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Hinterland Feuer unterm neuen Dach
Landkreis Hinterland Feuer unterm neuen Dach
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09:58 11.06.2020
Die Friedhofshalle in Frohnhausen hat ein neues Dach bekommen. Die verantwortliche Dachdeckerfirma wehrt sich gegen die Kritik eines Parlamentariers, die Arbeiten seien nicht fachgerecht ausgeführt worden. Quelle: Michael Tietz
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Frohnhausen

Nein, er werde sich nicht entschuldigen oder gar eine von seiner Meinung abweichenden Erklärung hinsichtlich der Arbeiten der Dachdecker-Firma Damm abgeben, erklärt Helmut Brück auf Anfrage der OP. Schließlich habe nicht er den Namen der Firma genannt.

„Es war der Bürgermeister, der den Namen während der Stadtverordnetenversammlung öffentlich machte“, weist der Vorsitzende der Freien Wähler jegliche Schuld von sich.

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Der parteilose Bürgermeister Peter Kremer zitierte während der Versammlung aus einem Brief des Geschäftsführers Michael Damm, der sich gegen Brücks im Bauausschuss geäußerte Vorwürfe verwahrt und eine Richtigstellung des Magistrats oder von Brück fordert, andernfalls werde er rechtliche Schritte ergreifen.

Der Magistrat habe mit Brücks Äußerungen nichts zu tun, sagt Kremer. Die Arbeiten seien von der Verwaltung als einwandfrei bewertet, den Namen habe er genannt, weil es ein offizielles Anschreiben war.

Damm: Kritik entbehrt jeglicher Grundlage

Auslöser des Schlagabtausches sind Brücks Äußerungen während der Bauausschuss-Sitzung am 20. Mai. Unter dem Tagesordnungspunkt „Verschiedenes“ monierte Ausschussvorsitzender Brück die Arbeiten an der Friedhofshalle im Stadtteil Frohnhausen: „Hier ist falsch gearbeitet worden.“ Die von Brück ungenannte Fachfirma habe die Richtlinien für das Verlegen der Trapezbleche nicht beachtet und die Bleche teilweise falsch verschraubt.

„Sehr erstaunt“ hätten ihn diese Aussagen, schreibt Michael Damm in seinem Brief an den Magistrat. Die Kritik entbehre jeglicher Grundlage, erklärt Damm und verweist auf wesentliche Vorgaben, nach denen Dacharbeiten ablaufen. Nach den Fachregeln des Internationalen Verbandes für den Metallleichtbau sei aufgeführt, dass Stahl-Trapezbleche im Dachträger befestigt werden dürfen. Die Montageanleitung des Herstellers erlaube auch die Montage auf einer Holzunterkonstruktion mit Edelstahl-Dichtschrauben.

Unternehmer fürchtet „immensen Imageschaden“

„Die von uns verwendeten Dichtschrauben übertreffen die vorgegebene Mindestlänge und besitzen eine größere Dichtscheibe“, erklärt Michael Damm. Im Angebot für die Arbeiten an der Friedhofshalle sei erwähnt, dass die Trapezbleche mit diesen Bohrschrauben befestigen werden. „Dies wurde seitens des Magistrates beauftragt und nach Ende der Arbeiten mängelfrei abgenommen“, führt Damm aus.

Nach einer Prüfung der Unterlagen durch den Landesinnungsverband des Dachdeckerhandwerks Hessen steht für den Geschäftsführer fest: „Die Vorwürfe von Herrn Brück sind haltlos.“

Michael Damm fürchtet wegen der Anschuldigungen einen „immensen Imageschaden“ für seinen Betrieb, der seit fünf Generationen ein gutes Ansehen im gesamten Hinterland habe und fordert deshalb eine öffentliche Richtigstellung von Brück oder dem Magistrat. Als Bürgermeister Kremer die Gladenbacher Parlamentarier über das Schreiben Damms informierte, gab es dazu keine Reaktionen aus den Reihen der Fraktionen.

Projekt soll Stadt 75.000 Euro kosten

In Frohnhausen entfernten Mitarbeiter der Firma Damm im Frühjahr die Asbestzementplatten und die beschädigte Mineralfaserdämmung vom Dach der Friedhofshalle. Sie bauten unter die anthrazitfarbenen Stahl-Trapezbleche eine Dämmung ein, installierten eine Dachrinne und Lüftungsgitter.

Rund 32.000 Euro investierte die Stadt in den ersten Teil der Arbeiten, für die insgesamt 75.000 Euro vorgesehen sind, weil das Dach undicht war, der Putz an Sockel und Wänden abplatzt und die Betonstützen Risse aufweisen. Gegen die überplanmäßige Ausgabe für die Sanierung der Friedhofshalle stimmte im Dezember nur der Stadtverordnete Helmut Brück, weil er als Architekt den Betrag für zu hoch hält.

Von Gianfranco Fain

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