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Hinterland Abfuhr unter erschwerten Bedingungen
Landkreis Hinterland Abfuhr unter erschwerten Bedingungen
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11:58 05.04.2020
Mitarbeiter der Abfallwirtschaft holt Mülltonnen für Haushaltsmüll ab. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
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Breidenbach

Nichts ist mehr so, wie es einmal war, auch bei der Müllabfuhr nicht. Zum einen stellten sich die Organisatoren der Abfall-Entsorgung mit geänderten Arbeitszeiten der Pandemie-Gefahr entgegen, zum anderen erzeugt genau diese Arbeitszeiten-Entzerrung neue Probleme. Die Entsorger, die im Auftrag des Müllabfuhrzweckverbands Biedenkopf den Müll der rund 120 000 Kunden abholen, haben die Arbeitszeiten der Müllwerker geändert.

Beginn ist nun schon um 4 Uhr, um die Ankünfte auf den Werkhöfen zu entzerren, damit das Personal sich nicht auf den Höfen ballt. Damit wird versucht, die Ansteckungsgefahr zu minimieren.

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Die Müllwerker haben aber nun ein anderes Problem, das ihnen die Arbeit erschwert. Da viele ihrer Kunden als Folge der Corona-Pandemie im Homeoffice arbeiten oder gar nicht am Arbeitsplatz erscheinen, sind auch deren Fahrzeuge nicht unterwegs. Die Folge: wildes Parken, schwer zugängliche Sackgassen oder versperrte Wendehammer. „Deswegen konnte an manchen Orten der Sperrmüll nicht abgefahren werden“, beklagt Anja Reichel, Geschäftsführerin der MZV-Geschäftsstelle in Breidenbach, die aktuelle Lage. Und das in einer Zeit, in der mehr Sperrmüll als üblich, nämlich 150 bis 200 Touren jede Woche, anfällt.

„Offenbar meinen viele unserer Kunden, gerade jetzt ihren Sperrmüll loswerden zu müssen“, meint Reichel. Sie vermutet, dass dies auch eine Folge der verringerten Arbeitszeiten ist. Zudem stellte die Umladestation in Marburg die Annahme von Sperrmüll, der von Privatleuten gebracht wird, ein.

Schon jetzt können die MZV-Mitarbeiter, die auch einem Minimaldienst unterliegen, einen gewohnten Service nicht mehr gewährleisten: Die sofortige Nennung des Abholtermins bei der Anmeldung des Sperrmülls. Schon jetzt seien die Termine für vier Wochen im Voraus ausgebucht.

Abholwünsche werden zwar noch angenommen, die Rückmeldung zur Abfuhr könne aber erst eine Woche vor dem Termin erfolgen. Jedenfalls solange das noch möglich ist. Denn der MZV sei davon abhängig, ob das Abfuhrunternehmen Knettenbrech und Gurdulic seine Dienstleistung aufrecht erhalten kann, ob die Umladestation weiterhin den Müll annimmt und ob dieser in Kassel auch verbrannt werden könne. Komme es wegen der Pandemie aus einem der genannten Gründe zu einer Unterbrechung der Entsorgungskette, ist die Sperrmüllabfuhr die erste Dienstleistung, die der MZV einstellt, danach folgt die Altpapier-Abfuhr. „Den Rest- und den Biomüll versuchen wir so lange wie möglich abzutransportieren“, sagt Reichel. Zwei Tipps hat Anja Reichel noch für die Kundschaft: Diese sollen nach Berührung der Tonnen die Hände waschen und Restmüllsäcke können in den Gemeindeverwaltungen nur noch nach telefonischer Anmeldung abgeholt werden.

Von Gianfranco Fain

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