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Hinterland Zeuge schildert Angriff mit Metallstange
Landkreis Hinterland Zeuge schildert Angriff mit Metallstange
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10:56 08.09.2019
Eine Ausgabe des Strafrechts liegt auf einem Tisch in einem Gerichtssaal. Ein Mann aus Gladenbach ist angeklagt, mehrere Gewalttaten begangen zu haben. Quelle: Arne Dedert
Marburg

Dem Angeklagten werden aus der Zeit zwischen Sommer und Herbst vergangenen Jahres eine Vielzahl an Gewaltdelikten, darunter ein Raub, vorgeworfen. Am sechsten Verhandlungstag vor dem Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Richterin Maja Schlenzig wurden nun die letzten Zeugen vernommen und der psychiatrische Sachverständige kam zu Wort.

Rolf Speyer bescheinigte dem jungen Mann zwar noch keine Alkoholsucht, wohl aber ­„eine ausgeprägte Geschichte exzessiven Alkoholmissbrauchs“. ­Eigenen Angaben zufolge hatte der 20-Jährige bei fast allen Taten viel Alkohol getrunken, einzelne Atemalkoholtests der Polizei hatten bis zu zwei Promille ergeben. Experte Speyer schloss trotz der Alkoholgewöhnung des Mannes bei den meisten Fällen eine verminderte Schuldfähigkeit nicht aus. So auch bei der Sache mit dem Begrenzungspfosten. Wie ein Zeuge berichtete, sei er in Gladenbach für die öffentlichen Toiletten zuständig und an einem Abend im August 2018 gerade auf dem Marktplatz an der Bushaltestelle fertig gewesen, als ihm jemand seine in der Tür steckenden Schlüssel entwendet habe. Den Angeklagten habe er wegrennen sehen, sagte der 56-Jährige.

Nachdem dieser auf der anderen Straßenseite einen Mann verprügelt hatte, das mutmaßliche Opfer, ein geistig beeinträchtigter Mann, konnte sich daran nicht mehr erinnern, nur weil sein Mobiltelefon kaputt ging, sei der 20-Jährige zurückgekommen, berichtete der 56-Jährige. Auf seine Forderung nach Rückgabe des Schlüsselbundes habe ihm der Angeklagte zunächst ins Gesicht gespuckt und seine Familie beleidigt, bevor der Angeklagte ihn mit einer Getränkedose beworfen habe. „Aber das hat ihm noch nicht gereicht, er wollte jemandem schaden“, berichtete der Zeuge. Denn wenig später sei er „mit der Eisenstange“ gekommen und habe sie gegen ihn geworfen.

In der nächsten Woche stehe wegen starker Schmerzen im Leistenbereich eine zweite Operation an, sagte der 56-jährige Zeuge. Dem Hausarzt habe er damals gleich am nächsten Tag von dem Vorfall berichtet, beteuerte er. Ein der Akte beigefügter Arztbericht sagt jedoch, dass er lediglich über Schmerzen am Oberkörper, wo ihn die Dose getroffen hatte, klagte. Schwellungen im Leistenbereich seien erst Tage später vorgetragen worden. Und ein Augenzeuge war sich 100 Prozent sicher, dass das Metallteil tiefer eingeschlagen sei, an den Knien. Dort habe der Geschädigte auch sofort über Schmerzen geklagt.

Zu einem Vorfall einen Monat später sagten weitere Zeugen aus. Diese berichteten, dass der Angeklagte vor einem Supermarkt gegen sie gewalttätig geworden sei, einem jungen Mann habe er mit der Faust gegen den Hinterkopf geschlagen. Zudem habe er eine Frau beleidigt und sie bespuckt.

Ein 20-jähriger Zeuge berichtete von einer Feier in Bad Endbach. Der Angeklagte habe ihm dort sein Getränk weggenommen und ihn dann geschlagen. „Ich war selber sehr betrunken, wahrscheinlich habe ich etwas gesagt“, vermutete der Zeuge­ vor Gericht. Später, so sagte er, sei er einem Freund zu Hilfe gekommen der mit dem Angeklagten in Konflikt geraten war. Dabei sei er selbst zunächst ­eine Böschung hinuntergestoßen und dann aus einer Gruppe heraus mehrfach geschlagen und getreten worden. Der Angeklagte sei in dieser Situation dabei gewesen, was dieser genau gemacht habe, wisse er aber nicht, sagte der Zeuge aus.

von Heiko Krause

  • Der Prozess wird am 9. September fortgesetzt im Amtsgericht Marburg. Dann soll auch ein Urteil gefällt werden.