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Hinterland Landwirt vernachlässigt seine Kühe
Landkreis Hinterland Landwirt vernachlässigt seine Kühe
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10:00 26.10.2020
Weil unter seiner Aufsicht mehrfach Kühe gestorben sind, wurde der Landwirt nun erneut verurteilt. Quelle: Lukas Schulze/dpa
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Biedenkopf

Das Amtsgericht Biedenkopf hat gegen einen 70-jährigen Landwirt aus einem Breidenbacher Ortsteil ein dreijähriges Tierhalteverbot verhängt. Bereits vor vier Jahren soll der Mann eine seiner Kühe so sehr vernachlässigt haben, dass das Tier schließlich eingeschläfert werden musste.

Wahrscheinlich war die Kuh ohnehin krank und wäre gestorben, das änderte letztlich nichts an dem Urteil gegen den Mann, der neben dem Tierhalteverbot auch zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Diese ist auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

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In der Beweisaufnahme ging es zunächst um diesen Fall: Obwohl es der betroffenen Kuh sichtbar schlecht ging und sie sogar dauerhaft gelegen habe, habe der Mann nichts dagegen unternommen – nicht einmal den Tierarzt verständigt. Der hatte das Tier das letzte Mal drei Monate zuvor gesehen, als er zufällig auf dem Hof war, um eine andere Kuh zu versorgen.

Das Tier soll über Monate gelitten haben

Nach Aussage des Angeklagten habe der Arzt dabei festgestellt, dass die Kuh im fünften bis sechsten Monat tragend war. Da sie aber auch unter Durchfall litt, vermutete der Arzt zudem eine Paratuberkulose – eine Erkrankung, die bei Rindern zwangsläufig zum Tod führt, wie in der Verhandlung ein Sachverständiger betonte.

Der Angeklagte gab an, dass der Tierarzt ihm geraten habe, die Kuh weiter zu füttern und zu versorgen, um wenigstens das Kälbchen zu retten. Das hatte der Anwalt des Mannes auch als Begründung für das Verhalten seines Mandanten angeführt.

Der Sachverständige wiederum bezweifelte, dass dieses Vorgehen zum Erfolg geführt hätte. Selbst wenn das Kälbchen hätte gerettet werden können, hätte es ebenfalls die Krankheit gehabt und nur wenige Jahre überlebt. Für den Zustand des geschwächten Tieres führte der Sachverständige zwei Möglichkeiten an: Eine Unterversorgung mit Futter und die Krankheit. Beides müsse das Tier über mindestens zwei bis drei Monate erlitten haben.

Das alles und die Vorgeschichte des Angeklagten führe dazu, dass in diesem Falle keine Geldstrafe mehr infrage komme, so die Staatsanwältin, die sich auch auf die Aussagen eines Mitarbeiters des Kreisveterinäramtes stützte. „Er ist kein unbeschriebenes Blatt“, hatte der über den Mann aus einem Breidenbacher Ortsteil gesagt, der in den vergangenen 20 Jahren immer wieder ins Blickfeld der Behörde geraten war. Teilweise hätten Schutzunterstände für die Tiere gefehlt, mal sei zu wenig Futter da gewesen oder ein trockener Ablageplatz habe gefehlt.

Veterinäramt ist bereits mehrfach eingeschritten

Deswegen waren immer wieder Anordnungen erlassen worden, die Missstände zu beheben und teilweise auch Bußgelder gegen den Landwirt verhängt worden. Zudem hatte es 2011 bereits ein Verfahren in einem nahezu identischen Fall gegen den Mann gegeben. Auch damals hatte er es unterlassen, einer erkrankten Kuh zu helfen, die daraufhin gestorben ist. Das Gericht verurteilte den Hinterländer damals zu einer Geldstrafe von 2 700 Euro. Leider scheine der Angeklagte darauf nicht zu reagieren, betonte die Staatsanwältin, weswegen sie in dieser Verhandlung sogar eine Freiheitsstrafe von neun Monaten forderte.

Der Anwalt des Angeklagten beantragte daraufhin, den Tierarzt seines Mandanten als Zeugen zu laden. Das war eigentlich bereits für diese Verhandlung vorgesehen, doch musste der Tierarzt kurzfristig absagen.

Der Antrag wurde von Richterin Maja Schlenzig aber mit dem Hinweis abgelehnt, dass der Tierarzt keinerlei für den Fall zweckdienliche Erkenntnisse erbringen könne, da er die Kuh lediglich im März und dann wieder am Tag ihrer Einschläferung Ende Juni gesehen habe.

Ebenso scheiterte der Antrag des Anwalts auf einen Freispruch seines Mandanten und gegen das Tierhalteverbot. Vor allem Letzteres würde dazu führen, dass der Mann zu einem Sozialfall würde, weil ihm nur noch seine Rente bleibe.

Dem wollte Richterin Maja Schlenzig jedoch nicht folgen. Sie stellte klar, dass es letztlich egal sei, woran die Kuh gestorben ist – ob an einer Erkrankung oder Futtermangel. Ausschlaggebend ist, dass das Tier Schmerzen gehabt und der Angeklagte es unterlassen habe, ihr zeitnah zu helfen.

von Sascha Valentin