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Hinterland 133 Wähler machen den Unterschied
Landkreis Hinterland 133 Wähler machen den Unterschied
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09:13 23.11.2020
Stichwahl zwischen Amtsinhaber Peter Kremer und Robert Wolfgram. Bürgermeisterwahl in Gladenbach; Stichwahl zwischen Amtsinhaber Peter Kremer und Robert Wolfgram.
Stichwahl zwischen Amtsinhaber Peter Kremer und Robert Wolfgram. Quelle: Tobias Hirsch
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Gladenbach

„Spannender hätte es nicht sein können“, sagt ein sichtlich erleichterter Peter Kremer, als das Wahlergebnis feststeht. Knapp eine Stunde nach dem Schließen der Wahllokale sind die Stimmen ausgezählt, gibt es eine Umarmung und einen Kuss von seiner Ehefrau. Seit 19.01 Uhr seht fest: Die Gladenbacher haben in der Stichwahl Peter Kremer erneut zu ihrem Bürgermeister gewählt. Der Parteilose vereinte 2 035 Stimmen auf sich und liegt mit 51,7 Prozent vor Robert Wolfgram, der 1 902 Stimmen holte. Bei der niedrigsten Wahlbeteiligung aller Bürgermeister-Direktwahlen in Gladenbach, 3 937 von 9 497 Wahlberechtigten gingen an die Urne, machen 133 Stimmen den Unterschied.

Lange Zeit gab es bei den Zwischenständen der Stimmenauszählung ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Gewann Wolfgram von den ersten acht ausgezählten kleinen Wahllokalen einige sogar sehr deutlich für sich und führte mit 50,9 Prozent, so begann sich die Waage mit dem Eintreffen der Ergebnisse aus den größeren Wahlbezirken zugunsten von Kremer zu neigen. Als um 18.30 Uhr das Ergebnis des zweiten Weidenhäuser Wahllokals vorlag, überholte Kremer erstmals Wolfgram, der aber mit dem Ergebnis des Wahlbezirks Gladenbach IV nochmals mit 50,03 Prozent in Führung ging.

Dabei unterschieden sich die Ergebnisse der beiden Kandidaten manchmal nur um zwei Stimmen, bis der zweite Briefwahlbezirk ausgezählt war. Da lag Kremer plötzlich mit 145 Stimmen vorn. Diese Führung vermochte Wolfgram auch nicht mit den abschließenden Zahlen aus Gladenbach und Friebertshausen wieder aufzuholen. Sowohl in Friebertshausen als auch in Kehlnbach gingen weniger als 50 Wähler an die Urne, sodass deren Stimmzettel zwei Gladenbacher Wahllokalen zugeschlagen wurden.

Klar sei er enttäuscht, sagte der Herausforderer, weil er sich den Sieg für eine Veränderung in der Stadt wünschte. „Schade, dass ich die Herausforderung nicht anpacken darf.“ Allerdings sei er auch froh, dass die Anspannung des Wahlkampfs nun entfalle. Er sprach seinen Dank an die Bürger aus, die an ihn und seine Zeile glaubten und ihm ihre Stimme gaben. Ebenso dankt er seiner Familie, den Freunden und dem starken Wahlhelfer-Team, die seinen Wahlkampf erst möglich machten. Ob er sich künftig stärker in der Lokalpolitik engagieren wird, lässt Robert Wolfgram offen: „Ich habe mich voll und ganz auf die Bürgermeisterwahl konzentriert und mich mit diesem Thema noch nicht befasst.“  

Wolfgram wünschte nach dem Feststehen des Wahlergebnisses seinem Kontrahenten „alles Gute und sechs erfolgreiche Jahre“. Beide dankten einander für den fairen Wahlkampf. Auf die „etwas heftigen Attacken in den sozialen Netzwerken“ konnte Peter Kremer nun gelassen zurückblicken. Ebenso an die Nerven ging ihm der durch die Corona-bedingte Zwangspause „fast ein Jahr währende Wahlkampf“. Zum gestrigen Tag sagte Kremer: „Ich wusste, dass es ein Kopf-an-Kopf-Rennen wird, aber dass es so spannend wird nicht.“ Er dankte seinen Wählern und auch den Unterstützern.

Als Ziele für das nächste dreiviertel Jahr nannte Kremer das Aufstellen eines Haushalts, mit dem die Stadt handlungsfähig bleibt. Es gelte, die Ziele der Kinderbetreuung zu erreichen. Diese Herausforderung werde viel Geld kosten, allein für die erforderlichen fünf neuen Kindergartengruppen rund eine Million Euro pro Jahr. Hinzu kommen noch die baulichen Voraussetzungen, für die die genauen Zahlen noch fehlen. Deshalb sei zur Mitte des Jahres mit einem Nachtragshaushalt zu rechnen.  

Von Gianfranco Fain

BürgermeisterSTICHwahl_Gladenbach_3spx184_RZ (845 kB)
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