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Hinterland Gericht gibt 20-jährigem Einbrecher eine Chance
Landkreis Hinterland Gericht gibt 20-jährigem Einbrecher eine Chance
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17:00 24.05.2020
Ein 20-jähriger Hinterländer stand in Marburg wegen Einbruchs vor Gericht. Quelle: Tobias Hirsch
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Marburg

Zuvor sprach das Jugendschöffengericht unter dem Vorsitz von Richter Thomas Rohner den Angeklagten aller Taten – vorwiegend Einbruchdiebstähle und auch Autofahrten ohne Führerschein – schuldig, die er im Alter von 19 Jahren beging.

Zu seinen Gunsten wertete das Gericht, dass der Angeklagte alle fünf Einbruchdiebstähle ebenso gestand wie die nicht angeklagten Fahrten ohne Fahrerlaubnis. Zudem zeigte die Untersuchungshaft, in der der junge Mann wegen eines verpassten Termins saß, offenbar Wirkung.

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Der 20-Jährige erklärte, seine Taten zu bereuen, seine Vergangenheit hinter sich lassen zu wollen und freiwillig eine Drogentherapie zu beginnen. Als Ziele nannte er, mit seiner Verlobten leben zu wollen, eine Arbeit aufzunehmen und möglichst eine Ausbildung zu beginnen sowie alle Auflagen zu erfüllen.

Ein Vertreter der Jugendgerichtshilfe berichtete von einer nicht behüteten Kindheit, von dadurch verursachten „erheblichen Entwicklungsverzögerungen“ und Obdachlosigkeit sowie Alkohol- und Drogenkonsum. Der Angeklagte müsse lernen, sich um seine Angelegenheiten zu kümmern und nicht die Schuld bei anderen zu suchen, meint der Jugendhelfer und verdeutlichte dies mit „Jetzt oder nie“.

Angesichts dessen, dass der 20-Jährige keine hoch kriminellen Taten beging und es durchaus eine Perspektive gebe, nutzte die Jugendstrafkammer eine Besonderheit des Jugendstrafrechts, stellte die Schuld fest, sah aber noch von einer Jugendstrafe ab.

Diese Art einer Vorbewährung gelte für zwei Jahre, erläuterte Richter Rohner dem Angeklagten. Erfülle dieser alle Auflagen und werde nicht erneut straffällig, sei die Sache für ihn erledigt; wenn nicht, werde das Gericht über eine Bestrafung entscheiden.

An Auflagen folgte das Gericht den Forderungen von Staatsanwältin Lena Löwer und Verteidiger Gerhard Rohm: Der 20-Jährige muss sich um seinen schulischen und beruflichen Werdegang kümmern, mindestens fünf Gespräche mit Drogenberatern führen und innerhalb von 6 Monaten 50 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und wird einem Bewährungshelfer unterstellt.

Angeklagter gesteht mehrere Einbrüche im Hinterland

Der Angeklagte gestand, von Oktober bis November 2018 mit einem Freund Einbrüche begangen zu haben. In der Steffenberger Hinterlandschule erbeuteten sie einen Laptop, 20 Euro und Briefmarken im Wert von 70 Euro.

Aus dem Bürgerhaus in Niedereisenhausen entwendeten sie eine Geldkassette mit 100 Euro. Aus einem Friseursalon und einer Gartenlaube in der Gemeinde Steffenberg nahmen sie jeweils 250 Euro mit, in der benachbarten Gemeinde Angelburg stahlen sie aus einem Wohnmobil Schmuck, der 3 000 Euro wert sein sollte. Einen Einbruch in die Mittelpunktschule Dautphetal brachen sie ab und flohen ohne Beute, weil Polizisten eintrafen. Nach Dautphe gelangten sie mit einem gestohlenen Auto, dessen Schlüssel steckte. Der 20-Jährige schränkte ein, den Computer und die Briefmarken könne sein Mittäter genommen haben. Bei diesem fanden die Polizisten den Autoschlüssel.

Er habe das Fahrzeug nicht behalten wollen, beteuerte der Hinterländer, brauchte es, um von „A nach B“ zu kommen. Das glaubten ihm die Staatsanwältin und das Gericht, erweiterten die Anklage aber um das Fahren ohne Fahrerlaubnis. Das Urteil ist rechtskräftig.

von Gianfranco Fain

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