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Hinterland Streit unter Autofahrern eskaliert
Landkreis Hinterland Streit unter Autofahrern eskaliert
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18:00 05.09.2019
Ein 37-jähriger Mann muss sich vor Gericht verantworten. Er soll nach einem verbalen Streit einen anderen Mann mit seinem Auto mitgeschleift haben.  Quelle: Thorsten Richter
Biedenkopf

Der Prozess wegen Körperverletzung wird ausgesetzt, bis ein Zivilprozess zwischen beiden abgeschlossen ist. Das war das Ergebnis der Besprechung zwischen Richter Dr. Mirko Schulte, Oberamtsanwältin Tina Grün von der Staatsanwaltschaft Marburg, dem Verteidiger des Angeklagten, Thomas Strecker, sowie dem Anwalt des Nebenklägers, Jörg Wildemann.

Wie aus der Anklageschrift deutlich wurde, soll der 37-jährige Angeklagte nach einem zunächst verbal ausgetragenen Streit über das gegenseitige Fahrverhalten im Dautphetaler Ortsteil Damshausen den Geschädigten zunächst als „dreckigen Ausländer“ und „Hurensohn“ beleidigt und ihn dann mit seinem Fahrzeug, an das der Geschädigte sich – nach weiteren verbalen Auseinandersetzungen mit dem Angeklagten – klammerte, etwa 50 Meter bei einer Geschwindigkeit von Tempo 40 mitgeschleift haben. Der Geschädigte erlitt dabei Schürfwunden und Prellungen.

Laut Anklage war damit der Tatbestand eines gefährlichen Eingriffes in den Straßenverkehr und der körperlichen Misshandlung erfüllt. Strittig waren die Angaben über die Wegstrecke des Mitschleifens. Der Angeklagte sprach von etwa vier bis fünf Metern bei einer Geschwindigkeit von etwa zehn Kilometern pro Stunde.

Geschädigter nahm die Entschuldigung an

Auf die eklatanten Widersprüche bei den Aussagen der Beteiligten – da war von bis zu 100 Meter des Mitschleifens die Rede – und der Zeugen bei deren Einlassungen bei der Polizei, hatte Richter Schulte schon bei der Zeugenbelehrung hingewiesen. Diesen Sachverhalt nahm der Amtsgerichtsdirektor zum Anlass, in Form eines Rechtsgespräches mit der Vertreterin der Staatsanwaltschaft sowie den beiden Anwälte eine Verfahrensverständigung anzustreben.

Nach mehrmaliger Unterbrechung und Gesprächen zwischen dem Angeklagten und seinem Anwalt fand sich eine Lösung, der alle Seiten zustimmten. Diese sieht eine Aussetzung des Verfahrens vor, bis eine Einigung im Zivilverfahren erfolgt ist. Ferner war der Angeklagte bereit, sich bei dem Geschädigten zu entschuldigen, was er noch im Gerichtssaal mit emotionalen Worten tat.

Der Geschädigte und Nebenkläger nahm die Entschuldigung an. Im Zivilverfahren soll der Angeklagte dem Geschädigten ein Schmerzensgeld in Höhe von 2.000 Euro zahlen. Danach könnte das Strafverfahren wieder aufgenommen und mit einem Strafbefehl abschließend geahndet werden. Dann würde ein Fahrverbot von zwei Monaten, eine Geldstrafe­ von maximal 100 Tagessätzen zu je 45 Euro zum Tragen kommen.

Besonders das zweimonatige Fahrverbot war für den als Busfahrer tätigen Angeklagten noch das kleinere Übel. Schließlich wäre sogar ein kompletter Entzug der Fahrerlaubnis möglich gewesen. Doch es wurden die Entschuldigung des Angeklagten sowie das Fehlen von Einträgen im Bundeszentralregister positiv bewertet.

von Erich Frankenberg