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Hinterland Lohra ermöglicht Sonnenstrom vom Dach
Landkreis Hinterland Lohra ermöglicht Sonnenstrom vom Dach
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16:58 04.09.2021
Rund 150 Quadratmeter des Daches der Kindertagesstätte Regenbogenfische am Heinrich-Naumann-Weg in Lohra sind mit Fotovoltaikmodulen bedeckt. Zur Einweihung kamen (von links) Bürgermeister Georg Gaul sowie für den Verein Sonneninitiative Volker Klös und Werner Klein, vom Bauamt Steffen Engmann und Investor Helmut Michel.
Rund 150 Quadratmeter des Daches der Kindertagesstätte Regenbogenfische am Heinrich-Naumann-Weg in Lohra sind mit Fotovoltaikmodulen bedeckt. Zur Einweihung kamen (von links) Bürgermeister Georg Gaul sowie für den Verein Sonneninitiative Volker Klös und Werner Klein, vom Bauamt Steffen Engmann und Investor Helmut Michel. Quelle: Sonneninitiative
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Lohra

Wenige Tage nach dem Einweihen der Solaranlagen in der Gemeinde Weimar folgte am Mittwoch der symbolische Akt in Lohra. Dort bestückte der Verein „Sonneninitiative“ die Dächer des Feuerwehrgerätehauses und der Kindertagesstätte mit Fotovoltaikanlagen. Es habe lange gedauert, bis der eingeschlagene Weg zum Ziel führte, sagte Bürgermeister Georg Gaul beim Presse-Termin.

Viele in den Gremien geäußerte Bedenken waren auszuräumen, bevor die Dächer der beiden gemeindlichen Gebäude für das Gewinnen von Strom aus Solarenergie zur Verfügung standen. Nun freue man sich über den Beitrag der Gemeinde zum Klimaschutz, der sie nichts koste, sondern ihr auch noch Vorteile einbringe. Das sind die Einnahmen aus dem Vermieten der Dachfläche sowie der Bezug von preisgünstigem Strom.

Betreuung mehrere Projekte

Zudem ermögliche das Modell des Vereins, Bürger an der Produktion von Solarstrom, an den Gewinnen und auch am Reduzieren von Treibhausgasen zu beteiligen, ergänzt Volker Klös, Geschäftsführer und einer der Vorsitzenden des Marburger Vereins Sonneninitiative. Dieser verhelfe Bürgern zu Eigentum, welches nicht auf dem eigenen Dach stehe. Ein solches Modell der Bürgerbeteiligung sei erst durch den Verein entstanden, blickt Klös zurück.

Im Jahr 2003 gestartet, betreut der Verein bundesweit mittlerweile rund 350 Projekte, ergänzt Jan G. Simon. Für das Aufstellen der Anlagen sucht der Verein Dächer von öffentlichen Gebäuden wie Rathäuser, Sporthallen, Schulen. Ein weiterer Vorteil daran ist, dass der Strom zu günstigen 12 Cent je Kilowattstunde an die kommunalen Abnehmer verkauft werden kann, statt sie für 6 Cent ins Stromnetz einzuspeisen, wodurch beide Seiten profitieren.

Rendite von rund 3 Prozent

Für die Investoren bedeutet das in der Regel eine Rendite von rund 3 Prozent, wobei je nach Projekt auch bis zu 5 Prozent erreicht werden können. Da der Verein die Bürger vor Ort für die Produktion von Solarstrom gewinnen will, ist die Einstiegsschwelle bewusst niedrig gehalten und ab einer Investition von ein Kilowatt Peak für rund 1.000 Euro möglich. Das Kilowatt Peak bezeichnet die mögliche Höchstleistung, in diesem Fall von drei bis vier Modulen.

Der geschäftstätige Verein Sonneninitiative schließt mit den Teilnehmern an den Projekten einen Dienstleistungsvertrag ab, für den 15 Euro je Kilowatt Peak zu entrichten sind. Daraus deckt der Verein seine Verwaltungskosten.

Fördern von Fotovoltaikanlagen

Ergeben sich am Ende eines Jahres Gewinne, so sind diese dem Vereinszweck zuzuführen. Dieser ist als Umwelt- und Klimaschutz durch das Fördern regenerativer Energiegewinnung festgelegt. Neben dem Fördern von Fotovoltaikanlagen als sogenannte Bürgersolarkraftwerke betreibt der Verein auch Öffentlichkeitsarbeit, organisiert Vorträge, Publikationen und Pressearbeit. Außerdem hilft der Verein bei Planung und Betreuung der PV-Anlagen.

Das war auch in Lohra der Fall. Zwei Dächer hätte die Gemeinde noch zur Verfügung, doch weder das des Rathauses noch das des Bauhofes können derzeit aufgrund der Gegebenheiten am Stromnetz der EAM im Ort für die Einspeisung genutzt werden. Um dies möglichst zu ändern, will Bürgermeister Georg Gaul mit Vertretern des Energieversorgers Gespräche aufnehmen.

Bürgersonnenkraftwerke Lohra

Zwei Anlagen mit einer jeweiligen Leistung von 30 Kilowatt Peak haben auf den Dächern des Feuerwehrgerätehauses und der Kindertagesstätte am Heinrich-Naumann-Weg in Lohra ihren Betrieb aufgenommen. Die Fotovoltaik-Module belegen auf jedem Dach eine Fläche von 150 Quadratmetern.

An Jahreserträgen erwarten die Betreiber 26.500 beziehungsweise 27.300 Kilowattstunden, weil das Dach des Feuerwehrgerätehauses etwas günstiger ausgerichtet ist. Die Summe der Erträge entspricht dem angenommenen Jahresverbrauch von 21 Haushalten.

Der durch die Stromgewinnung vermiedene Ausstoß von Treibhausgasen soll bei einer angenommenen Lebensdauer der Module von 30 bis 40 Jahren jährlich 20/21 Tonnen betragen, auf die gesamte Laufzeit angenommen 600 bis 800 respektive 615 bis 820 Tonnen.  

Den Kosten der Anlagen von 32.500 und 35.600 Euro stehen erwartete Stromerträge von jährlich 2.400 bis 2.500 Euro sowie 2 .600 bis 2.700 Euro gegenüber. Auf die gesamte erwartete Lebensdauer der Anlagen ergeben sich Werte von 49.000 bis 73.500 sowie 52.600 bis 79.000 Euro.

Von Gianfranco Fain

02.09.2021
02.09.2021