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Portraits Blendegewinner 2019 „Am liebsten 16:9“
Landkreis Blende Portraits Blendegewinner 2019 „Am liebsten 16:9“
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18:36 05.10.2020
"Wäsche" – Kategorie "In Bewegung" – Platz 2 Quelle: Alfred Junker
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Dautphetal

Die Leidenschaft für Fotografie hat Alfred Junker bereits früh entdeckt. Mit 20 Jahren hat er seinen ersten Fotoapparat gekauft. Damals wurde noch analog fotografiert. Und die Filme mussten anschließend entwickelt werden. „Ich hatte auch meine eigene Dunkelkammer zu Hause, das war eine gute Zeit und ich habe viel gelernt“, erzählt der Dautphetaler und verrät, dass er sich das alles selbst beigebracht hat. Auch der Austausch mit Gleichgesinnten war ihm damals schon wichtig. Seine Fotos waren in dieser Zeit schwarz-weiß. Junker hat mit Chemikalien im Keller hantiert und war durchaus erfinderisch, wenn es darum ging, auch einmal größere Fotos entwickeln zu müssen. „Drei Blumenkästen dienten als Schale für Entwickler, Stoppbad und Fixierer. Das Fotopapier kam von einer großen Rolle und wurde Stück für Stück durch die Kästen gezogen, bis das fertige Bild so war, wie Alfred Junker es im Kopf hatte. Die analoge Fotografie auch im Bereich Dia hat seinen Blick für das richtige Format und den perfekten Bildausschnitt geprägt.

Von analog zu digital

„Gegen das Digitale habe ich mich erst gesperrt und wollte lieber meine Filme behalten“, erinnert sich der 69-Jährige. Im Laufe der Zeit sei die Qualität besser geworden und es folgte die Entscheidung, nun doch eine kleine digitale Kamera zu kaufen. „Die ersten Versuche der Bildbearbeitung am Computer statt in der Dunkelkammer waren überraschend gut“, beschreibt Junker seine Anfänge und sagt, dass es ein Vorteil war, den PC einfach anschalten und loslegen zu können. Kein Vergleich gegenüber dem aufwendigen Aufbau in der Dunkelkammer. „Am PC kann ich einfach aufhören und später meine Bildbearbeitung fortsetzen. Und die Rückgängig-Taste finde ich sehr wertvoll.“ Abwedeln und Nachbelichten seien am Computer eben doch viel einfacher. Inzwischen ist der ehemalige Verkaufsleiter ein versierter Hobbyfotograf, der seine Leidenschaft in der Streetfotografie und für das urbane Leben in der Stadt – ohne Menschen – gefunden hat. Bei Ausflügen und Urlaubsreisen, die Alfred Junker unternimmt, ist die Kamera immer sein Begleiter. Auch in dem Urlaub an der Ostsee, in dem sein Blende-Foto entstanden ist. „Wir sind zwischen Wustrow und Ahrenshoop auf Fischland/ Darß am Bodden spazieren gegangen, ein schmaler Pfad an kleinen Häusern vorbei. Dort hing die Wäsche auf der Leine und wehte im Wind“, erzählt Junker und erwähnt, dass viele Leute an diesem Tag dort spazieren gingen, aber keiner Notiz von der Wäsche genommen hatte. Keiner machte ein Foto. Aufmerksam wurde er durch die roten Wäschestücke. Das Foto war im Kopf, ehe er die Kamera ausgepackt hatte. Allerdings ist Landschaftsfotografie eher nicht so sein Ding, wie der 69-Jährige selbst sagt. Das Bildformat 16:9 hat es ihm allerdings angetan, dass zeigt sich auch in vielen seiner Fotobücher.

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Menschen mit roten Haaren

Dass Rot eine Farbe ist, die es dem Vater dreier Kinder angetan hat, zeigt auch ein Fotobuch, das er erstellt hat. Ein ganzes Buch nur mit rothaarigen Menschen. Kinder, Frauen, Männer aus aller Welt kommen dort zusammen. „In der Nähe von Breda findet jedes Jahr der „Redhair day“ statt. Eine Veranstaltung nur für rothaarige Menschen“, sagt Junker und zeigt auf das Fotobuch. Seine Schwester wohne in Holland, nicht weit von Breda entfernt. Da sei ein Besuch obligatorisch gewesen. Seit 2007 findet die Veranstaltung an zwei Tagen Ende August statt. Alfred Junker hat inzwischen weit über 20 Fotobücher zu seinen verschiedenen Fotothemen gestaltet. „Wenn ich bei Ausstellungen angesprochen werde, verkaufe ich auch schon mal das eine oder andere Buch.“ Aktuell hängt noch die Ausstellung „Spuren“ der Fotogruppe „Gleis3eck“ im Rotkehlchen in der Waggonhalle. Die Interessengemeinschaft setzt sich aus drei fotobegeisterten Männern zusammen – einer aus Troisdorf, einer aus Braunfels und Alfred Junker aus Dautphetal. Kennengelernt haben sich die Männer über die Webseite der Fotocommunity. „Wir treffen uns zweimal im Jahr, machen Fototouren, die uns zumeist in nicht gerade angesagte Städte führen“, sagt er. Gemeinsam streifen sie durch die Städte, fangen das urbane Leben – mit und ohne Menschen ein – , und haben sehr viel Spaß dabei. Ein bisschen Fachsimpeln gehöre natürlich immer mit dazu, so Junker. Unter www.gleis3eckfotoprojekte.de sind die aktuellen Arbeiten der drei Fotografen zu sehen.

Projekte inspirieren

Alfred Junker ist aktiv. Das zeigt auch sein Engagement in verschiedenen Vereinen rund um seine Heimatstadt. Beispielsweise im BIDKultur – ein Zusammenschluss von über 50 kulturell aktiven Menschen in Biedenkopf – und „ich bin noch im Kunstkreis Mosaik in Dautphe aktiv“. Durch die Corona-Krise musste eine Ausstellung des Kunstkreises, die für dieses Frühjahr geplant war, abgesagt werden. „Die Ausstellung wird hoffentlich im nächsten Frühjahr nachgeholt“, hofft Junker und erzählt von seinem Fotoprojekt, bei dem er mal etwas anderes machen wollte. Das Oberthema war Dautphe. „Was gibt es alles: Vereine, Landschaft und das alte Dorf. Und dann gibt es noch die Menschen, die dort leben.“ Menschen sind genau das richtige Thema, und so suchte sich der Hobbyfotograf zwölf Menschen aus seinem Dorf – jung und alt, Männer und Frauen. „Die Porträts fotografierte ich in Schwarz-Weiß. Ein weiteres Foto in Farbe, bei etwas was die Person gerne macht. Beide Fotos kommen dann zusammen nebeneinander in einen Rahmen“, beschreibt Junker das Vorhaben. Nach 1945 kamen viele Heimatvertriebene nach Dautphe, die Menschen stammen beispielsweise aus Ungarn oder Jugoslawien. Man sei zusammen aufgewachsen und „die Ausstellung soll auch zeigen, wie groß die Vielfalt an Menschen in Dautphe ist, und dass es auch gut so ist“, sagt Alfred Junker mit dem Blick auf die Fotos. Von seinem Können, seinem perfekten Blick und kunstvollen Foto-Collagen können sich Foto-Begeisterte, Foto-Kunst Liebhaber und Ausstellungsfans auf seiner Webseite selbst ein Bild machen. www.alfredjunker.de.

Von Melanie Weiershäuser