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Hinterland Onkel soll 16-Jährige mit Drogen versorgt haben
Landkreis Hinterland Onkel soll 16-Jährige mit Drogen versorgt haben
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08:00 07.09.2018
Symbolfoto: Gericht Marburg. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Laut Anklage hat der 39-Jährige der Jugendlichen von Frühjahr bis Dezember 2017 fünfmal die Droge für den unmittelbaren Verbrauch überlassen. Er bestreitet das, die heute 16-Jährige bekräftigte am Montag vor Gericht den gemeinsamen Konsum. „Ich bin bestimmt kein Kind von Traurigkeit“, sagte der 39-Jährige im Hinblick auf seine Vergangenheit, aber seit etwa zehn Jahren habe er mit Drogen nichts mehr zu tun.

Warum er jetzt auf der Anklagebank sitze, dafür habe er keine Erklärung. Wohl habe er zugetragen bekommen, dass seine Nichte­ in der Schule erzähle, dass er ihr Cannabis gebe. Als er sie jedoch darauf ansprach, hätte sie zugegeben, sich das ausgedacht zu haben.

Das Mädchen, das etwa ein halbes Jahr im selben Haus wie sie und ihr Sohn wohnte, hätte auch ihnen gegenüber zugegeben, sich nur profilieren zu wollen, sagte deren Mutter und eine weitere Hausbewohnerin aus. Der Vorsitzende Richter Dominik Best merkte dazu an, dass alle drei Gesprächsschilderungen unterschiedliche Angaben darüber enthielten, wer tatsächlich jeweils dabei war.

Einen Widerspruch sah auch Staatsanwalt Sebastian Brieden. Behauptete der Angeklagte, dem Mädchen einmal eine geringe Menge Drogen weggenommen und das seiner Mutter erzählt zu haben, konnte diese sich nicht mehr daran erinnern. „Das verwundert schon, weil sie sich gleichzeitig so vehement gegen Drogenkonsum aussprechen“, sagte der Staatsanwalt.

Gab es Rezept für cannabishaltige Medikamente?

Widerspruch gab es auch in den Angaben der Belastungszeugen. Sprach die Nichte davon, der Angeklagte bewahrte­ die Drogen in einer Holzkiste auf, erzählte eine Freundin, die einmal dabei gewesen sein will, von einem „silbernen Kästchen.

Ins Rollen gekommen sei die Sache, als die Polizei in einer Gladenbacher Schule wegen Drogenhandels ermittelte, berichtete ein Kriminalpolizist. Ein Cousin habe da von Aussagen des Mädchens berichtet. Der 15-Jährige bestätigte dies vor Gericht. Eine Wohnungsdurchsuchung bei seinem ­Onkel blieb erfolglos.

Die Nichte und ihre Freundin berichteten jedoch, der Mann habe ihnen gesagt, er habe wegen einer schweren Krankheit eine ärztliche Bescheinigung, die Droge konsumieren zu dürfen. Der bestritt dies, es habe zwar im Raum gestanden, ihm cannabishaltige Medikamente­ zu verschreiben, er habe das ­jedoch abgelehnt. Seine behandelnden Ärzte entband er von der Schweigepflicht.

von Heiko Krause