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Hinterland Fußballer hoffen auf Finanzspritze
Landkreis Hinterland Fußballer hoffen auf Finanzspritze
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09:57 26.05.2020
Die beiden SSV-Vorstandsmitglieder Hermann Koch (links) und Herbert Scheld (rechts) sowie SPD-Fraktionsvorsitzender Robby Jahnke zeigen: Die ersten Elemente des 370 Meter langen Zauns um den Sportplatz in Sinkershausen stehen. Quelle: Michael Tietz
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Sinkershausen

Eine Wildschwein-Attacke zwingt die Fußballer des SSV Allna-Ohetal zum wohl größten Kraftakt in ihrer 100-jährigen Vereinsgeschichte.

1.500 Arbeitsstunden haben die ehrenamtlichen Bauhelfer bereits geleistet, um die Sportplätze in Sinkershausen und Runzhausen wieder in Schuss zu bringen.

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Nun fehlt allerdings Geld für einen erfolgreichen Abschluss des Projekts. Deshalb stellt der Sportverein einen weiteren Zuschussantrag bei der Stadt.

In der Nacht zum 1. Dezember 2018 verwüsteten Wildschweine den Rasenplatz in Sinkershausen. „Wir waren am Boden zerstört“, erinnert sich Hermann Koch, seit 1995 SSV-Vorsitzender. Wenige Tage nach dem Vorfall setzte sich das Führungsgremium des Fußball-B-Ligisten mit Vertretern aus Politik und Sportverbänden an einen Tisch, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

„Der Platz war nicht mehr reparabel, wir mussten ihn komplett neu aufbauen“, erzählt Koch. Den Finanzierungsplan erstellte der Vorstand und brachte im Januar 2019 die Förderanträge auf den Weg. Die Fußballfreunde kalkulierten mit Gesamtkosten von 188.000 Euro.

Helfer verlegten 1.100 Meter Drainagerohre

Im August 2019 erhielt der SSV die vorläufige Baugenehmigung, einen Monat später den Bewilligungsbescheid des Landes. Die Vereinsführung stimmte mit der beauftragten Firma Hinterlang ab, welche Arbeiten das ehrenamtliche SSV-Bauteam übernehmen kann. „Damit die Kosten nicht ausufern“, betont der Vorsitzende.

So wurde zunächst der Oberboden des zerstörten Rasenplatzes abgetragen. Anschließend verlegten die Helfer 1.100 Meter Drainagerohre. Parallel dazu tat sich eine weitere Baustelle auf. Der SSV musste auch den Hartplatz in Runzhausen in Schuss bringen. „Nur so konnten wir den Fortbestand des Vereins sichern“, sagt Koch.

Auf dem sonst nur fürs Training genutzten Platz trugen die Blau-Weißen fortan ihre Heimspiele aus. Fast 17.400 Euro waren nötig, um das Gelände herzurichten. Unter anderem mussten 550 Tonnen schwarzer Sand aufgetragen und gewalzt werden.

Nun braucht der Rasen Regen

Die Arbeiten am 1974 eingeweihten Rasenplatz in Sinkershausen – dem ersten seiner Art im Gladenbacher Stadtgebiet – standen unter keinem guten Stern. „Brütende Hitze, dann Dauerregen zum ungünstigsten Zeitpunkt und nun noch Corona“, fasst Vorstandsmitglied Herbert Scheld zusammen. Weil im Herbst nach Regenfällen keine Baufahrzeuge mehr auf dem aufgeweichten Platz rollen konnten, verschob das Bauteam die Restarbeiten an der Drainage auf das Frühjahr.

Mittlerweile ist der Unterbau fertig. Vor gut 14 Tagen wurde der Rasen gesät. „Nun warten wir auf Regen“, so Koch. Der Sportverein braucht täglich 30 Kubikmeter Wasser, um den Rasen zu berieseln.

Die ersten 20 Meter des 370 Meter langen Zaunes rund um den Sportplatz sind ebenfalls installiert. Der soll eine weitere Wildschwein-Attacke verhindern. Ein provisorischer Bauzaun dient derzeit als Schutz. 1.500 Arbeitsstunden investierten die Mitglieder und Freunde des SSV bisher in ihr Sportplatzprojekt. Knapp 700 Stunden werden noch folgen.

Zisterne soll Bewässerungskosten senken

Ihr erstes Heimspiel werden die Blau-Weißen wohl erst im nächsten Jahr auf dort austragen können. Bis dahin, so hoffen die Verantwortlichen, ist auch die Finanzierungslücke von 27.000 Euro geschlossen. „Im Laufe der Bauphase kamen leider Kosten hinzu, mit denen wir vorher nicht gerechnet hatten“, erklärt Koch. Die einbetonierten Tore konnten nicht mehr verwendet werden – zwei neue Tore für 3.400 Euro müssen her.

Zwei Fangnetze für 5.900 Euro zum Schutz der umliegenden Gebäude und des Parkplatzes werden ebenfalls gebraucht. Ein 330 Meter langer Handlauf (Kosten: 8.100 Euro) dient künftig als Abtrennung zwischen Zuschauer und Spieler. Außerdem wurde eine zwölf Kubikmeter fassende Zisterne (5.600 Euro) gebaut. Damit kann der Verein die Ausgaben für die Bewässerung des Platzes senken.

SSV-Verantwortliche fordern Gleichstellung

Die Fußballer haben bei der Stadt einen weiteren Zuschuss in Höhe von 20.000 Euro beantragt. Entscheiden wird das Gladenbacher Parlament am Donnerstag, 28. Mai. Bereits 2019 hatten die Stadtverordneten die gleiche Summe genehmigt – damals als übliche Sport-, Vereins- und Jugendförderung der Kommune.

Die Fußballer hoffen, dass ihr Bauprojekt mit denen der Nachbarvereine aus Weidenhausen und Erdhausen gleichgestellt wird. Die Parlamentarier hatten für deren Sportplatz-Neubauten jeweils 40.000 Euro bereitgestellt.

Zumindest vonseiten der SPD scheint die Unterstützung sicher. Das machten Vertreter der Partei bei einer Ortsbesichtigung deutlich. Die Kommune sollte dem 121 Mitglieder zählenden Verein zur Seite stehen, erklärte SPD-Fraktionsvorsitzender Robby Jahnke. Auch deshalb, weil der Klub gerade eine eigene Jugendabteilung aufbaut. Die ersten Kinder für die Bambini-Gruppe haben sich dem SSV bereits angeschlossen.

Neuer Finanzierungsplan

Der SSV Allna-Ohetal gibt die Kosten für sein Sportplatz-Projekt nun mit 229.000 Euro an. Die ursprüngliche Kalkulation belief sich auf 188.000 Euro. Auf deren Grundlage erhielt der Verein auch die Zusagen für Zuschüsse: Das Land gibt 50.000 Euro, der Landkreis 18.125 Euro, die Stadt 20.000 Euro und der Landessportbund 6.465 Euro.

Seinen Eigenanteil hat der SSV um 14.000 Euro auf nun 107.200 Euro aufgestockt. Die selbst erbrachten Arbeiten haben einen Wert von 37.900 Euro. Aus der Vereinskasse fließen 69.300 Euro – darunter mehr als 45.000 Euro Spenden. „Wir haben bereits viel Unterstützung bekommen, dafür sind wir dankbar“, sagt Vorsitzender Hermann Koch.

Um die Finanzierungslücke von 27.000 Euro decken zu können, hat der Sportverein einen weiteren Zuschuss über 20.000 Euro bei der Stadt beantragt.

Von Michael Tietz

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