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Hinterland Aus der Traum vom Traumhaus
Landkreis Hinterland Aus der Traum vom Traumhaus
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00:21 22.11.2018
Familie Ermagan kaufte im Dezember 2014 dieses Grundstück in Wommelshausen, um dort zu bauen. Seitdem häuften sich die Probleme. Quelle: privat
Bad Endbach

Süheyla und ­Habib Ermagan aus Schlierbach wollen, dass ihre beiden Kinder in einem Eigenheim aufwachsen. Die Familie entschied sich für einen Neubau und kaufte im Dezember 2014 ein für sie optimales Grundstück in Wommelshausen. Ermagans wollten alles richtig machen, doch was folgte war

ein Spießrutenlauf. Mehr und mehr Probleme taten sich auf, am Ende sitzen sie auf einem Kostenberg von rund 60 000 Euro, das Eigenheim steht aber noch lange nicht.

Dabei fing alles so gut an. Vor dem Kauf fragte die Familie bei der Gemeindeverwaltung nach, ob sie auf ihrem Traumgrundstück auch bauen dürften. ­Ihnen sei bestätigt worden, dass das etwa 1 500 Quadratmeter große Grundstück Bauland ist, erschlossen sei und sie dort zweigeschossig bauen könnten, sagt Süheyla Ermagan. Später stellte sich heraus, dass die Familie eigentlich eine Wiese gekauft hatte, erschlossen war das Grundstück nicht.

Zudem musste die Familie Altlasten entsorgen. Dazu konnten sie die Kosten etwas drücken, weil ihnen Bekannte beim Entrümpeln halfen. Aber der ­Supergau kam dennoch: Bei der nachträglichen Erschließung stellte die Baufirma fest, dass größere Mengen Altöl den Boden belastet. Das Regierungspräsidium ist eingeschaltet, auf dem Grundstück hatte früher eine Heizölfirma ihre Tanks. Für Familie Ermagan ist klar, eine Bodensanierung ist für sie momentan finanziell nicht leistbar. Aber irgendwann sind sie in der Verantwortung, den belasteten Boden zu entsorgen.

Der damalige Bürgermeister Markus Schäfer bot seine Unterstützung an: Ein Grundstückstausch wurde avisiert. Mehrere Grundstücke wurden als Alternative vorgeschlagen, bei einem in Hartenrod in der Schillerstraße war die Familie Feuer und Flamme – auch wenn es nicht gleichgroß war. Doch auch mit dieser Lösung hatte die Familie kein Glück. Der angestrebte Tausch scheiterte zwei Stunden vor dem Notartermin. Letztlich stimmte auch das Parlament ­gegen den Tausch.

Jetzt beginnt die Fehlersuche. Die Freien Wähler hatten einen Antrag eingebracht, der aufdecken soll, ob die Verwaltung eventuell Fehler gemacht hat. Geprüft wird nun, welcher Sachverhalt der Haftpflichtversicherung übermittelt worden ist und ob es eine Stellungnahme ­dazu gibt. Auch wird geprüft, ob der Landkreis Marburg-Biedenkopf, das Regierungspräsidium sowie der Hessische Städte- und Gemeindebund in den Fall eingebunden waren. Der Akteneinsichtausschuss wird sich mit dem kompletten Schriftverkehr befassen, auch mit dem, der mit Ermagans geführt worden ist.

Familie Ermagan hofft indes darauf, dass am Ende doch alles gut wird. Vom Ergebnis des ­Akteneinsichtsausschusses hängt viel ab: Wird ein Fehler von Seiten der Gemeindeverwaltung offenkundig, könnte sich ihr Traum von Eigenheim noch erfüllen.

von Silke Pfeiffer-Sternke