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Landkreis Fettlebe hinter zwei Meter hohen Mauern
Landkreis Fettlebe hinter zwei Meter hohen Mauern
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11:18 04.11.2009
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Marburg. Die mächtigsten Männer der Republik hatten zu diesem Zeitpunkt die Wandlitzer Waldsiedlung verlassen. Die einfachen Bürger betrachteten staunend und kopfschüttelnd die chromblitzenden Badezimmer-Armaturen in den Häusern der 21 SED-Politbüro-Mitglieder.

Was die TV-Bilder zeigten, war aus bundesdeutscher Sicht in die Jahre gekommene Durchschnittsware, die in gewöhnlichen Baumärkten damals wahrscheinlich nicht mehr absetzbar gewesen wäre. Für DDR-Bürger, die entweder überhaupt kein Bad hatten oder sich mit minderwertigen Armaturen aus Plastik plagten, war dies jedoch der reinste Luxus. „Diese Verbrecher haben sich auf unsere Kosten schamlos bereichert“, sagte dann auch einer der Besucher in die TV-Mikrophone. Sozialneid war dem im Geiste von Marx und Lenin erzogenem DDR-Bürger offenbar nicht fremd.

Der Blick auf die 23 Wohnhäuser der Politbüro-Mitglieder im so genanten Inneren Ring der zwei Quadratkilometer großen Siedlung ist ernüchternd. Die rund 180 Quadratmeter großen Häuser strahlen den spröden Charme und die architektonische Einfallslosigkeit ihrer Entstehungszeit zwischen 1958 und 1960 aus. Sie haben so gar nichts von einer luxuriösen Bonzenvilla. Zudem hatten die SED-Funktionäre für DDR-Verhältnisse mit bis zu 650 Mark eine für DDR-Verhältnisse hohe Miete zu zahlen.

Im zweiten Teil lesen Sie, wie es bei der DDR-Politprominenz im Urlaub zuging.

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