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Blende 2020 Kunstwerk vorm Kölner Dom
Landkreis Blende Blende 2020 Kunstwerk vorm Kölner Dom
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09:17 23.04.2021
„DomPlattenKunst“ belegt den ersten Platz in der Kategorie „Street Art“, und Klaus Ammenhäuser sichert sich damit zusätzlich den Gesamtsieg.
„DomPlattenKunst“ belegt den ersten Platz in der Kategorie „Street Art“, und Klaus Ammenhäuser sichert sich damit zusätzlich den Gesamtsieg. Quelle: Klaus Ammenhäuser
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Marburg

Bunte Kreide liegt auf einem Gemälde. Eine Straßenkünstlerin sitzt in der Mitte. Sie malt eine Madonna auf die großen Betonplatten vor dem Kölner Dom. Der Betrachter sieht, dass sie mit ihren Fingern zart die Kreidefarben verwischt. Das Kunstwerk wirkt dreidimensional und sehr realistisch. Die Vorlage, geschützt durch eine durchsichtige Hülle, liegt neben ihren Knien. Gedankenversunken blickt die Frau immer wieder auf ihre Farbkomposition. Um sie herum Menschen, die ihr fasziniert bei der Arbeit zusehen.

Zu den Betrachtern gehörte auch Klaus Ammenhäuser. Er belegt beim Blende-Foto-Wettbewerb 2020 mit seinem Foto „DomPlattenKunst“ den ersten Platz in der Kategorie „Street Art“ und sichert sich auch den Gesamtsieg des Wettbewerbes. Beim Bundesentscheid erreicht er Platz 44.

Bild entstand in Köln

Das Bild ist 2019 während einer Fotoreise nach Köln entstanden. Ammenhäuser ist mit Freunden dort – übers Wochenende. „Wir sind auf dem Weg in die Altstadt gewesen“, erzählt der Marburger, denn die kleinen Gassen der Kölner Altstadt seinen ihr eigentliches Ziel gewesen, erinnert er sich. Die Challenge für diesen Tag lautet: alte Werbeschilder oder Neonschriftzüge finden. „Diese nostalgischen, die früher über den Läden hingen – vielleicht welche, deren Geschäfte bereits lange nicht mehr existieren.“

Ihr Weg führt sie über die Domplatte. Die Aktivitäten dort ziehen viele Schaulustige an. Vor dem imposanten Kölner Dom knien einige Künstler, bunte Kreidepaletten liegen vor ihnen auf den Betonplatten, Musiker unterhalten die vorbeigehenden Passanten und Pantomimen verharren in ungelenken Positionen, bis sie durch die klappernden Geldstücke sich wieder kurz bewegen.

Klaus Ammenhäuser Quelle: Klaus Ammenhäuser

„Mir ist das Gemälde einer Madonna aufgefallen, das gerade halb fertig war. Und die Frau, die mit geschickten Händen ihre Kunst auf den Boden malt“, erinnert sich der 58-Jährige. Er schnappt sich seinen Fotoapparat und macht gleich mehrere Aufnahmen davon. Die Malerin bemerkt diesen besonderen Moment nicht.

Es ist die erste Teilnahme am Blende-Fotowettbewerb für den Energieanlagenelektroniker gewesen. Fotografie ist der Ausgleich zu seinem Berufsleben, in dem er als Bauleiter für ein Marburger Unternehmen tätig und viel unterwegs ist. Fotografie ist schon lange ein Hobby, bei dem er sich ausprobieren kann. Egal ob Landschafts- oder Portraitfotografie oder das Arbeiten zu einem bestimmten Thema im Studio oder zu Hause, für Klaus Ammenhäuser ist das immer eine willkommene Möglichkeit, Neues mit seiner Ausrüstung – einer Sony A7II und Sony A77 – auszuprobieren.

Ein Naturliebhaber

In der Fotocommunity Marburg und im Verein „Kultur Netzwerk Fotografie Marburg“ engagiert sich der Bauleiter. An Ausstellungen im Rathaus, im Restaurant des Kaufhauses Ahrens und bei den Fototagen der Volkshochschule Marburg beteiligt er sich regelmäßig mit Fotos zu ganz unterschiedlichen Themen.

In der Natur ist Ammenhäuser gerne und so oft es geht. Ob als Fotograf oder mit seinem E-Mountainbike. Seit einigen Jahren fährt er leidenschaftlich auf sogenannten Trails durch die Wälder. „Es gibt ausgewiesene Strecken und Vereine, die diese pflegen“, berichtet er. Auch ein spezielles Fahrertraining hat er absolviert, denn „Springen muss gelernt sein“. Er nutzt gerne den Trail auf den Lahnbergen oder fährt zum Dünsberg. Meist alleine.  

Bildbearbeitung selbst beigebracht

Gemeinsam mit seiner Frau verbringt er gerne Urlaub in Zingst an der Ostsee. Für Klaus Ammenhäuser ist das dort jährlich stattfindende Foto-Festival „Horizonte“ ein echtes Highlight. „Die Ausstellung am Strand ist immer klasse und echt empfehlenswert. Fotos aus Workshops und anderen Veranstaltungen werden dort abends auf einer großen Leinwand gezeigt“, sagt er und berichtet von Seminaren, Vorträgen und spannenden Multivisionsshows sowie von unzähligen namhaften Fotografen aus Deutschland und der ganzen Welt, die vor Ort ihr Wissen in Workshops weitergeben.

„Während ich mich auf dem Festival herumtreibe, nutzt meine Frau die Zeit für Wellness und genießt die Ruhe“, schmunzelt er. „Früher habe ich nur fotografiert, um Fotos bearbeiten zu können“, verrät Ammenhäuser und erzählt, dass ihn die grundlegende Veränderung eines Bildes schon immer sehr interessiert habe. Die Bedienung von Photoshop hat er sich selbst angeeignet. „Ich habe viele Bücher zum Thema gelesen und Tutorials im Internet angeschaut, um immer besser zu werden und mehr über die unzähligen Möglichkeiten des Programms zu erfahren“, erklärt der Hobbyfotograf.

Bildbearbeitung in den Jahren verfeinert

Kein Foto geht ohne eine Bearbeitung bei ihm raus. Im Laufe der Jahre hat er einen eigenen Workflow entwickelt und verfeinert diesen stetig. Den Goldenen Schnitt hat er immer im Blick, denn der richtige Bildausschnitt ist für die Wirkung eines Fotos entscheidend. „Natürlich habe ich auch das Bild von der Domplatte nach diesen Regeln zugeschnitten und mir genau überlegt, wie es am besten wirkt“, erzählt Klaus Ammenhäuser.

Von Melanie Weiershäuser

13.04.2021