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Hinterland Auch in diesem Sommer kein Betrieb
Landkreis Hinterland Auch in diesem Sommer kein Betrieb
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18:00 27.01.2022
Der Sessellift auf der Sackpfeife bei Biedenkopf bleibt auch in diesem Jahr leer. (Archivfoto)
Der Sessellift auf der Sackpfeife bei Biedenkopf bleibt auch in diesem Jahr leer. (Archivfoto) Quelle: Mark Adel
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Biedenkopf

Der Stadt Biedenkopf fehlt das Geld, um den Betrieb im Freizeitzentrum Sackpfeife wiederaufzunehmen. Sommerrodelbahn und Sessellift stehen daher im Sommer 2022 erneut still. Wie Bürgermeister Joachim Thiemig (SPD) berichtet, wäre ein sechsstelliger Betrag nötig – mindestens. Ob die alten Anlagen je wieder laufen werden, kann Thiemig nicht beantworten.

Es wird das dritte Jahr in Folge ohne Sommerbetrieb auf der Sackpfeife. Die Gründe sind die gleichen wie 2021, sagt der Bürgermeister. Die Stadt spüre die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie: Das Parlament hatte Mühe, für 2022 einen ausgeglichenen Haushalt hinzubekommen. „Wir hätten hohe Summen ausgeben müssen. Dafür konnten 2022 keine Gelder zur Verfügung gestellt werden“, erklärt der Bürgermeister über den Betrieb des Freizeitzentrums. Für die Betriebskosten müsste die Stadt über 200 000 Euro einplanen. Zudem wären hohe Investitionen nötig, um Rodelbahn (Baujahr 1980) und Sessellift (Baujahr 1978) fit zu machen.

84 Teile der Rodelbahn sind über 40 Jahre alt

Von den 154 Segmenten der Rodelbahn sind, so hatte Wolfgang Müller, Leiter des städtischen Fachbereichs Freizeit, Erholung und Kultur, schon 2021 erläutert, 84 noch original – also über 40 Jahre alt. Mindestens diese 84 Elemente müssten ersetzt werden. Allein die Materialkosten lägen bei 84.000 Euro.

Vollkommen unkalkulierbar sind laut Müller und Bauamtsleiter Thorsten Schmack die Kosten, die mit der Wiederinbetriebnahme des Sessellifts verbunden wären. Grundsätzlich ist der Lift zwar funktionsfähig: Die Anlage wird gewartet und dabei auch regelmäßig bewegt. Aber um eine Betriebserlaubnis zu bekommen, müsste die Stadt laut Schmack zunächst ein Brandschutzgutachten erstellen und die darin aufgeführten Maßnahmen umsetzen. Zudem müsste der Lift die Jahresprüfung – eine Art TÜV – durchlaufen. Was dabei an Kosten herauskommen würde, wisse er nicht, sagt Müller.

Ausgehend von Problemen hat das Parlament entschieden, dass der Sommerbetrieb im Freizeitzentrum ein weiteres Jahr ruht. Auch der Scooter und die Bungee-Anlage bleiben geschlossen. „Wie schon 2021 bewirtschaften wir aber den Parkplatz und die Wanderwege“, sagt Bürgermeister Thiemig. Auch die Grillplätze werde die Stadt vermieten.

Spielplatz wird neu gestaltet

Immerhin: Es gibt auch eine positive Nachricht. So berichtet der Bürgermeister, dass die Stadt plant, den Kinderspielplatz auf der Sackpfeife neu zu gestalten. Das Projekt, das schon für 2021 vorgesehen war, solle dieses Jahr umgesetzt werden. Ursprünglich waren 25.000 Euro dafür vorgesehen. Dank einer Spende der EAM stehe nun aber ein deutlich höherer Betrag zur Verfügung, freut sich Thiemig. Die genaue Summe könne er im Moment noch nicht nennen. Doch in Planung sei eine „naturverbundene Neugestaltung“ des Spielplatzes, erläutert Bauamtsleiter Schmack. Ziel sei es, den neuen Spielplatz nachhaltig zu gestalten – etwa durch die Verwendung von Naturmaterialien. Die Kinder sollen auf dem neuen Gelände spielerisch die Themen Natur und Energie entdecken können.

Die Fläche des neuen Geländes wird laut Schmack der des jetzigen Spielplatzes entsprechen. „Inhaltlich wird der Spielplatz neu und attraktiver, aber wir dehnen uns flächenmäßig nicht aus.“ Das liege an baurechtlichen Gründen, erklärt der Bauamtsleiter. Denn die Stadt diskutiert zwar seit mehreren Jahren darüber, ein neues Gesamtkonzept für das Freizeitzentrum Sackpfeife zu entwickeln und umzusetzen. Aber da dieser Prozess nach wie vor nicht abgeschlossen ist, hat die Stadt bisher noch keine Bauleitplanung für das künftige Freizeitzentrum auf den Weg gebracht.

Solange aber das Baurecht fehlt, seien Veränderungen im Freizeitzentrum – selbst auf der überschaubaren Spielplatz-Fläche – schwierig. „Wir müssen dazu eine Abstimmung mit der Bauaufsichtsbehörde durchführen“, erläutert Schmack. Wie lange diese dauern wird und wann es dann mit dem Spielplatz tatsächlich losgehen kann, sei offen. „Aber ich habe die große Hoffnung, dass wir das dieses Jahr noch umsetzen können.“

Mit der geplanten Umgestaltung des Spielplatzes, mit der Bewirtschaftung der Wanderwege und Grillplätze und mit den im vorigen Jahr auf der Sackpfeife installierten Waldsofas setzt die Stadt im Moment auf den schrittweisen Ausbau naturnaher Angebote auf der Sackpfeife. „Das liegt im Trend“, sagt der fürs Freizeitzentrum zuständige Fachbereichsleiter Müller, „die Leute wollen ja raus in die Natur“. Für Wanderer, Radfahrer, Spaziergänger und Familien wolle die Stadt die Sackpfeife attraktiver machen.

Weiter kein Pächter für die Gaststätte

Bleibt die Frage, ob und wie es künftig mit der Sommerrodelbahn weitergeht. Die Kosten werden in den kommenden Jahren sicher nicht weniger. Ist es da überhaupt realistisch, dass die Stadt die alte Anlage jemals wieder in Betrieb nehmen wird? Bürgermeister Thiemig will diese Frage im Moment nicht mit Ja, aber eben auch nicht mit Nein beantworten. „Ich bin heute nicht in der Situation, wo ich sagen kann: Das war’s“, sagt er, „aber natürlich spielt die Zeit nicht für uns.“

Zugleich will er aber der „Arbeitsgruppe Sackpfeife“, die das Parlament eingerichtet hat und die schon seit Längerem intern über die Zukunft des Freizeitzentrums diskutiert, nicht vorgreifen. „Wir werden dieses Jahr sehr intensiv in die parlamentarische Beratung gehen, was die konzeptionelle Weiterentwicklung der Sackpfeife betrifft“, kündigt der Bürgermeister an.

Spannend dürften diese Debatten ganz sicher werden. Unter anderem dürfte es um die Frage gehen, ob das vor wenigen Jahren diskutierte Stufenkonzept, das Millionenprojekte wie den Neubau einer Ganzjahresrodelbahn auf der Sackpfeife vorsah, noch zur Debatte steht.

Und auch das Thema Neubau einer Berggaststätte dürfte das Parlament beschäftigen. Nach wie vor gilt: Die Stadt will erst bauen, wenn ein Pächter für die Gaststätte gefunden ist. Letzteres ist in den vergangenen Jahren allerdings nicht gelungen. „Es gibt keinen Pächter“, sagt der Bürgermeister, „wir müssen überlegen, wie man künftig damit umgeht“.

Ein gastronomisches Angebot auf der Sackpfeife hält der Bürgermeister nach wie vor für wichtig. Für den bevorstehenden Sommer hofft er, dass sich zumindest ein vorübergehendes Angebot – etwa ein Imbiss-Wagen – findet. „Wenn es jemanden gäbe, der Interesse hätte, seinen Foodtruck dahinzustellen – bitte bei uns melden“, so Thiemig.

Von Susan Abbe