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Landkreis Die "Ossel" ist viel mehr als eine Achsel
Landkreis Die "Ossel" ist viel mehr als eine Achsel
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14:16 24.06.2010
Schulter oder Achsel, in vielen Dialekten gibt es begrifflich da keinen Unterschied. Foto: www.pixelio.de
Schulter oder Achsel, in vielen Dialekten gibt es begrifflich da keinen Unterschied. Foto: www.pixelio.de Quelle: H. Lunke/www.pixelio.de
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Wer unbedacht darüber lacht, dass der „Fuß“ bei Schwaben bis zum Hüftgelenk reicht, der sollte sich einmal im eigenen Dialekt umsehen. Die „Ossel“ ist nämlich in der heimischen Region keineswegs nur die „Achsel“, sondern bezeichnet die gesamte Schulter.

Diese so genannte Bedeutungsverschiebung gibt es auch bei anderen Körperteilen. Meist bezeichnet dann Teil das Ganze – also pars pro toto, wie man polyglott anfügen könnte. Dass die Achsel für mehr als eine kleine, manchmal geruchlich problematische Körperzone steht, ist auch im Hochdeutschen noch erkennbar. Denn auch dort spricht man von „unter den Achseln“ im Gegensatz zu was? Über den Achseln ist eigentlich die Schulter. Aber in manchen Dialektregionen sagt man auch, dass man ein Kind auf den Achseln trägt und nicht auf den Schultern, erklärt Sprachwissenschaftler Heinrich Dingeldein.
Ein weiteres Beispiel ist der „Buckel“. Im Hochdeutschen und im Märchen ist diese Verwachsung am Rücken orthopädisch geplagten Menschen oder Hexen und anderen Finsterlingen vorbehalten. Im Dialekt bezeichnet der „Buckel“ meist schlicht den ganzen Rücken.
Die Bedeutung ist im übertragenen Sinn auch noch im Hochdeutschen gebräuchlich. Denn wenn man dieser Tage zum 20. Jahrestag der einheitlichen Deutschen Währung in Ost und West noch Autos aus Plaste und Elaste sieht, dann haben die mit Sicherheit schon einige Jahre auf dem Buckel.

von Gabriele Neumann

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