Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Hinterland Ansturm auf Bauplätze in Weidenhausen bleibt aus
Landkreis Hinterland Ansturm auf Bauplätze in Weidenhausen bleibt aus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:58 07.05.2021
Weidenhausens Ortsvorsteher Markus Wege (links) besuchte am Morgen um 6.45 Uhr die wenigen Bauwilligen, die im Zuge des Windhundverfahrens ein Grundstück ergattern wollten und dafür ihre Campingstühle vor dem Rathaus aufgestellt hatten.
Weidenhausens Ortsvorsteher Markus Wege (links) besuchte am Morgen um 6.45 Uhr die wenigen Bauwilligen, die im Zuge des Windhundverfahrens ein Grundstück ergattern wollten und dafür ihre Campingstühle vor dem Rathaus aufgestellt hatten. Quelle: Michael Tietz
Anzeige
Weidenhausen

Häuslebauer im Wechselbad der Gefühle: Groß war die Freude bei drei Familien, die nach Jahren des Wartens und Suchens endlich einen Bauplatz ergattert haben. Verwundert rieben sie sich aber auch die Augen, warum nur sie allein die mit dem Bewerbungsverfahren verbundenen Mühen auf sich genommen hatten. Der erwartete Ansturm auf die Grundstücke „Im oberen Haumbach“ in Weidenhausen blieb bisher aus.

Die Vergabe der Bauplätze stand unter besonderen Vorzeichen. Im Mai 2020 hatte die Gladenbacher Stadtverordnetenversammlung dafür das Windhundprinzip ausgewählt. Somit galt die Devise: Wer zuerst kommt, erhält den Zuschlag. Als Verkaufsstart legte der Magistrat den 30. April um 9 Uhr fest. Damit waren alle vorher eingegangenen Bewerbungen für eines der 14 zur Verfügung stehenden Grundstücke hinfällig.

Anfängliches Interesse

Die Nachfrage war anfangs groß: Mehr als 60 Bürger hatten gegenüber der Stadt ihr Interesse an einem Bauplatz bekundet. Sie bekamen in der letzten April-Woche noch einmal Post. Darin informierte die Kommune über den Ablauf des Vergabeverfahrens und machte insbesondere auf die „Warte-Etikette“ aufmerksam.

Aufgrund der Corona-Pandemie galten besondere Verhaltensregeln. Kaufinteressenten durften nicht schon am Abend vor dem Verkaufsstart ihre Campingstühle vor dem Rathaus aufstellen und sich damit einen vorderen Platz in der Warteschlange sichern. Genau dies war im Vorjahr im Zuge des Windhundverfahrens für die Baugrundstücke in der Niemczastraße in Gladenbach passiert.

Der Platz an der Sonne

Zehn auf dem Parkplatz eingezeichnete Wartezonen gab es für die Bauwilligen. Diese durften allerdings erst am Freitagmorgen um 5 Uhr – nach Ende der Ausgangssperre – aufgesucht werden. Eine Familie sicherte sich pünktlich den „Platz an der Sonne“.

„Endlich am Ziel – meine Eltern haben sich bereits vor fünf Jahren für einen Bauplatz beworben“, berichtete der Weidenhäuser. Zu der Freude, in vier Stunden als erster der Wartenden ein Grundstück auswählen zu dürfen, gesellten sich anfangs aber auch leichte Zweifel. „Wir haben gegrübelt, ob wir uns nicht vielleicht im Datum geirrt haben“, sagte der Weidenhäuser beim Blick auf die sonst verwaisten Wartezonen.

Trocken und kein kühler Wind

Um 5.18 Uhr gesellte sich der zweite Bauwillige hinzu. Auch er wunderte sich über den leeren Parkplatz: „Wo sind denn alle? Ich habe mit einem Ansturm gerechnet.“ Zustimmendes Kopfnicken beim Gegenüber. Weitere 17 Minuten später war dann die dritte Wartezone besetzt. Länger wurde die „Schlange“ an diesem Morgen nicht.

Mit Decken, wärmendem Schlafsack und Getränken machten es sich die Frühaufsteher in ihren mitgebrachten Campingstühlen gemütlich. Dass das Thermometer nur fünf Grad anzeigte, störte niemanden. „Hauptsache trocken und kein kühler Wind“, stellte die Gruppe zufrieden fest.

Schnelle Entscheidungen

Langeweile kam nicht auf. Die angehenden Häuslebauer tauschten sich über die derzeit in die Höhe schießenden Baupreise sowie auch über die Vor- und Nachteile eines Fertighauses aus. Sogar ein Hobby einte die Männer: das Motorradfahren. Fortan drehten sich die Gespräche um Schräglage, Beschleunigung und Sicherheitstraining. „Der neue Nachbar steht schon neben mir – er ist auch Motorradfahrer, das passt!“, berichtete ein Kaufinteressent seiner Liebsten per Telefon.

Bei der Suche nach dem geeigneten Bauplatz waren sich die drei Familien ebenfalls schnell einig. Sie wählten drei nebeneinanderliegende Grundstücke an der Nordseite des Baugebiets aus. Da wunderte es nicht, dass sogar schon erste Ideen für ein gemeinsames Straßenfest gesammelt wurden.

Überraschender Besuch

„Auf gute Nachbarschaft“ wünschte auch Weidenhausens Ortsvorsteher Markus Wege den drei Wartenden, als er sie um 6.45 Uhr mit einem Kurzbesuch überraschte. Die nahmen das geringe Interesse an den Bauplätzen mittlerweile mit Humor: „Vielleicht macht uns die Stadt ja gleich ein tolles Angebot: Nimm drei, zahle zwei“, scherzte ein Noch-Marburger.

In zwei Wochen sollen die Kaufinteressenten die endgültige Zusage für ihre Grundstücke bekommen. Dazu ist noch ein Beschluss des Magistrats notwendig. Dieser dürfte reine Formsache sein. Zwei weitere Bürger erkundigten sich an diesem Vormittag noch nach Bauplätzen, gaben aber bisher noch kein Kaufangebot ab.

Infos auch digital

„Überrascht hat mich das geringe Interesse schon. Aber ich bin auch froh, dass alles in geregelten Bahnen abgelaufen ist“, sagte Gladenbachs Bürgermeister Peter Kremer (parteilos). Die Stadt will in den nächsten Tagen die noch nicht vergebenen Grundstücke über ihre Homepage anpreisen.

Von Michael Tietz