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Hinterland Corona-Ausbruch im Altenheim
Landkreis Hinterland Corona-Ausbruch im Altenheim
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16:50 13.01.2021
In einer Pflegeeinrichtung in Bad Endbach wurde eine große Coronatest-Aktion durchgeführt.
In einer Pflegeeinrichtung in Bad Endbach wurde eine große Coronatest-Aktion durchgeführt. Quelle: Themenfoto: Sebastian Gollnow/dpa
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Bad Endbach

Im Alten- und Pflegeheim „Waldesruh“ sollen sich mehrere Mitarbeiter und Bewohner mit dem Coronavirus infiziert haben. Dies bestätigte Heimleiter Wilfried Herbolsheimer auf Anfrage.

Derzeit wartet der Inhaber des Alten- und Pflegeheims auf die Ergebnisse eines Massentests, der vom Gesundheitsamt des Landkreises Marburg-Biedenkopf durchgeführt wurde. Alle rund 60 Bewohner und die 20 Mitarbeiter, die gerade Schicht hatten, ließen sich testen, so Herbolsheimer.

Inzwischen seien laut Herbolsheimer auch alle anderen Mitarbeiter getestet worden. Erst wenn alle Ergebnisse vorliegen, wird das Ausmaß des Corona-Ausbruchs in Bad Endbach sichtbar werden.

Bereits am Montag, 11. Januar, lagen positive PCR-Tests von drei Mitarbeitern und einem Bewohner vor, sagte Herbolsheimer. Die Mitarbeiter hätten sich aufgrund von Symptomen testen lassen und seien urlaubs-, beziehungsweise krankheitsbedingt schon länger nicht im Dienst gewesen. Sie hätten sich wohl bei Angehörigen angesteckt, so Herbolsheimer.

Hinweis kam über umgezogenen Bewohner

Schnelltests unter 20 Mitarbeitern hätten zudem in der vergangenen Woche zwei positive Ergebnisse aufgewiesen, berichtet Herbolsheimer weiter. Weitere Schnelltestergebnisse legten den Verdacht nahe, dass sich auch unter den Bewohnern vier Personen zusätzlich zu dem bereits offiziell bestätigten Fall infiziert hätten. Damit läge die Zahl bei mindestens neun Fällen. Herbolsheimer befürchtet aber, dass es nach Auswertung der vom Gesundheitsamt durchgeführten Massentests „noch mehr werden“.

Dass das Coronavirus das Haus „Waldesruh“ erreicht hat, erfuhr der Pflegeheimbetreiber durch den Anruf einer Pflegeeinrichtung in einem anderen Landkreis. Ein Bewohner des Bad Endbacher Heims sei umgezogen und in seiner neuen Einrichtung positiv auf das Coronavirus getestet worden. Daraufhin habe er gleich das Gesundheitsamt in Marburg benachrichtigt, so Herbolsheimer.

Die Behörde schickte ihr Bundeswehr-Abstrichteam dorthin, um die Tests durchzuführen, bestätigt Kreispressesprecher Sascha Hörmann. Dann besuchte eine Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes das Altenheim „Waldesruh“, um die Heimleitung beim weiteren Vorgehen zu beraten.

Ersatzpersonal schwer zu bekommen

Die Bewohner, deren Schnelltests positiv waren, seien direkt isoliert betreut worden, schildert Herbolsheimer, „die schwierige Frage ist aber, ob wirklich alle Infizierten erfasst wurden“. Herbolsheimer befürchtet auch, dass noch mehr Mitarbeiter unter den insgesamt über 50 Beschäftigten im Pflegebereich betroffen sein könnten. „Die Arbeit muss ja bewältigt werden“, sorgt sich der Heimleiter. Die Aussicht, Pflegekräfte von außen zu bekommen, seien gering. Nachfragen bei Leiharbeiterfirmen hatten bisher keinen Erfolg. „Sie prüfen noch“, macht sich Herbolsheimer wenig Hoffnung.

Dazu kommt, dass vier Pflegekräfte, die auf 450-Euro-Basis im „Waldesruh“, aber auch in anderen Pflegeeinrichtungen tätig sind, bis auf Weiteres nicht mehr kommen könnten. „Deren Arbeitgeber wollen das nicht“, sagt Herbolsheimer.

Hoffnungen, der Landkreis verfüge über eine Liste mit Pflegekräften, auf die zurückgegriffen werden könne, hätten sich nicht erfüllt. Herbolsheimer hofft, dass es nun nicht dazu kommt, mit Corona infizierte Mitarbeiter für die Pflege von infizierten Bewohnern einsetzen zu müssen. Das setze zudem voraus, dass diese Mitarbeiter inzwischen nicht mehr infektiös seien, was nur durch einen Test abgeklärt werden könne.

Schnelltest kamen kurz vor Weihnachten

Der Einsatz dieses Personals sei zudem freiwillig, verweist der Altenheimleiter auf die Hürden, die dieser Notfallmaßnahme vorangestellt sind. Seines Wissens nach habe es solche Notfälle im Landkreis aber bereits gegeben. Aus seiner Sicht sei dies allerdings „das absolute Notfallprogramm“.

Der Einsatz von Schnelltests begann, so Herbolsheimer, im Alten- und Pflegeheim „Waldesruh“ kurz vor Weihnachten. Vorher habe man über keine Tests verfügt. Seither müssen Angehörige, die einen Heimbewohner besuchen wollen, einen solchen Test machen.

Mitarbeiter würden getestet, wenn Symptome auf eine Infektion hindeuteten. Herbolsheimer: „Alle konsequent durchzutesten, das schaffen wir personell nicht.“ Dazu komme, dass die Tests freiwillig sind, niemand könne dazu gezwungen werden.

Von Regina Tauer