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20:59 05.04.2021
Mirko Emejdi wird vom 30. August bis 18. September als Vertreter für Deutschland an dem US-Austauschprogramm „International Visitor Leadership Program (IVLP)“ in Washington, D.C. zum Thema Migration teilnehmen. 
Mirko Emejdi wird vom 30. August bis 18. September als Vertreter für Deutschland an dem US-Austauschprogramm „International Visitor Leadership Program (IVLP)“ in Washington, D.C. zum Thema Migration teilnehmen.  Quelle: Foto: Polizeipräsidium Mittelhessen
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Bellnhausen

Was hat Mirko Emejdi mit Joachim Gauck, Christian Wulff, Gerhard Schröder, Richard von Weizsäcker, Willy Brandt, Helmut Schmidt, Kurt Georg Kissinger, Walter Scheel, Tony Blair und Margaret Thatcher gemeinsam? Er wurde ebenso wie die prominenten Politiker vom US-Außenministerium nominiert, um an dem renommiertesten US-amerikanischen Austauschprogramm „International Visitor Leadership Program (IVLP)“ teilzunehmen.

Vom 30. August bis 18. September ist der aus dem Gladenbacher Stadtteil Bellnhausen stammende Mirko Emejdi für drei Wochen zu Gast in den USA, um sich mit anderen Experten zum Thema „Migration“ auszutauschen. In Washington, D.C., werden im Herbst 25 Teilnehmer aus 25 Nationen vom US-Außenministerium und vom US-Bildungsministerium empfangen. Das Programm ist straff. Neben dem Aufenthalt in Washington, D.C., verbunden mit einem Empfang durch Kongressabgeordnete, werden auch andere Städte und Bundesstaaten bereist.

„Das ist positiver Stress“, sagt Emejdi. Dass er für das elitäre Programm ausgewählt wird, damit hatte der Migrationsbeauftragte des Polizeipräsidiums Mittelhessen nicht gerechnet. Er war einer von gut 250 von den US-Generalkonsulaten in Deutschland nominierten Personen zu diesem Thema, der dann final von der US-Botschaft in Berlin für das Programm auserwählt wurde. Somit ist er der offizielle Vertreter der Bundesrepublik Deutschland beim IVLP 2021. Bewerben konnte man sich dafür nicht.

Kurz vor dem ersten Lockdown im März 2020 erhielt Emejdi seine Nominierung per E-Mail vom US-Generalkonsulat in Frankfurt am Main – kürzlich flatterte dann die positive Nachricht von der Hauptnominierung für Deutschland ins Haus.

Mirko Emejdis Kenntnisse sind ein Türöffner

„Das ist etwas ganz Besonderes. Klar habe ich mich gefreut. Ich vertrete nicht nur mein Land, sondern auch meine Behörde und ein stückweit auch meine Hinterländer Heimat“, sagt Emejdi. Das Thema des Austauschs ist dem 37-Jährigen wie auf den Leib geschnitten. Der Polizeibeamte greift auf einen vielfältigen Erfahrungsschatz und 15 Dienstjahre zurück. Bevor Mirko Emejdi seine Stelle als Migrationsbeauftragter im Polizeipräsidium Mittelhessen antrat, arbeitete er bei der Kriminalpolizei. Zu unterschiedlichsten Themen erhielt er als Referent bundesweit Anfragen, beispielsweise von den Stipendiaten der Konrad-Adenauer-Stiftung, der U.S. Army, der Homeland Security, der GSG 9, der Visa-Abteilung des US-Generalkonsulates und dem FBI.

Seit 2019 begleitet er polizeilichen Maßnahmen mit Migrantenbezug. Neben der Beratung hinsichtlich ethnischer, religiöser und kultureller Besonderheiten bei Tatverdächtigen, Opfern und Zeugen vermittelt er auch interkulturelle Kompetenzen nach innen und unterhält sehr gute Netzwerke im Migrations- und Integrationsbereich.

Mit der Flüchtlingswelle von 2015/2016 erweiterte das Polizeipräsidium Mittelhessen die Präventionsarbeit auch auf die Betreuung der ankommenden Flüchtlinge. Emejdis Aufgabe: „Zuhören und ihnen die Angst vor der Polizei nehmen.“ Und er kann gut reden: Muss er auch, denn der 37-Jährige gibt regelmäßig Seminare zum Thema „Migration“. Emejdi versteht sich als Vermittler zwischen den Konfessionen und Ethnien. Sein zurückliegendes Studium der Katholischen Theologie und Geschichte ist für ihn ein wichtiges Hilfsmittel für seine Tätigkeit.

Seine profunden Kenntnisse öffnen ihm Türen – vor allem, weil er sehr gute Kontakte zu Moschee-Gemeinden, zu jüdischen Gemeinden, orthodoxen Kirchengemeinden und diversen Kulturvereinen im Einzugsgebiet des Polizeipräsidiums Mittelhessen pflegt. „Ich verstehe mich als Brücke zwischen der Polizei und der Bevölkerung mit Migrationshintergrund. Für unsere Behörde und die Behördenleitung ist das Thema sehr bedeutsam. Unsere Arbeit erfährt eine enorme Förderung. So konnten wir beispielsweise im Jahr 2019 das 1. Migrationsforum des Polizeipräsidiums Mittelhessen ins Leben rufen. Neben hochkarätigen Referenten empfingen wir beispielsweise auch diverse Behördenleiter, ranghohe Vertreter verschiedenster Konfessionen und mehrere Generalkonsulinnen/Generalkonsuln.“ Aufgrund der Pandemie kam es noch nicht zu einer Neuauflage.

Die Nominierung für das US-Austauschprogramm stuft Emejdi unter „Horizonterweiterung, Selbstreflexion und Sensibilisieren“ ein. Er hofft, in den USA Erfahrungen auszutauschen und vor allem Neues zu lernen.

„Die Ansätze zum Thema Migration in anderen Ländern sind sehr interessant für meine Arbeit. Ich hoffe, ich kann etwas davon mitnehmen“, sagt der 37-Jährige.

Und einen Hang zu den USA hat er ohnehin schon seit Langem. In seiner Garage steht ein Oldtimer: ein amerikanischer Pick-up.

Von Silke Pfeifer-Sternke