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Blende 2020 Dem größten Künstler auf der Spur
Landkreis Blende Blende 2020 Dem größten Künstler auf der Spur
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16:16 18.06.2021
Das Foto „Hinter dem Schleier“ erreichte Platz 1 in der Kategorie Schwarz-Weiß-Fotografie.
Das Foto „Hinter dem Schleier“ erreichte Platz 1 in der Kategorie Schwarz-Weiß-Fotografie. Quelle: Jürgen Schmittdiel
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Marburg

In Sachen Blende-Wettbewerb ist Jürgen Schmittdiel sozusagen ein Wiederholungstäter. Bereits zum dritten Mal gehört er zu den Gewinnern. Und auch Venedig hat ihm schon einmal Glück gebracht. Mit „Venedig bei Nacht“ belegte er 2019 den 1. Platz in der Kategorie „Nightlife“. In diesem Jahr hat er es mit „Hinter dem Schleier“ auf den 1. Platz in der Kategorie Schwarz-Weiß-Fotografie geschafft. „Dabei bin ich sonst keiner, der viel gewinnt“, kommentiert Schmittdiel.

Im Februar 2020 war Schmittdiel mit seiner Frau auf Fotoreise. Nach Füssen im Allgäu ging es in die Dolomiten und an den Gardasee. Dann wollte das Paar eigentlich schon wieder die Rückreise antreten. Spontan entschlossen sie sich, einen Abstecher zum Karneval in Venedig zu machen. „Normalerweise herrscht dort ein höllisches Gedränge. Deshalb haben wir uns schon gewundert, dass gar nicht so viel los war“, berichtet Schmittdiel.

Ein Schock über Corona-Nachricht

Erst zu Hause hat das Paar vom Beginn der Corona-Pandemie erfahren. „Das war ein Schock. Die italienischen Nachrichten hatten wir ja nicht verstanden.“ Der Vorteil aber war, dass er gut fotografieren und mit den kostümierten Personen in Kontakt treten konnte. Und so entstanden an diesem Tag sehr viele Fotos von Maskierten.

Dass er das Gewinnerbild noch geschossen hat, verdankt Schmittdiel einem zweiten Zufall: Eigentlich hatte er seine Kamera schon eingepackt. Als er das Paar für einen anderen Fotografen posieren sah, holte er die Kamera wieder heraus. „Karneval in Venedig ist normalerweise eine bunte und farbenfrohe Angelegenheit. Durch den Schleier und die dunkle Kleidung bot es sich aber förmlich an, das Bild in Schwarz-Weiß umzusetzen“, erklärt Schmittdiel und ergänzt: „Dass die Frau zu dem anderen Fotografen schaut, macht das Foto noch interessanter. Dadurch wirkt es nicht so gestellt.“

„Die Natur ist einer der größten Künstler“

Das Thema des Wettbewerbs kam ihm ganz gelegen, denn in letzter Zeit hat sich Schmittdiel ausgiebig mit Schwarz-Weiß-Fotografie beschäftigt. „Man sagt oft: Farbe plappert“, meint der Fotograf und ergänzt: „Schwarz-Weiß-Fotografie eignet sich gut als Stilmittel, um auf das Wesentliche hinzuweisen, zu minimalisieren.“ Besonders die Aufnahmen von Ansel Adams haben ihn fasziniert: „Es ist Wahnsinn, wie viele Emotionen man mit Schwarz-Weiß-Fotografie aus Naturaufnahmen herausholen kann.“

Seine Ausrüstung nennt er selbst „spartanisch“. Seine „Karneval in Venedig“-Bilder entstanden überwiegend mit einer Leica T und einer 35­-mm-Festbrennweite sowie ein wenig Bildbearbeitung. „Beim Fotografieren geht es mir um das wirkliche Erleben. Das Bild soll möglichst authen­tisch sein“, erläutert Schmittdiel.

Jürgen Schmiitdiel Quelle: Jürgen SchmittdielJürgen Schmittdiel

Seit vier Jahren gehört das Fotografieren zu Schmittdiels Hobbys. „Eigentlich wollte ich erst zum Reinschnuppern eine billige Kamera kaufen. Zum Glück hat mich die Verkäuferin umgestimmt, und ich bekam ein Modell in der Umstellungsphase zum halben Preis“, schildert der Fotograf.

Überwiegend fotografiert Schmittdiel Natur und Landschaft, am liebsten auf Fotoreisen. „Ich war schon immer naturverbunden. Als Kind war ich viel auf Wiesen und in Wäldern unterwegs“, schildert der Fotograf und ergänzt: „Die Natur ist einer der größten Künstler. Was sie hervorbringt, möchte ich für andere festhalten.“ Seine Lieblingsmotive sind alte Bäume und Wälder.

Größere Strapazen

Für ein gelungenes Foto nimmt Schmittdiel (Foto: Schmittdiel) auch schon mal größere Strapazen auf sich. Eine berühmte Rotbuche in der Rhön wollte er unbedingt im Winter ablichten. „Das hab ich komplett unterschätzt: Ich bin durch kniehohen Schnee langsam den Berg hochgestapft und war am Ende komplett durchnässt und durchgefroren“, berichtet er von diesem Erlebnis. „Ich suche das Andere, das Besondere, und es macht Spaß, wenn es gelungen ist.“

Für die Makroaufnahme von einem Frosch wartete er etwa zwei Stunden, bis sich das scheue Tier an ihn gewöhnt hatte und wieder aus der Deckung kam. „Ich stand an einer morastigen Stelle, es hat fürchterlich gestunken, aber die Aufnahme ist toll geworden,“ erzählt der Fotograf. Er sitzt auch schon mal stundenlang auf einer Wiese, um einen Schmetterling im richtigen Licht zu erwischen. Auch das hat sich für ihn gelohnt: Mit dem „Schwalbenschwanz im Abendlicht“ hat Schmittdiel 2018 den 3. Platz in der Kategorie „Welt der kleinen Dinge“ belegt.

Von Stefanie Wellner

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