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Hinterland Der Kampf am Mähdrescher
Landkreis Hinterland Der Kampf am Mähdrescher
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18:00 11.10.2021
Alfred Wagner glaubt an seine Erfindung zum Separieren von Druschgut und Wildkräutersamen und gibt nicht auf.
Alfred Wagner glaubt an seine Erfindung zum Separieren von Druschgut und Wildkräutersamen und gibt nicht auf. Quelle: Gianfranco Fain
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Erdhausen

Als „beschämend“ empfindet Michael Meinel eine Pressemitteilung des Landkreises von Ende August, die Anzeigenblätter abdruckten. Darin ging es um das von Alfred Wagner in Gladenbach-Erdhausen entwickelte Mähdruschverfahren.

Den Co-Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Kreistag aus Lahntal stört vor allem der erweckte Eindruck am Anteil des Landkreises an der Entwicklung. Vor allem stößt ihm die „beiläufige Erwähnung der Idee von Alfred Wagner“ am Ende des Textes auf. Dies verzerre völlig das Bild.

Die OP berichtete im Herbst des Vorjahres im Artikel „Der alte Mann und die neue Erntemethode“ über Wagners Entwicklung, mit der beim Dreschen des Korns Unkrautsamen separiert werden können.

Wagner meldete sein Verfahren zum Patent an, und mit Beharrlichkeit gelang es ihm, mithilfe des Landkreises vom Bundesamt für Naturschutz Geld für die Pilotstudie „Einfluss innovativer Mähdrusch-Technik auf die Artenvielfalt in der Agrarlandschaft“ unter wissenschaftlicher Begleitung des Agrarfachbereichs der Universität Gießen zu erhalten. „Nun hadert er damit, was aus seiner Technik gemacht wird, und der Landkreis schafft es nicht, ihn einzubinden und den Konflikt zu befrieden“, moniert Meinel. Man bezeichne Wagner gar als altersstörrisch.

Es wäre gut, wenn Wagners Leistung auch von offizieller Seite endlich angemessen gewürdigt und der Konflikt entschärft wird, um dieses Projekt bis 2022 erfolgreich zu Ende zu führen, meint Meinel. Dazu müsse vor allem die Auffangquote der Unkrautsamen weiter verbessert werden. Wie das am besten zu erreichen ist, darüber scheiden sich die Geister.

Unterdruck saugt Samen weg

Alfred Wagner entwickelte dazu eine Auffangwanne, in der die Wildkrautsamen mittels Unterdruck durch ein Lochblech gesogen werden, während das gewünschte Druschgut im Mähdrescher weitertransportiert wird. Nach ersten, erfolgreichen Versuchen stellten sich Probleme ein, die Wagner auf einen schlecht eingestellten Mähdrescher zurückführt. Die Mitarbeiter des Fachbereichs Ländlicher Raum des Landratsamtes favorisieren jedoch ein Rüttelsieb, das an dem von der Raiffeisen Waren GmbH für drei Jahre bereitgestellten Mähdrescher montiert ist. Dieses sei auch noch nach unten geneigt, wodurch ein Großteil des Unkrautsamens weiterhin mit der Spreu und Strohresten wieder auf den Acker lande. „Das kann ich nicht mittragen“, sagt Wagner.

Der 91-Jährige fühlt sich betrogen und bezeichnet seine Lage als „desolat“. Wagner weiß, dass er das Experimentieren mit seiner Erfindung nicht unterbinden kann. Denn das lässt das Patentgesetz zu. Doch Aufgeben ist seine Sache nicht. Er knüpft Kontakte und bemüht sich weiterhin um Partner, die seine Entwicklung so wie von ihm erdacht umsetzen wollen. Es gebe vielversprechende Interessenten, berichtet er.

Zu einer vom Landkreis erbetenen Stellungnahme über den Versuch und den Konflikt lautet die Antwort von Pressesprecher Stephan Schienbein: „Das Projekt läuft aktuell und unter wissenschaftlicher Begleitung wie geplant weiter. Insofern besteht unsererseits aktuell kein weiterer Diskussionsbedarf.“

Von Gianfranco Fain

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