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Hinterland „Wir haben ja noch den Horst“
Landkreis Hinterland „Wir haben ja noch den Horst“
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15:58 10.07.2020
Horst Falk, CDU, ist Mitglied des Hessischen Landtags. Quelle: Foto: Markus Engelhardt
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Holzhausen

Nein, an einen Umzug hat er nie gedacht: „Ich lebe seit 1975 in Holzhausen, es ist für meine politische Arbeit in Wiesbaden nicht notwendig, dorthin umzuziehen“, zählt Horst Falk auf. „Und natürlich hänge ich auch an meinem Heimatort.“

Seit 100 Tagen ist der Vorsitzende der CDU-Fraktion in der Dautphetaler Gemeindevertretung Mitglied des Landtags (MdL) – als Nachrücker für den hessischen Finanzminister Thomas Schäfer, den er, bis zu dessen Suizid im März, als Stellvertreter unterstützt hatte.

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Der Wechsel war so dramatisch wie kurzfristig, erinnert sich Falk: „Ich bin als Lehrer ins Wochenende gestartet und als Landtagsabgeordneter wieder rausgekommen“, meint er. Ob er in große Fußstapfen treten musste?

„Natürlich“, sagt der ehemalige Mathematik- und Physiklehrer. „Thomas war ein hervorragender und beliebter Politiker.“ Dennoch habe er mehr mit der Trauer um einen Freund zu tun gehabt als mit einem eventuell mühevollen Neustart. „Der Wechsel wurde mir dadurch erleichtert, dass Thomas’ politische Arbeit durch ein sehr gutes Team im Wahlkreisbüro möglich gemacht wurde, das mich nun gleichermaßen unterstützt“, erklärt er.

Empfang mit offenen Armen

Zudem habe er als Schäfers Stellvertreter dessen Aufgaben und den heimischen Landkreis bereits kennengelernt. „Man hat mich mit offenen Armen empfangen“, freut sich der 50-Jährige. Die Haltung sei gewesen: „Wir haben ja noch den Horst.“

Und dem ist es ein Anliegen, seine neuen Aufgaben mit dem alten Schwung anzugehen. Vor allem Förderung und Unterstützung des Ehrenamts haben es ihm angetan. „Es stimmt einfach, dass ehrenamtliches Engagement eine der Säulen unserer Gesellschaft ist“, sagt Falk. „Das ist nicht nur in Dautphetal oder dem Landkreis zu sehen, sondern in ganz Hessen.“ Auch seine Erfahrungen als Lehrer und als Fachberater für Medienbildung beim Staatlichen Schulamt bringt er in seine Arbeit ein. Vor allem ans Gymnasium Philippinum denkt er gern zurück: „Ich vermisse die Kolleginnen und Kollegen, die Schülerinnen und Schüler.“ „Aber ich freue mich auf viele neue Aufgaben, mit denen ich meinen Wahlkreis in Wiesbaden vertrete und unterstütze.“

Die Ausschüsse, in denen er arbeitet, spiegeln seine Interessen und Kenntnisse wider: Im kulturpolitischen Ausschuss kümmert er sich vor allem um Schulpolitik, im Ausschuss für Wissenschaft und Kunst vertritt er die Interessen der Marburger Philipps-Universität – wo er auch studiert und promoviert hat –, und im Europa-Ausschuss seien ohnehin die wichtigen Themen der Zeit angesiedelt. So viel zum Blick zurück – was zeigt der Blick nach vorne? Die Corona-Krise beeinflusse alle Lebensbereiche, meint Horst Falk. Dabei habe sie teilweise sogar als Beschleuniger gewirkt: „Was die Digitalisierung des Unterrichts angeht, waren wir schon auf einem guten Weg und gehen diesen nun schneller.“

„Recht auf Bildung“

Wenn nach den Sommerferien der Schulbetrieb wieder weitgehend wie gewohnt aufgenommen werde, sei das ein wichtiger Schritt: „Es gibt ein Recht auf Bildung, und auch die Eltern, die in den vergangenen Monaten viel geleistet haben, müssen entlastet werden.“ Eine hundertprozentige Sicherheit gebe es nie, begegnet er der Kritik am Vorhaben des Kultusministeriums: „Zudem bleibt es ja bei den neuen festen Klassenverbänden, sodass mögliche Infektionsketten gut nachvollzogen werden können.“ Die Covid-Zahlen im Kreis, aber auch bundesweit, seien so niedrig, dass dieser Schritt gegangen werden könne. „Möglich wurden diese relativ niedrigen Zahlen meiner Meinung nach durch Solidarität, Disziplin und unser gutes Gesundheitssystem“, sagt der Landtagsabgeordnete.

Um Solidarität geht es ihm auch, wenn er sich die gegenwärtige Situation betrachtet. „Es mag sein, dass das zunächst ein wenig naiv klingt“, meint Horst Falk, „aber ich hatte vor allem angesichts einer weltweiten Pandemie erwartet, dass es erst um das Land geht, dann um die Partei.“ Allerdings: „Leider schafft es die Opposition nicht, auf parteipolitische Spielchen zu verzichten“, attestiert er den Sozialdemokraten im Landtag aus Sicht der schwarz-grünen Regierungskoalition.

Aus dem Dautphetaler Parlament sei er es jedoch gewohnt, dass sachdienlich gearbeitet werde, durchaus über Fraktionsgrenzen hinweg. Seiner Heimatgemeinde bleibt „unser“ Mann in Wiesbaden auch mit dieser Einschätzung verbunden.

Von Markus Engelhardt

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