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Portraits Blendegewinner 2019 Glücklicher Zufall, ein Urlaub auf Teneriffa und der Gesamtsieg
Landkreis Blende Portraits Blendegewinner 2019 Glücklicher Zufall, ein Urlaub auf Teneriffa und der Gesamtsieg
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13:30 02.10.2020
Gesamtsieg im Blende-Fotowettbewerb 2019 Quelle: Heiko Fritsch
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Kirchhain

Die Geschichte zum Foto „Gas geben“, mit dem Heiko Fritsch den ersten Platz in der Kategorie „In Bewegung“ und den Gesamtsieg belegt hat, ist wirklich spannend. Eigentlich wollte der Kirchhainer gar nicht mit der Kamera los, an diesem heißen Tag im Juni 2019. Zudem war es sein fußballfreies Wochenende. In der Zeitung las er von der Veranstaltung in Wolfshausen auf der Motocross-Strecke. Ein Veteranen-Cup mit Motorrädern aus den 1970er- bis 1980er-Jahren. „Hört sich spannend an“, dachte Fritsch, denn Motorsport hatte er noch nie fotografiert. Er packte seine Spiegelreflexkamera samt Objektiven zusammen und fuhr los. „Ich musste mir dort erst mal einen Überblick verschaffen“, erzählt der 48-Jährige. „Wo kann ich stehen und wo bekomme ich gute Fotos“, das ist immer seine erste Überlegung. „Ich hatte den Gedanken, mich vielleicht an einer anderen Stelle um die Barrieren zu mogeln, um doch etwas näher an die Strecke zu kommen.“ Doch die Hindernisse waren überall, das komplette Feld war abgesperrt. Er hatte sich schon damit abgefunden, nicht viele gute Fotos mit nach Hause zu nehmen. Doch dann begegnete ihm ein Fotograf, der für eine Zeitung vor Ort war. Er nahm ihn kurzerhand mit hinter die Absperrung. „Ich stand plötzlich mittendrin, hautnah an der Rennstrecke, und die um mich herumfahrenden Motorräder wirbelten ziemlich viel Staub auf.“

Staubig aber glücklich

Natürlich gab es auch ein paar hilfreiche Tipps vom Profi, wie der Vater von zwei Kindern seine Canon 80D einstellen könnte, um noch bessere Fotos von den schnellen Maschinen in den Kasten zu bekommen. Die Stunden zwischen Motorrädern, Dreck und Staub vergingen dann sehr schnell. „Dieser Tag hat mir mehr gebracht, als ein Workshop. Ich habe sehr viel gelernt und erfahren. Wirklich spannend.“ Als Heiko Fritsch seine Kamera zu Hause auspackte, musste er sie erst mal entstauben und reinigen. Vorsichtig mit einem Pinsel, denn in die Kamera sollte der Staub nicht gelangen. Seine Frau Susanne erzählt, dass nicht nur die Kamera verstaubt war, sondern auch ihr Mann. Kein Wunder, wenn man mitten im Geschehen steht. „Ich war total begeistert von der Veranstaltung in Wolfshausen und sehr erfreut über die Möglichkeit, einen optimalen Platz zum Fotografieren bekommen zu haben. Ein besonderer Dank geht an den Fotografen, dem ich mich anschließen konnte und dessen Erfahrung mir viel gebracht hat.“ Er wisse jetzt, dass viele Faktoren stimmen müssen. Nicht nur eine gute Kamera, auch ein gutes Objektiv bis hin zu einer schnellen Speicherkarte, alles muss zusammenpassen. „Fotografieren ist mein Hobby. Deswegen ist ein teures Objektiv immer eine Kosten-NutzenRechnung für mich. Kaufe ich mir eine gute Linse oder fahren wir zwei Tage länger in den Urlaub?“

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Freudensprung am Teide

Denn mit seiner Frau Susanne, seinen Kindern Nele (14), Enric (18) und dem Hund Paul verreist der Hobbyfotograf gerne und so oft es geht. Und auch im Urlaub entstehen Fotos, die einen Platz auf dem Treppchen bekommen. Denn Heiko Fritsch gewinnt bei Blende gleich doppelt. Platz 3 in der Kategorie „In Bewegung“ geht ebenfalls an den Studienrat aus Kirchhain. „Jump“ nennt er das Foto, auf dem seine Tochter Nele zu sehen ist, die auf einer Straße in Richtung des Vulkans Teide auf Teneriffa einen Sprung in die Höhe macht. „Wir waren mit einem Bus unterwegs. Am späten Nachmittag wollten wir auf dieser Tour Spaniens höchsten Berg bestaunen und später auf über 2 500 Metern Höhe den Sonnenuntergang über den Wolken ansehen. Während eines Zwischenstopps haben wir ein paar Fotos gemacht. Um ein bisschen Pepp in die fast grenzenlose Weite der Bilder zu bringen, sollte Nele ein paar Sprünge machen.“ Wenige Versuche waren nötig, um das siegreiche Ergebnis zu bekommen. „Ich wollte keine Autos auf dem Bild haben und Zeitdruck hatten wir auch noch, da die Reiseleiterin alle Teilnehmer schon wieder aufgefordert hatte, in den Bus einzusteigen“, erzählt Fritsch und sagt, dass ihm wichtig war, die schier endlose Straße in dem Foto gut darzustellen. Am Ende ist es ein sehr gut gelungenes Foto mit viel Bewegung. Tochter Nele gefällt die Aufnahme ebenfalls.

Platz drei in der Kategorie "In Bewegung"

Ausgleich zum Alltag

Neben seinem Beruf als Lehrer engagiert sich Heiko Fritsch beim JFV Stadtallendorf/Ostkreis als Fußballtrainer. Dreimal in der Woche leitet er das Training der BJugend und an den Wochenenden finden meistens Spiele statt. Sein Terminkalender ist daher gut gefüllt. Die Fotografie nutzt Fritsch als Ausgleich. Er geht mit der Kamera gerne raus in die Natur und fotografiert „alles, was wir hier vor der Nase haben“, sagt er. Aber nicht immer mit Erfolg. An der Ohm ging er auf die Jagd nach einem Eisvogel, den er unbedingt ablichten wollte. „Ich habe stundenlang gesessen und auf den richtigen Moment gewartet“, berichtet der Fotograf, um dann doch ohne ein Foto wieder nach Hause zu kommen. „Aber der Kopf ist dann wieder frei“. Seine Frau Susanne berichtet von einem Kurz-Urlaub in Hamburg. Auf der Suche nach dem schönen Wasserschlösschen in der Speicherstadt musste die Familie viele Kilometer laufen. Als sie endlich angekommen sind, die blaue Stunde brach gerade an, war die Verwunderung groß als sie sahen, dass auf der Brücke schon so viele Fotografen versammelt waren, um dasselbe Objekt abzulichten. „Meist mit Stativen und professionellen Kameras“, erzählt der Hobbyfotograf und berichtet weiter von seiner Sorge, hoffentlich die bestmöglichen Einstellungen zu wählen, um das Maximale aus seiner Kamera herauszuholen. „Denn wenn ich irgendwo ein ansprechendes Motiv sehe, dann probiere ich gerne mit den Einstellungsmöglichkeiten etwas aus“. Viel Zeit für Weiterbildung im Bereich der Fotografie hat er nicht. Aber die Canon-Fotozeitung, die er abonniert hat, liest er gerne. Die Fotos bearbeitet der 48-Jährige mit dem Programm Photoshop Elements. „Bisher reicht das noch aus, aber ich muss mir Lightroom mal näher ansehen, ob dies nicht die bessere Alternative für mich wäre“, sagt Heiko Fritsch abschließend.

Von Melanie Weiershäuser