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Portraits Blendegewinner 2019 Marburger Kino-Charme bei Nacht
Landkreis Blende Portraits Blendegewinner 2019 Marburger Kino-Charme bei Nacht
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13:16 02.10.2020
"cinéaste" Platz 2 in der Kategorie "Nightlife" Quelle: Udo Seifert
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Amöneburg

Udo Seifert sah das Motiv täglich auf dem Weg zu seiner Arbeitsstelle. Das alte Kino hatte es ihm angetan, der Charme der Kinoplakate und die Filmtitel in großen Buchstaben über dem Eingang: Die gesamte Aufmachung sei zwar in die Jahre gekommen, aber gerade das sei es gewesen, was ihn fasziniert habe, erzählt der gebürtige Sachse. Im Frühjahr dieses Jahres packte er dann gezielt sein Equipment ein, um nach seinem Dienst an der Unibibliothek das Foto aufzunehmen. „Ich habe die Tage vorher beobachtet, wann die Dämmerung einsetzt und der richtige Moment sein könnte“, berichtet der zugezogene Roßdorfer und spricht weiter über die hohen ISO-Werte für die Aufnahme, dass er kein Stativ aufgebaut und einfach locker aus der Hand heraus fotografiert habe. Dass dieses Foto für den Blende-Wettbewerb der Oberhessischen Presse sein sollte, wusste der sportliche Familienvater gleich. Dass er damit den zweiten Platz in der Kategorie Nightlife belegen würde, konnte er damals noch nicht wissen.

Foto muss interessant sein

Ein bisschen Zeit hat er dann noch in die Bearbeitung der Aufnahme gesteckt. Auf den ersten Blick sehe das Bild aus wie ein sogenanntes ColorkeyFoto. Darunter versteht man ein Schwarz-Weiß-Foto, bei dem nur gewisse Details in einer Farbe dargestellt sind. „Aber es ist kein Colorkey, ich habe nur die Sättigung etwas rausgenommen und eine dunkle Vignette darübergelegt, um mehr Stimmung zu erzeugen und den Blick zu lenken“, berichtet Seifert. Der Bibliothekar fotografiert viel, aber so richtig festgelegt auf einen Bereich sei er nicht. Die Natur- und Landschaftsfotografie haben es ihm allerdings angetan. „Tierfotografie interessiert mich auch, ich bin aber sehr breit aufgestellt“, sagt der 39-Jährige. Mit seinem 150-600-mm-Objektiv legt er sich dann gerne auf die Lauer, um beispielsweise Füchse zu fotografieren. Ein kleines Tarnzelt hilft ihm dabei, nicht gesehen zu werden. „Manchmal dauert es Stunden, bis sich am Fuchsbau etwas tut“, berichtet Seifert. Nur Stillleben würde er gar nicht fotografieren, die finde er nicht spannend genug. Im vergangenen Jahr nahm Seifert an einem Wochenendkurs der Vhs Marburg teil. Es ging um Architekturfotografie. Fotograf und Dozent Markus Farnung fuhr mit den Teilnehmern in die Main-Metropole Frankfurt. Unter der fachkundigen Anleitung bekam der Bibliothekar so besondere Einblicke in die Architektur der Großstadt mit ihren monumentalen Gebäuden und moderner Architektur. Es ging um verschiedene Aufnahmetechniken, maximale Schärfe, stürzende Linien, wichtige Elemente der Bildgestaltung und ihre Anwendung. Das Beste an der Foto-Tour war der Blick vom Commerzbank-Tower über die Banken-Stadt. „Wir hatten damals etwas Pech mit dem Wetter, doch zum Glück klarte es später auf und wir bekamen ein einmaliges Wolkenspiel zu sehen“, erzählt Seifert und erklärt den Einsatz eines ND-Filters, der ihm längere Belichtungszeiten ermöglichte. „Wolken, die fließen, und eine wunderschöne Lichtstimmung konnte ich so einfangen.“ Und der Aufbau eines Stativs lohne sich dabei auf jeden Fall, merkt er an. Während der Corona-Krise habe sich der Hobby-Fotograf mit der Makro-Fotografie beschäftigt. „Ich bin raus in den Garten, habe Bienen, Hummeln und Schmetterlinge fotografiert“, sagt Seifert und erzählt, dass er dadurch noch mal ein ganz anderes Verhältnis zum Thema Natur bekommen habe. Was da so alles in den Büschen zu sehen ist, sei sehr spannend gewesen. Natürlich benötige man für solche Aufnahmen ein passendes MakroObjektiv, um die kleinen Tiere und Details richtig in Szene zu setzen.

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Ein gutes Stativ ist wichtig

Udo Seifert fotografiert mit einer Canon 6D – Vollformat. Er weiß, dass sich gutes Equipment auszahlt. Erst kürzlich habe er in ein gutes Stativ investiert. Eine neue Kamera will er sich aber erst mal nicht anschaffen, da er vor wenigen Wochen zum zweiten Mal Vater geworden sei. „Das sind andere Anschaffung wichtiger“, erzählt er schmunzelnd - seine Frau Julia stimmt ihm zu. „Ein Foto soll schon etwas Besonderes haben, wenn es noch in der Kamera steckt“, sagt Seifert, dennoch sei Bildbearbeitung eine gute Möglichkeit, um noch mehr aus einem Foto herauszuholen. Daher fotografiert er auch meist im RAW-Format, das biete einfach mehr Spielraum. Zur Bearbeitung hat er noch eine ältere Version von Lightroom auf seinem Rechner, aber das reiche vollkommen aus, eränzt Seifert. Während eines Bildungsurlaubs, den der gebürtige Oschatzer über die Vhs Marburg gebucht hatte, sind unzählige Fotos von unterschiedlichen Kirchen in Marburg entstanden. „Am Ende eines Bildungsurlaubs entsteht immer aus den Fotos der Teilnehmer eine Ausstellung“, sagt Udo Seifert und erzählt von der Zeit, in der sich die Teilnehmer intensiv mit zahlreichen Kirchen und ihrer Architektur auseinandergesetzt haben. Die Ausstellung sollte eigentlich bereits Mitte März gezeigt werden – wegen Corona konnte sie nicht eröffnet werden. Doch seit vergangenem Sonntag hängen die Fotos nun in der Marburger Elisabethkirche: Bis zum 20. September sind die großformatigen Aufnahmen zu den üblichen Öffnungszeiten zu sehen.

Kraniche auf der Durchreise

In seiner Freizeit liest Udo Seifert gerne in Fotobüchern und spielt beim RSV Heskem 1926 e.V. in der zweiten Mannschaft Basketball. Oder er geht mit seinem Kumpel auf Foto-Tour. Die letzte Tour führte sie nach Linum in Brandenburg. Da konnten die beiden Männer etwa 75 000 Kraniche auf einmal fotografieren. „Ein wirkliches Schauspiel und sehr beeindruckend“, schwärmt Seifert. Die beste Zeit sei von September bis November, denn dann ziehen die Tiere weiter in den Süden, um dort zu überwintern. Ein Blick auf die Website des Hobby-Fotografen lohnt sich. Dort zeigt Udo Seifert das gesamte Spektrum seines Könnens in den unterschiedlichen Rubriken wie Architektur, Flora, Fauna, Landschaft, Fotoreportagen und Menschen. www.udoseifertfotografiert.de.

Von Melanie Weiershäuser

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