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Blende 2020 Mitten in der Gischt
Landkreis Blende Blende 2020 Mitten in der Gischt
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12:46 05.08.2021
„Welle und Wolke“, Platz 3 in der Kategorie Elemente.
„Welle und Wolke“, Platz 3 in der Kategorie Elemente. Quelle: Thomas Dimroth
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Marburg

Sind es Wolken oder ist es schon die Gischt der tobenden Wellen? Ein starker Wind treibt beides an – und mittendrin steht Thomas Dimroth mit der Kamera. Sein Foto zeigt die Kraft der Elemente so eindrucksvoll, dass er damit einen dritten Platz beim Blende-Wettbewerb belegte.

Entstanden ist das Bild auf Lanzarote – einer der acht kanarischen Inseln. Mit wenigen Grünflächen, dafür viel Geröll und erstarrter Lava zeigt sie ihren vulkanischen Ursprung deutlich. Im Januar 2019 verbrachte das Ehepaar ihren Urlaub dort. Einfach mal die Seele baumeln lassen und natürlich die schöne Landschaft fotografieren, so der Plan.

Das Wetter hielt ihn nicht auf

„Das Wetter war nicht so gut“, sagt der Hobby-Fotograf. Aber das hielt ihn nicht davon ab, auch an diesem Tag seinen Fotoapparat auszupacken und das Naturschauspiel am Strand aus allen Perspektiven festzuhalten. „Teilweise stand ich mitten in der Gischt“. Sein Siegerfoto hat der Marburger aus einer windgeschützten Ecke heraus aufgenommen. An eine Mauer gelehnt beobachtete er Wellen, Himmel und Wolken, und wie das Wasser unkontrolliert gegen die Felsen krachte. Auf seinem Foto dominiert das Element Wasser – mit den Wolken ergibt das ein wunderbares Zusammenspiel.

Schon als Jugendlicher hat Thomas Dimroth gerne fotografiert. Für ihn hatte auch aus heutiger Sicht die Analogfotografie ihren Reiz. „Malen konnte ich nicht“, erinnert er sich. Aber als im Kunstunterricht das Thema „Perspektiven“ auf dem Stundenplan stand und es um Fotografie ging, war er in seinem Element. Seine erste Kamera war eine Kodak, die er vom Vater geschenkt bekommen hatte. Bis heute hat ihn dieses Hobby nicht mehr losgelassen.

Im Gegenteil: Technik und Stil haben sich in den Jahren entwickelt. Hinzu kam ein Ausflug in die Dia-Fotografie, die auch ihre Spuren hinterlassen hat. „Ich habe damals viele Aufnahmen von der Familie gemacht“, erinnert sich der Rentner. „Es muss etwa 2012 gewesen sein, als ich den Wechsel von der analogen zur digitalen Fotografie gemacht habe.“ Alles begann mit einer Spiegelreflexkamera von Canon und einem besonderen Geschenk seiner Frau: Ein Fotoworkshop in der spanischen Metropole Barcelona. „Mit zehn Personen sind wir durch die Stadt gelaufen, haben die Informationen der Kursleiterin förmlich aufgesogen und auch viele wunderschöne Ecken Barcelonas gesehen.“

An den Genres interessiert

Der Kontakt zu ihr besteht bis heute. Vor einigen Jahren legte Dimroth sich dann eine spiegellose Kamera zu, eine Fuji XT4. „Jede Technik und Art Fotos aufzunehmen, hat ihren Reiz und stellt den Fotografen vor neue Herausforderungen.“

Landschafts- und Architekturfotografie begeistern den 67-Jährigen ebenso wie Langzeitbelichtungen oder auch die sogenannte ICM-Technik (Intentional Camera Movement). Das ist eine eher grafisch-abstrakte Form der Fotografie. „Durch Bewegung des Objektives oder gleich der ganzen Kamera (horizontal oder vertikal) entstehen unscharfe, verwaschene oder gemusterte Fotos“, erklärt Dimroth. Besonders gut gelingt dieser Effekt am Strand und Meer oder im Wald.

„Ich probiere gerne verschiedene Techniken aus und teste, was alles möglich ist.“ Die Ergebnisse überraschen und begeistern zugleich. Wegen der Einschränkungen, die Corona mit sich brachte, hat er auch in die Natur- und Tierfotografie reingeschnuppert. „Da wird der eigene Garten zur Bühne und die besten Motive sind Blumen und alle möglichen Tiere.“ Oder er weitet seinen Radius aus und geht mit der Kamera an den Mühlgraben oder das Grüner Wehr: Dort bekam er sogar schon einen Eisvogel und einen Fischreiher mit Fisch im Schnabel vor die Linse.

Weiterbilden gehört dazu

Die Ansprüche an seine Aufnahmen sind in den vergangenen Jahren gewachsen. Der ehemalige Wohnheimleiter der Bürgerinitiative Sozialpsychiatrie bildet sich gerne weiter. Dazu besucht er nicht nur Fotoworkshops oder belegt Kurse an der Marburger Volkshochschule, sondern liest auch Fachbücher und interessiert sich für Tutorials, von denen man unzählige im Internet findet. Auch vor Ort engagiert sich Thomas Dimroth. Unter Fotografen sind die FotoCommunityMarburg und das FotoSpektrumMarburg sehr bekannt. Durch die verschiedenen Gruppen entstehen soziale Kontakte, und auch die Unterstützung innerhalb der Organisationen ist sehr hilfreich. „Durch diese Kontakte ist auch eine eigene Ausstellung zustande gekommen“, erklärt Dimroth. Eine Ausstellung zum Thema „Im weiten Winkel“ sollte in der Beratungsstelle BIP in Marburg stattfinden, konnte jedoch wegen des Lockdowns nicht eröffnet werden.

„Aus diesem Grund können Interessierte die Fotografien jetzt noch einmal im Gebäude der VHS ansehen.“ Als Vorstandsmitglied des 2020 gegründeten Vereins „KulturNetzwerkFotografieMarburg“ engagiert er sich in dem Projekt „Fotobus“, der im kommenden Jahr zum Stadtjubiläum „Marburg800“ von März bis Oktober in den Marburger Ortsteilen mit Fotoaktionen für jeweils eine Woche Station machen wird.

Wie bei vielen Fotografen ist die Bildbearbeitung auch bei Thomas Dimroth ein großes Thema. „Ich bearbeite wirklich jedes Foto“, berichtet er und profitiert dabei von seiner jahrelangen Erfahrung mit Adobe Lightroom. Zusätzlich arbeitet er seit einiger Zeit mit Luminar und auch mit dem amerikanischen Programm ON1. „Manchmal ist es ein Mix aus allen Bearbeitungsprogrammen, bis ein Foto fertig ist“. Wer Lust auf die Ergebnisse bekommen hat, kann sich die Fotos von Thomas Dimroth auf Facebook oder Instagram ansehen.

Von Melanie Weiershäuser

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