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Hinterland Kran dient der Gesundheit
Landkreis Hinterland Kran dient der Gesundheit
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13:53 06.10.2021
Roland Taba führt vor, wie er mit dem neuen Kran ein Spannfutter wechselt. Bislang musste er aufwendig in der Öffnung hantieren – diese anstrengende Arbeit übernimmt jetzt die Maschine.
Roland Taba führt vor, wie er mit dem neuen Kran ein Spannfutter wechselt. Bislang musste er aufwendig in der Öffnung hantieren – diese anstrengende Arbeit übernimmt jetzt die Maschine. Quelle: Mark Adel
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Breidenbach

Mehrmals täglich muss Roland Taba die Maschine, an der er arbeitet, umrüsten: Je nach Größe der Bremsscheibe, die bearbeitet wird, muss ein neues Spannfutter eingesetzt werden, auf der die Scheibe sitzt. Eine anstrengende, umständliche und vor allem ungesunde Arbeit. Nun werden er und seine Kollegen bei Buderus Guss entlastet, mit einem deutschlandweit bislang einmaligen Kransystem.

Regelmäßig muss das Spannfutter gewechselt werden – es ist bis zu 195 Kilogramm schwer. Die Maschineneinrichter haben für diese Arbeit kaum Platz. Ein Teil der Kollegen ist schwerbehindert oder gleichgestellt, doch auch für gesunde Arbeiter war diese Tätigkeit eine Belastung. Buderus Guss hat mit Unterstützung des Integrationsfachdiensts einen Spezialkran entwickeln lassen, der die Arbeit künftig erleichtert. Die Kosten belaufen sich auf rund 73 000 Euro, das Integrationsamt hat 47 400 Euro übernommen.

Der Kran erleichtert das Arbeiten, reduziert die Belastung und erhöht die Arbeitssicherheit. „Und der Zeitaufwand liegt nur noch bei 15 statt 20 Minuten je Wechsel“, sagt Rüdiger Mosis, Abteilungsleiter in der mechanischen Bearbeitung.

Wechseln des Spannfutters ist anstrengend

Bernd Hoffmann von der Personalabteilung freut sich nicht nur für Roland Taba, der schon gesundheitliche Folgen der anstrengenden Arbeit beklagt. „Es hilft auch den Kollegen, die noch keine Probleme haben. Das war eine völlig untypische Körperhaltung.“ Das bestätigt Rüdiger Mosis: „Es ist eine einseitige, monotone Arbeit. Zum Teil mussten die Mitarbeiter auf einem Bein stehen.“

Das Problem: Bislang gab es keine Alternative. 2018 entstand deshalb die Idee, nach einer Lösung zu suchen. Im Rahmen des sogenannten betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM) wurde über die schwere Arbeit diskutiert. Im BEM geht es um Zusammenhänge zwischen krankheitsbedingten Fehlzeiten und der Arbeitsbelastung. Schon zuvor war bei Buderus Guss festgestellt worden, dass gerade der Wechsel des Spannfutters anstrengend ist.

Beteiligt an den Gesprächen waren neben der Personalabteilung ein Mitarbeiter, der Betriebsrat, die Schwerbehindertenvertretung, der Werksarzt, das Integrationsamt und der Integrationsfachdienst (IFD).

Der Kran wurde extra entwickelt, ist nun da und kann genutzt werden. „Die Kollegen freuen sich darauf“, sagt Mosis. Zehn Maschineneinrichter und Vorarbeiter werden den neuen, wendigen Kran nutzen. Er wird per Fernsteuerung bedient. Sie müssen nun keine Gewichte der Montage mehr anheben. Die Maschinen laufen im Drei-Schicht-Betrieb.

Möglicherweise profitieren auch andere Eisengießereien von dem Buderus-Engagement. Der Hersteller wolle den Kran nun vermarkten, sagt Bernd Hoffmann. Er rechnet damit, dass auch andere Betriebe Interesse haben. Zwei andere Firmen hatten zuvor die Anfragen von Buderus Guss abgelehnt: Sie hielten die Aufgabe für nicht lösbar. Ein dritter Hersteller sagte schließlich zu. Deshalb dauerte es bis dieses Jahr, dass der Kran entwickelt und ausgeliefert wurde.

Die Zuschüsse des Integrationsamts werden über Abgaben finanziert, die Unternehmen zahlen müssen, die die gesetzliche Schwerbehindertenquote von fünf Prozent nicht erfüllen. Bei Buderus Guss ist der Anteil sogar deutlich höher: 63 Mitarbeiter sind schwerbehindert oder gleichgestellt, das entspricht 10,4 Prozent und liegt damit deutlich über dem geforderten Schnitt. Voraussetzung für die Förderung ist, dass behinderte Menschen mit der Maschine arbeiten.

Integrationsamt und Integrationsfachdienst seien bei den verschiedenen Gesprächen dabei gewesen, berichtet Uwe Zacharias vom IFD. Er gehört zum Verein Arbeit und Bildung in Marburg und arbeitet im Auftrag des Integrationsamts oder von Reha-Trägern wie der gesetzlichen Rentenversicherung. Zacharias begleitet die Buderus-Mitarbeiter schon seit Jahren.

Weil die Kollegen am Standort in Breidenbach und in Biedenkopf-Ludwigshütte eingesetzt werden, hat Buderus gleich zwei der Kräne gekauft.

Von Mark Adel

06.10.2021
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