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Hinterland Den Bauern ins Gesicht geschaut
Landkreis Hinterland Den Bauern ins Gesicht geschaut
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12:00 29.10.2021
Die Gegenüberstellung zeigt, wie sehr sich die Werke Schellenberg-de Kreijs (rechts) und Lenz (links) ähneln. Beide bannen das bäuerliche Leben auf dem Land für die Nachwelt auf Leinwand.
Die Gegenüberstellung zeigt, wie sehr sich die Werke Schellenberg-de Kreijs (rechts) und Lenz (links) ähneln. Beide bannen das bäuerliche Leben auf dem Land für die Nachwelt auf Leinwand. Quelle: Fotos: Sascha Valentin
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Weidenhausen

Auch wenn sie in verschiedenen Ländern geboren wurden und unterschiedlichen Generationen angehören, verbindet Leny Schellenberg-de Kreij und Karl Lenz doch eine Gemeinsamkeit: ihre Faszination für das dörfliche Leben und die Landschaft.

Davon können sich die Besucher einer Ausstellung im Regionalmuseum „Hinz Hoob“ in Weidenhausen überzeugen. Dort treffen Gemälde der gebürtigen Niederländerin und des Erdhäuser Heimatmalers aufeinander und offenbaren dabei, wie ähnlich sich beide Künstler in Stil und Motivwahl sind.

„Leny könnte die Tochter von Karl Lenz sein“, erinnert sich ihr Ehemann Klaus Schellenberg an seine Eindrücke, als er erstmals die Bilder von Karl Lenz sah. Ihre beider Gemälde griffen das ursprüngliche, mitunter karge, aber dennoch hoffnungsvolle Leben auf dem Land auf und bewahrten durch die Darstellung meist alltäglicher Handlungen und Situationen diesen dörflichen Charme für die Nachwelt.

Zumindest war das eine der großen Triebfedern ihrer Mutter, als sie Ende der 70er Jahre aus den Niederlanden nach Treisbach zog und dort mit der bäuerlichen Kultur in Berührung kam, berichtete die Tochter der Künstlerin. Oft seien sie früher gemeinsam ins Feld gegangen, erzählte Sarah Schellenberg – sie, um Blumen zu sammeln, und ihre Mutter, um den Schäfer bei der Arbeit zu malen. Selbst ihre Schulfreundinnen habe sie immer wieder fragen müssen, ob ihre Mutter nicht deren Großmütter malen dürfe, wenn sie ihre Tracht trugen, erinnerte sich Schellenberg. „Anfangs war mir das unangenehm, aber als ich älter wurde, war ich auch ein wenig stolz darauf“, erzählte sie.

Den Werken ihrer Mutter und von Karl Lenz sei gemein, dass man den Porträtierten die Arbeit im Gesicht und an den Händen ansehe. Es seien eben keine stilisierten, weichgespülten Modellcharaktere, die dort abgebildet seien, sondern Szenen echter Menschen, die direkt aus dem Leben gegriffen seien. Und genau das sehe man den Bildern beider Künstler nicht nur an – es mache auch deren besonderen Reiz aus.

Dem stimmte Bürgermeister Peter Kremer (parteilos) zu, der darauf hinwies, dass Schellenberg-de Kreij die dörfliche Kultur nicht nur auf Leinwand gebannt, sondern auch in zwei Büchern niedergeschrieben hat. Wie sehr sie auch darin mit viel Feingefühl die Begeisterung für das dörfliche Leben spiegelt, machte Kremer mit einigen Zeilen aus „Das Rabenfrauchen“ deutlich. „Wahre Kunst besteht eben darin, im Alltäglichen das Besondere zu sehen“, stellte Anneliese Müller-Ehrlich, Vorsitzende des Heimatvereins, fest.

Künstlerin feiert mit ­Vernissage Geburtstag

Sie freue sich besonders über diese Ausstellung der beiden Heimatmaler, sagte Müller-Ehrlich, „weil Leny Schellenberg-de Kreij und unseren Verein ebenfalls etwas verbindet“. Denn 1992 wurden beide mit dem Otto-Ubbelohde-Preis ausgezeichnet – der höchsten Auszeichnung, die der Landkreis für kulturelles Schaffen vergibt.

Ursprünglich war die Begegnungsausstellung schon für das vergangene Jahr geplant, wie der Vorsitzende der Karl-Lenz-Stiftung Reiner Kegel betonte. „Aus bekannten Gründen musste sie ja leider verschoben werden. Deswegen hoffen wir nun, dass die Kunst ein Stück weit ein Weg zurück zu einer alten Normalität sein möge.“

Bis zum 1. Advent können die Werke beider Künstler im Regionalmuseum betrachtet werden, erklärte Rosemarie Wolny vom Vorstand der Lenz-Stiftung. Das ist immer sonntags zwischen 14 und 17 Uhr oder nach vorheriger Terminvereinbarung möglich.

Schellenberg-de Kreij selbst hielt sich bei der Ausstellungseröffnung weitgehend zurück, zeigte sich gerührt von den Worten der Laudatoren und den Glückwünschen, die unter anderem ihre letzten Malkursschüler sowie das Duo Stefan Küppers und Stefan Haus überbrachten.

Letztere hatten den musikalischen Part der Vernissage übernommen und stimmten zu Ehren der Künstlerin auch ein Ständchen an. Denn just an diesem Tag feierte Leny Schellenberg-de Kreij ihren 81. Geburtstag.

Von Sascha Valentin

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