkehrsplaner beim Landkreis Marburg-Biedenkopf, gehört zu denen, die schon in den 1990ern von einem Radweg durch dieses „topografisch anspruchsvolle Gebiet“ träumten. Der Autor eines Radwanderführers sagt: „Das ist ein Highlight für die Region.“

Von Regina Tauer