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Hinterland Süß und flauschig, aber keine Kuscheltiere
Landkreis Hinterland Süß und flauschig, aber keine Kuscheltiere
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11:58 13.04.2021
Sind sie nicht putzig? Aber Vorsicht, Alpakas können auch spucken. „Aber meistens spucken sie nur ihre Artgenossen an“, sagt Sina Burk.
Sind sie nicht putzig? Aber Vorsicht, Alpakas können auch spucken. „Aber meistens spucken sie nur ihre Artgenossen an“, sagt Sina Burk. Quelle: Fotos: Nadine Weigel
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Herzhausen

Fernando knutscht gern. Sina hat es ihm beigebracht. Fernando ist nicht nur ein Küsschen-gebendes Alpaka, sondern vielleicht auch bald Social-Media-Star. Seine Besitzerin Sina Burk hat jüngst beim Radiosender Planet Radio eine Abstimmung gewonnen, die Fernando zum neuen „Petfluencer“ – also einem tierischen Influencer – machen soll.

„Wir haben ein Fotoshooting gewonnen und haben Tipps bekommen, wie wir unseren Instagram-Kanal pushen“, freut sich Sina. So richtig medial durchgestartet sind sie allerdings noch nicht, 160 Abonnenten hat ihr Account.

Ausbildung zur Alpaka-Therapeutin

Aber darauf kommt es Sina auch nicht an. Sie hat wichtigere Ziele mit Fernando und Alfonso, ihrem anderen Alpaka. Die 23- Jährige macht gerade eine Ausbildung zur Alpaka-Therapeutin. Denn sie weiß, welch emotional stabilisierende Wirkung die flauschigen Vierbeiner aus den Anden haben. „Wenn ich mal einen schlechten Tag habe und negativ drauf bin, komm’ ich einfach her und dann geht’s mir wieder gut. Bei den Tieren schöpfe ich neue Lebenskraft“, sagt sie und lacht.

Die Alpakas von Sina und Lea Burk aus Herzhausen im Hinterland. Quelle: Nadine Weigel

Und deshalb will sie lernen, wie man Alpakas in der Therapie einsetzen kann. „Alpakas spiegeln den Menschen“, erklärt Sina. „Wenn man eher ein ängstlicher Typ ist, wird auch das Alpaka eher zurückhaltend sein. Ist man selbstbewusst, läuft das Alpaka zügig neben einem her.“

Das „Keinhornland“

Seit September halten Sina und ihre Schwester Lea mit Leas Freund Benedict Hartmann eine ganze Herde Alpakas in Dautphetal Herzhausen. „Dafür ist mein Freund verantwortlich, der fand Alpakas schon immer toll. Als ich ihm dann mal eine Alpaka-Wanderung in der Rhön geschenkt habe, haben wir uns beide in die Tiere verliebt“, erinnert sich Lea.

Und deshalb bewohnt seit vergangenen Herbst eine Alpaka-Herde das „Keinhornland“, wie Benedict und Lea ihren kürzlich gekauften Hof genannt haben. Eigentlich wollten sie auch schon Alpaka-Wanderungen anbieten, aber Corona hat den tierischen Unternehmergeist ausgebremst. „Wir hoffen, dass die Pandemie bald vorüber ist und wir dann durchstarten können“, so Lea.

Die Alpakas von Sina und Lea Burk aus Herzhausen im Hinterland. Quelle: Nadine Weigel

Bis es aber soweit ist, ist noch eine Menge zu tun. Denn im Keinhornland sollen noch rund 30 Pferde einziehen. Unermüdlich ist Benedict damit beschäftigt, den Hof in einen Aktivstall umzubauen, der am 3. Juli eröffnen soll. Den beiden Burk-Schwestern wird auch nicht langweilig. Sie arbeiten beide bei BG-Bau, der Firma ihres Vaters, und Lea studiert nebenher.

Dennoch bleibt genügend Zeit für die Alpakas. Erst vergangene Woche haben sie gelernt, wie man die Tiere schert. Das sollte gekonnt sein, denn das Fell der Andentiere ist ganz besonders. „Es ist keine Wolle, sondern Vlies“, erklärt Lea und wühlt mit ihren Fingern durch die dicke Matte auf dem Rücken eines Alpakas.

Burk: „Alpakas sind keine Kuscheltiere!“

Unten drunter sehen die Fasern aus wie ganz feine Löckchen. „Je lockiger das Vlies, desto höher die Qualität“, erklärt Lea und ergänzt, dass das Vlies thermoregulierend sei. Aus dem nun gewonnenen Vlies der geschorenen Tiere wollen die Schwester Decken machen.

Die Alpakas von Sina und Lea Burk aus Herzhausen im Hinterland. Quelle: Nadine Weigel

So flauschig und süß Alpakas auch sein mögen. „Kuscheltiere sind es nicht“, betont Sina. „Da sollte man sich lieber einen Hund kaufen.“ Alpakas müssen artgerecht in einer Herde gehalten werden – mit viel Auslauf. Aber in den hügeligen Weiten des Hinterlands sieht es ja fast ein bisschen so aus wie in den Anden.

Von Nadine Weigel